Die Gemeinschaftsbewegung II - 2.2.8
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 76. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Die Gemeinschaftsbewegung ist seit mehr als 130 Jahren Teil der Christen-
tumsgeschichte in Deutschland. Durch Impulse aus dem angloamerikani-
schen Raum belebt, entwickelten pietistisch-erweckliche Konventikel mit
Vereinen und Vergemeinschaftungen im ausgehenden 19.
Jh. ein evangelis-
tisch-missionarisches Profil im Kontext der krisenbewährten evangelischen
Landeskirchen. Den Beginn einer organisierten Gemeinschaftsbewegung
markiert die sog. „Gnadauer Konferenz“ 1888 in einem kleinen Ort südlich
von Magdeburg. 1897 konstituierte sich der „Deutsche Verband für evangeli -
sche Gemeinschaftspflege und Evangelisation“, heute bekannt als „Evange -
lischer Gnadauer Gemeinschaftsverband“. Bereits in den ersten Jahrzehnten
durchlebte die Gemeinschaftsbewegung ihre bis heute schwerste Krise – die
Trennung von der Pfingstbewegung 1909. Während des Nationalsozialismus
orientierte sich die Gemeinschaftsbewegung an der Bekennenden Kirche.
Nach 1945 kam es zur Teilung in einen westdeutschen „Gnadauer Verband
für Gemeinschaftspflege und Evangelisation e.
V.“ und ein ostdeutsches
„Evangelisch-kirchliches Gnadauer Gemeinschaftswerk in der DDR e. V.“.
Er
st 1991 fusionierten beide wieder zu einem Gnadauer Verband, der sich
gegenwärtig als Dachverband und Repräsentant des innerkirchlichen Pie-
tismus versteht.
SchlagwörterSchlagwörter
Gemeinschaftsbewegung, Heiligungsbewegung, Evangelisationsbewegung,
Landeskirchen, Neupietismus, Gnadauer Gemeinschaftsverband, Gnadauer
Pfingstkonferenz, Jesus-Gebetsbewegung
II - 2.2.8 Die Gemeinschaftsbewegung
[The German fellowship movement]
Eduard Ferderer
Submitted March 08, 2023, and accepted for publication April 04, 2023
Editor: Thomas Hahn-Bruckart
SummarySummary
The fellowship movement has been part of Christian history in Germany for
more than 130 years. Through contact with north American Christianity,
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II - 2.2.8 Die Gemeinschaftsbewegung 2© Westarp Science Fachverlag
1 Die Hinführung
D
ie deutsche Gemeinschaftsbewegung, wie sie im Evangelischen Gnadauer
Gemeinschaftsverband organisiert ist, vernetzt gegenwärtig zahlreiche pie-
tistische und evangelikale Gruppierungen und Organisationen innerhalb der
Evangelischen Landeskirchen. Sie ist die größte Laienbewegung innerhalb
der Evangelischen Kirche in Deutschland, vernetzt ca. 200
000–300 000 Mit-
glieder und Freunde
1
und kann „nicht als allgemein bekannt vorausgesetzt
werden“
2
.
Der vorliegende Beitrag möchte einen informativen Überblick zu ihrer Enste-
hung, Entwicklung und gegenwärtigen Ausrichtung bieten. Es ist Forschungs-
konsens, dass die Gemeinschaftsbewegung seit ihren Anfängen eine plurale
Erscheinung war und ihre Entstehung durch deutsche und angloamerikanische
Frömmigkeitstraditionen initiiert wurde.
3
Als eine Wurzel aus dem deutschsprachigen Raum kann Martin Luthers Vor -
rede zur Deutschen Messe angesehen werden. Luther forderte darin ein zu -
sätzliches gottesdienstliches Angebot für aktive Gläubige und setzte damit
grundlegende Impulse für den Pietismus und die Gemeinschaftsbewegung.
Pietist-revivalist groups developed an evangelistic-missionary profile by
forming societies and fellowship groups at the end of the 19th century within
the crisis-proven Lutheran state churches. The „Gnadau Conference“ of 1888
in a small town south of Magdeburg marks the beginning of an organized
fellowship movement. In 1897, the German Society for protestant Fellowship
and Evangelism was constituted, known today as the protestant Gnadau Fel-
lowship Society. In its first decades the fellowship movement already faced
its hardest crisis to date – the separation from the Pentecostal movement in
1909. During the period of national socialism, the fellowship movement held
to the Confessing Church. After 1945, there was a separation into the West
German „Gnadau Society for Fellowship and Evangelism“ and the „Protes -
tant Church Gnadau Fellowship Ministry in the GDR“, which only reunited
in 1991 to form the present-day umbrella organization and representative
organ of Pietism within the mainline Lutheran Churches.
KeywordsKeywords
Fellowship movement, holiness movement, evangelism movement, Lutheran
Churches in Germany, the New Pietism, Gnadau Fellowship Society, Gnadau
Pentecost Conference, Jesus-Prayer Movement
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Der vollständige Artikel umfasst 15 Seiten
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