Dialogsituation Neue Bundesländer - Berlin/Brandenburg II - 4.2.13.1
II-4.2.13Dialogsituation in den neuen Bundesländern
II - 4.2.13.1Berlin und Brandenburg
Von Karl-Wolfgang Tröger
Berlin ist traditionell eine fremdenfreundliche Stadt, in der das Interesse an
Kulturen und Religionen groß ist. Die Notwendigkeit, sich mit Menschen an
derer Kulturen und Religionen auseinanderzusetzen, hat sich freilich erst durch
die verstärkte Zuwanderung von Ausländern nach Westberlin ergeben. Der
Ostteil Berlins und die DDR waren bis 1989 kaum betroffen, da die hier arbei
tenden oder studierenden Ausländer in der Regel in ihre Länder zurückkehren
mußten. Mit Ausnahme des christlich-jüdischen Dialogs, der in den DDR-Kir
chen intensiv betrieben wurde, war deshalb der Dialog mit anderen Religionen
im Bereich der DDR lange kein Thema, das staatlicher- wie kirchlicherseits für
dringlich erachtet wurde. Das änderte sich erst allmählich in den 80er Jahren.
In Westberlin hingegen hat der interreligiöse Dialog bereits lange Tradition.
Seit 1989 bemühen sich staatliche und religiöse Institutionen, den Dialog im
wiedervereinigten Berlin zu intensivieren, um das Zusammenleben von Men
schen unterschiedlicher Herkunft und Religion zu fördern und zum Abbau von
Vorurteilen und Spannungen beizutragen. Diese Aktivitäten beziehen auch das
Land Brandenburg mit ein.
Von den Institutionen bzw. Organisationen, die sich besonders um den inter
kulturellen und interreligiösen Dialog bemühen, ist u.a. zu nennen: „ WCRP-
Berlin “. Zu dieser Berliner Gruppe der World Conference on Religion and Peace
(Weltkonferenz der Religionen für den Frieden) gehören evangelische und ka
tholische Christen, Muslime, Buddhisten, Hindus und Angehörige der Baha’i-
Religion. Sie treffen sich regelmäßig zum Gedankenaustausch, zur themati
schen Arbeit (theologische, soziale, gesellschaftliche Themen, z.B. sozial
verträgliches Wirtschaften, Ausländerfragen, internationale Probleme), nehmen
gegenseitig an religiösen Festen teil und gestalten gemeinsame Aufgaben, letz
teres z.B. durch interreligiöse Andachten beim Welt-Klimagipfel und durch re
gelmäßige Dienste im interreligiösen „Raum der Stille“ im Brandenburger Tor.
Bewährt hat sich die Zusammenarbeit von WCRP-Berlin mit der „ Katholischen
Akademie in Berlin“, u.a. bei einer gemeinsamen Vcranstaltungsreihe „Tole
ranz und Frieden - Konfliktstoff zwischen den Religionen und staatlicher
Religionspolitik“.
Kirchlicherseits ist der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg um eine Vertie
fung des Dialogs bemüht, u.a. durch seine Islam-Kommission, die sich um die
Integration von Kindern und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen be
müht, und durch die im Entstehen begriffene Werkstatt Religionen zur Un
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1. EL 1998 1
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II - 4.2.13.1 D ialogsituation Neue Bundesländer - Berlin/Brandenburg
terstützung von Schulklassen und Lehrern. Der Ökumenische Rat will auch
eine Plattform für das Gespräch mit christlichen Ausländergemeinden sein.
Eine lange Tradition hat die Dialogarbeit in der Evangelischen Akademie Ber
lin-Brandenburg (besonders Juden und Christen bzw. Juden, Christen und
Muslime) mit Tagungen und Workshops.
Als weitere kirchliche Institutionen zur Förderung und kritischen Begleitung
des Dialogs sind das Dialog Center International-Berlin, das die Zeitschrift
Berliner Dialog. Informationen und Standpunkte zur religiösen Begegnung beim
Wichern-Verlag Berlin herausgibt, und die Evangelische Zentrale für
Weltanschauungsfragen (EZW) mit Sitz in Berlin zu nennen.
Die Ökumenische Werkstatt beim Berliner Missionswerk bietet Gespräche mit
Gruppen, besonders Schulklassen an.
Aus den interkulturellen Aktivitäten der Heiligkreuzkirche in Berlin-Kreuzberg
ging u.a. Asyl in der Kirche hervor.
Einen starken Anteil am interkulturellen bzw. interreligiösen Dialog haben das
Haus der Kulturen der Welt, die Werkstatt der Kulturen (Kulturbrauerei) und
der Multikulti Sender (ein Projekt des SFB). Vom Oktober 1992 bis August
1997 bestand beim ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg) die Senderei
he „Erdkreis, Mensch und Himmelreich“, die sich - wohl einmalig in Deutsch
land - mit den Weltreligionen beschäftigte. Seither wird die Stundensendung
(Redaktion: Luise Thuss) im SFB/ORB-Gemeinschaftsprogramm radiokultur
weitergeführt.
Vom Berliner Senat werden auf vielfältige Weise die interkulturellen und inter
religiösen Projekte und Begegnungen unterstützt, vor allem durch die Ausländer
beauftragte des Senats, die eine Reihe von einschlägigen Publikationen initiiert
hat (Weltreligionen in Berlin, 1993
2
; interreligiöser Kalender; Iraner in Berlin,
1994, u.a.), aber auch die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales (Der
Islam und die Muslime, 1995
9
). Im Scptember/Oktober findet jährlich die Wo
che des ausländischen Mitbürgers statt (1996 ca. 200 Veranstaltungen), die auch
dem interreligiösen Dialog gewidmet ist. Wichtig für die Wissensvermittlung
über Kulturen und Religionen als Basis des Dialogs sind die stark frequentier
ten Berliner Museen (Islamische Welt, Indien, Ostasien, Afrika etc.).
2 Westarp Science - Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 3 Seiten
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