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Spirituelle Wege e.V. – Zen und Kontemplation / Würzburger Schule der Kontemplation WSdK / Transkonfessionelle Religiosiät

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Spirituelle Wege II - 3.1 II - 3.1 Spirituelle Wege e.V. - Zen und Kontemplation / Würzburger Schule der Kontemplation WSdK / Transkonfessionelle Religiosiät Von Joachim Süss Die Konzeption und Praxis der transkonfessionellen Religiosität geht auf den lange in Würzburg ansässigen Benediktinerpater und Zen-Lehrer Willigis Jäger zurück. Es handelt sich dabei um eine mystisch geprägte Frömmigkeit, die sich im Diskurs mit dem zeitgenössischen Weltverständnis entwickelt hat. Sie erhebt den Anspruch, eine universale Erfahrung des Seinsgrundes jenseits konfessio­ neller Schranken zu ermöglichen. Ihre beiden Hauptwurzeln sind die traditio­ nelle, d.h. vorwiegend die christlich konfigurierte abendländische Mystik und der Zen-Buddhismus. Darüber hinaus flössen Erkenntnisse der Evolutionstheo­ rie, Astrophysik und Bewußtseinsforschung in Jägers Konzeption ein. Die von Willigis Jäger selbst eingefuhrte Bezeichnung transkonfessionelle Re­ ligiosität steht für einen modernen Frömmigkeitstypus, der hinsichtlich seiner religiösen und theologischen Aussagen durchaus eigenständig ist. Die prakti­ zierten Übungswege wollen von Religionszugehörigkeiten oder konfessionel­ len Bindungen unabhängig sein. Sie richten sich an all jene Menschen, die nach qualifizierten Wegen nach Innen suchen. Die Wirkung Jägers im kirchlichen Bereich und weit darüber hinaus ist mittler­ weile beachtlich: Allein in Deutschland ist die Anzahl der mit ihm verbundenen Ortsgruppen auf über 260 angestiegen, darüber hinaus existieren noch einmal mehr als 20 Gruppen im Ausland, bis in die USA hinein. Durch seine Arbeit inspiriert, entstanden der Verein Spirituelle Wege e.Z. ~ Zen und Kontemplation sowie die Würzburger Schule der Kontemplation WSdK. Ihr gehören derzeit etwa 70 Kontemplationslehrer an. Beide Einrichtungen haben sich zum Ziel gesetzt, die Tradition des kontemplativen Gebets zu beleben und Menschen in den transpersonalen Raum mystischer Erfahrung einzufuhren. Willigis Jäger, geb. 1925, ist Benediktiner der Abtei Münsterschwarzach. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie erfolgte seine Ordination zum kath. Priester. Im Anschluß an einen sechsjährigen Aufenthalt in einem japanischen Zen-Kloster in Kamakura/Japan wurde er zum Ko-un Roshi (d.i. Meister) der Sanbo-kyodan Schule ordiniert. Bei ihr handelt es sich um eine noch relativ junge und kleine Linie, die Elemente der beiden größten Zenschulen, Rinzai und Soto, in sich vereinigt. Nach seiner Rückkehr aus Japan erhielt Jäger im Jahre 1983 die Erlaubnis, einen Teil seines Klosters in Würzburg in ein Zendo umzuwandeln. Es ist Kem des Hauses St. Benedikt, als dessen Leiter der Pater bis Ende 2000 fungierte. Jäger, der seit Jahresbeginn 2002 mit einem Auftritts­ und Publikationsverbot seitens der vatikanischen Glaubenskongregation kon­ Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 7. EL 2003 1 --- Seite 1 Ende --- II - 3.1 Spirituelle Wege frontiert ist, konzentriert sich seither stärker auf die individuelle Begleitung seiner zahlreichen Kontemplations- und Zenschüler. Er lebt derzeit in Exkiaustration, d. h. von seinen Ordens- und Pastoralpflichten entbunden. Der universalreligiöse Ansatz Die Konzeption der transkonfessionellen Religiosität wurde von Jäger in zahl­ reichen Ansprachen und Vorträgen mündlich entfaltet. Viele von ihnen werden als Audio-Cassetten vertrieben, die wichtigsten liegen mittlerweile auch ge­ druckt vor. In seinen Publikationen vertritt Jäger einen universalreligiösen An­ satz, den er als Essenz des esoterischen, d. i. die innere Seinswirklichkeit an­ sprechenden Wissens der großen religiösen Traditionen der Welt versteht. Er propagiert eine auf der eigenen inneren Erfahrung gründende, esoterische Spiri­ tualität, die er zur exoterischen Frömmigkeit hin abgrenzt: Diese basiere we­ niger auf der individuellen Erfahrung als auf dem Nachvollzug dogmatischer Glaubensgrundlagen, die keine direkte Gottesbegegnung ermögliche. Alle Religionen verweisen Jäger zufolge auf die gleiche Erfahrung, und zwar ungeachtet aller zeit- und kulturbedingten Unterschiede. Diese liege in der Identität des tieferen Selbst des Menschen mit dem letzten Seinsgrund oder Gott. Nicht das, was sichtbar ist, sei real, sondern das Unsichtbare, der unsterb­ liche Geist, das Bewußtsein als der Urgrund allen physikalischen Lebens. Be­ wußtsein vermutet Jäger hinter allen evolutiven Prozessen im Kosmos und be­ ruft sich dabei auf Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft. In der Kom­ bination von Spiritualität mit naturwissenschaftlichen Theorien, die sich wie ein roter Faden durch die Vorträge Jägers zieht, liegt sicherlich ein wesentli­ cher Grund für die Faszinationskraft und die Aktualität seines Ansatzes. Das moderne wissenschaftliche Weltverständnis erzwingt auch eine neue Anthropologie: Ihr Paradigma laute nicht mehr, daß der Mensch als physi­ scher Leib Bewußtsein entwickelt hat, sondern daß das universale Bewußtsein (ein allerdings nicht personal zu deutendes Synonym für Gott) zum Menschen evolviert sei und nunmehr eine menschliche Erfahrung in der Zeit mache. Die Personalität des Menschen erscheint hier im Gegensatz zur christlichen Auf­ erstehungslehre nur als eine flüchtige Größe, sie überdauert den Tod nicht. Wie in der Advaita-Philosophie des Vedanta wird der Mensch zur individuellen, aber vergänglichen Erscheinungsform des umfassenden Göttlichen, welches zu­ gleich sein wahres Wesen ist. Dies zu erfahren, ist das Ziel der transkonfes­ sionellen Religiosität, wie im übrigen jeder Mystik. Folgerichtig ist auch das von Jäger skizzierte Gottesbild nicht mehr duali­ stisch, sondern monistisch geprägt. Hier zeigen sich starke Einflüsse asiati­ schen Denkens. In seiner bildkräftigen Sprache beschreibt er Gott als Tänzer, 2 Westarp Science - Fachverlage
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