Das Forum für Weltreligionen II - 4.2.21
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 57. EL 2018 1
II - 4.2.21 Das Forum für Weltreligionen –
Eine Kontaktstelle für interreligiösen Dialog
Von Brigitte M. Proksch
Zusammenfassung
Das „Forum für Weltreligionen“ (Ökumenische Arbeitsstelle für interreli-
giösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit in Wien) wird vorgestellt
mit den Hauptaspekten: ideele und organisatorische Wegbereiter (u.a. Petrus
Bsteh), Genese und Aktivitäten.
Schlagwörter
Interreligiöser Dialog, Petrus Bsteh, Forum für Weltreligionen
Summary The „Forum for World Religions“ (Ecumenical Office for Interreligious Di-
alogue and Interreligious Cooperation in Vienna) is presented with the main
aspects: idealistic and organizational pioneers (including Peter Bsteh), genesis
and activities.
Keywords Interreligious dialogue, Peter Bsteh, Forum for World Religions
1 Vorgeschichte
1985 wurde von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und dem Rat
der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) die Bildung eines Komitees
vorbereitet, das sich besonders mit den aktuellen Entwicklungen des Islam in
Europa und dem Verhältnis der Kirchen zum Islam befassen sollte. 1987 wurde
dieses als Ausschuss Islam in Europa offiziell eingerichtet.
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Die katholische
Bischofskonferenz Österreichs entsandte damals den Fundamentaltheologen
und Diözesanpriester Petrus Bsteh, Rektor des Afro-Asiatischen Instituts in
Wien, der reiche Dialogerfahrung hatte, in dieses Gremium. Mit der Grün-
dung des Afro-Asiatischen Instituts im Jahr 1959 hatte der Wiener Erzbischof
Kardinal Franz König (1905 – 2004) bereits im Vorfeld des Zweiten Vatikani-
schen Konzils in Wien einen Ort der Begegnung von Kulturen und Religionen
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II - 4.2.21 Das Forum für Weltreligionen
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Westarp Science – Fachverlage
geschaffen. Im Institut befanden sich die erste Moschee Österreichs nach dem
Zweiten Weltkrieg, der erste und für lange Jahre einzige Hindutempel sowie
ein internationales christlich-ökumenisches Zentrum mit Kapelle – alles unter
einem Dach.
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Hier wurden Begegnung der Kulturen und Dialog der Religionen
erstmals im Nachkriegsösterreich praktiziert.
2 Spiritualitätsgeschichtliche Entwicklungen und die Gründung des
Afro-Asiatischen Instituts
Die Errichtung des Afro-Asiatischen Instituts nährte sich aus einer doppelten
Inspiration: René Voillaume (1905 – 2003), Gründer der Kleinen Brüder von Je-
sus, hatte 1955 Österreich besucht und im Benediktinerstift Kremsmünster eine
erste und prophetische interreligiöse Begegnung organisiert. Sein bekanntes
Werk En coeur des masses, „Mitten in der Welt“, griff Ideen Charles de Fou-
caulds (1858 – 1916) auf: Kontemplation als Leben unter einfachen und armen
Menschen, solidarisch ihr Leben teilen … – In der neuzeitlichen Geschichte
christlicher Spiritualität hat Charles de Foucauld mit diesem Konzept vom
kontemplativen Leben „mitten in der Welt“ eine Schlüsselrolle inne. Vorbild für
seine Eremitage am Rand der Sahara waren ihm u. a. die islamischen Zentren
der Gastfreundschaft, die sogenannten Zaonia, die Reisenden Unterkunft und
Schutz gewährten. „Ich möchte, dass alle Einwohner, Christen, Muslime, Juden
und Heiden, mich als ihren Bruder, den Bruder aller Menschen betrachten“,
schrieb er in sein Tagebuch und verband viele Stunden stiller Betrachtung mit
sozialem Engagement. Dies war die Gedankenwelt, die 1955 begeisterte An-
hänger Foucaulds und Voillaumes in Salzburg die Notwendigkeit erkennen ließ,
für die ersten nach Österreich kommenden Studierenden aus Afrika und Asien
etwas zu unternehmen, ihnen geschwisterlich zur Seite zu stehen.
Noch eine andere Persönlichkeit wirkte in diese neue katholische Bewegung
hinein: der Geist des Missionars Freddy Lebbe (1877 – 1940) aus Südflandern,
der als Lazarist den Ordensnamen Vincent wählte und die erste große Missi-
onsenzyklika Benedikts XV. maßgeblich beeinflusste. Seine Tätigkeit in China
war von dem Bemühen um Inkulturation des Christentums geprägt, ein Begriff,
der in der Weltkirche erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wichtig
wurde. Vincent Lebbe war es zu verdanken, dass 1926 erstmals Chinesen zu
Bischöfen geweiht wurden. Lebbe begründete in Frankreich das Apostolat
unter den chinesischen Studierenden. In seinem Geist gründete Abbé André
Boland (1891 – 1966) die Gemeinschaft der Société des Prêtres auxiliaires des
Missions zur Unterstützung neu gegründeter Diözesen und ihrer Bischöfe. Die
Gemeinschaft wurde besonders in Asien unter dem Kürzel „SAM“ bekannt. In
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Der vollständige Artikel umfasst 14 Seiten
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