Praxis kirchlicher Männerarbeit II - 2.2.6
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 72. EL 2022 1
Zusammenfassung
Der Beitrag beschäftigt sich mit einem Praxisfeld kirchlichen Handelns, das
sich einer bewusst geschlechtsspezifischen Perspektive bedient: der Män-
nerarbeit. Es soll geklärt werden, worum es sich bei diesem traditionellen
Themenfeld handelt, wie es historisch gewachsen ist und welche Relevanz
ihm in einem modernen gesellschaftlichen Diskurs über die Konstruktionen
der Geschlechter zukommt. Der Schwerpunkt der Darstellung wird auf Ar-
beitsformen in den katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland
liegen, da hier die Entwicklung dieser spezifischen Arbeit am stärksten aus-
geprägt ist. Vergleichend wird dabei immer wieder auch exemplarisch Bezug
genommen auf die Rolle von Männern in anderen religiösen Glaubensfor-
men. Es wird dabei gezeigt, dass eine empirisch belegbare Wechselwir-
kung zwischen Geschlecht und Religion existiert, die allerdings vorrangig
durch die (auch religiöse) Konstruktion von Geschlechterrollen begründet
ist. Offensichtlich zeichnet viele Männer eine deutliche Distanz zu instituti-
onalisierten Formen der Religion aus, und sie entwickeln daher spezifische
Formen spiritueller Ressourcen. Kirchliche Männerarbeit reagiert darauf mit
dem entsprechenden Angebot an Formaten und Räumen. Sie begleitet Män-
ner auf ihrem Weg durch die sich ständig wandelnde Lebenswirklichkeit.
Daher wird sich Männerarbeit immer in dreifacher Anwaltschaft verstehen
müssen: für die Männer und ihre spirituellen Bedürfnisse, für den Dialog
zwischen Männern und religiöser Institution sowie für eine Anknüpfungs-
fähigkeit sich wandelnder Ausprägungen von Männlichkeit an den Diskurs
über Geschlechtergerechtigkeit in Religion, Kirche und Gesellschaft.
II - 2.2.6 P raxis kirchlicher Männerarbeit im Kontext
d er historischen und kulturellen Entwicklung
v on Geschlechterkonstruktionen
[Practice of church work for men in the context
o f the historical and cultural development of
g ender constructions]
Martin rosowski
Submitted December 08, 2021, and accepted for publication April 01, 2022
Editor: Udo Tworuschka
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II - 2.2.6 P raxis kirchlicher Männerarbeit
2
© Westarp Science Fachverlag
Summary
The article deals with a practical field of church action that makes use of a
consciously gender-specific perspective: Men’s Work. The aim is to clarify
what this traditional topic is, how it has grown historically and what relevan-
ce it has in a modern social discourse about the constructions of gender. The
focus of the presentation will be on forms of work in the Catholic and Protes-
tant churches in Germany, as this is where the development of this specific
work is most pronounced. By way of comparison, reference is repeatedly
made to the role of men in other religious forms of belief. It is shown that
there is an empirically verifiable interaction between gender and religion,
which, however, is primarily based on the (also religious) construction of
gender roles. Obviously, many men are marked by a clear distance from
institutionalized forms of religion and they therefore develop specific forms
of spiritual resources. Church Men’s Work reacts to this with the appropriate
range of formats and spaces. It accompanies men on their way through the
constantly changing realities of life. For this reason, Men’s Work will always
have to be understood in triple advocacy: for men and their spiritual needs,
for the dialogue between men and religious institutions and for the ability of
changing kinds of masculinity to connect to the discourse on gender equality
in religion, church and society.
Keywords
Gender, masculinity, gender discourse, gender equality, religiosity, spiritu-
ality, gender specifics, men’s work, ecumenical-interreligious comparison,
practice of church men’s work.
Schlagwörter
Geschlecht, Männlichkeiten, Genderdiskurs, Geschlechtergerechtigkeit,
Religiosität, Spiritualität, Geschlechtsspezifik, Männerarbeit, ökumenisch- interreligiöser Vergleich, Praxisformen kirchlicher Männerarbeit
1 Religion und Geschlecht – Religion und Männlichkeit
Geschlechterrollen beeinflussen den Grad der Religiosität eines Menschen.
1
Dabei existiert offensichtlich eine duale Komplementarität zwischen den Kate-
gorien Religion und Geschlecht: Einerseits wird davon ausgegangen, dass zum
Beispiel Männer oder Frauen unterschiedliche Zugänge zu Religion wählen,
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Der vollständige Artikel umfasst 19 Seiten
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