II - 2.2.3.5

Das Megakirchenmodell – Ein Vergleich von Deutschland und den USA aus soziologischer Perspektive

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Das Megakirchenmodell II - 2.2.3.5 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 63. EL 2020 1 Zusammenfassung Der Beitrag diskutiert das Phänomen der sogenannten „Megakirche“ aus soziologischer Perspektive. Megakirchen sind evangelikal-protestantische Einzelgemeinden mit regelmäßig mindestens 2.000 sonntäglichen Gottes- dienstbesucherInnen. Die Entstehung und Durchsetzung des „Megakirchen- modells“ ist an den historischen und institutionellen Kontext der USA gebun- den. Im ersten Teil des Beitrags werden deshalb der institutionelle Wandel des protestantischen Feldes in den USA skizziert sowie fünf Merkmale der Megakirchen herausgearbeitet: 1) Lockerung von Bindungen zur Denomi- nation und zu den Mitgliedern, 2) starke Subjektivierung der persönlichen Religiosität, 3) Reduktion von Zugangsbarrieren für neue Mitglieder, 4) Stan- dardisierung von religiösen und organisatorischen Praktiken sowie 5) die eigenständige Definition von Organisationszielen. Im zweiten Teil untersuchen wir den Stand der Entwicklung von Megakirchen in Deutschland und vergleichen das marktorientierte Megakirchenmodell aus den USA mit der institutionellen Logik des „Parochialismus“. Schlagwörter Megakirche, institutionelle Logik, religiöser Markt, Parochialismus II - 2.2.3.5 Das Megakirchenmodell. Ein Vergleich von Deutschland und den USA aus soziologischer Perspektive. [The Megachurch Model: Comparing Germany and the US from a Sociological Perspective] Von Thomas Kern und Insa Pruisken Submitted August 30, 2019, and accepted for publication January 02, 2020 Editor: Erich Geldbach Summary This contribution discusses the phenomenon of the „megachurch“ from a sociological perspective. Megachurches are Protestant, single evangelical congregations with frequently at least 2.000 attenders on a given Sunday. The emergence of the megachurch model is embedded in the specific historical --- Seite 1 Ende --- II - 2.2.3.5 Das Megakirchenmodell 2 Westarp Science – Fachverlage 0 Einleitung Die Megakirche ist ein neues Gemeindemodell, welches sich seit etwa 40 Jah- ren vor allem in den USA erfolgreich ausbreitet. Megakirchen werden zumeist definiert als evangelikal-protestantische Einzelgemeinden, deren Gottesdienste regelmäßig von mindestens 2.000, oftmals aber deutlich mehr Gläubigen an einem Sonntag besucht werden. 1 1984 existierten in den USA schätzungsweise 70 Gemeinden mit über 2.000 Gottesdienstbesuchern. 2 1990 lag die Anzahl bei 310 und stieg bis 2007 auf schätzungsweise 1.250. Heute wird von über 1.700 Megakirchen ausgegangen. 3 Die Lakewood Church in Houston, Texas, gilt zur- zeit mit über 40.000 Gottesdienstbesuchern als größte Gemeinde in den USA. Außerhalb der USA befinden sich (in absoluten Zahlen) die meisten Mega- kirchen in Kenia (43), China (41), Korea (38) und Nigeria (33). 4 Die größten Gemeinden konzentrieren sich ebenfalls in diesen Ländern: Die Yoido Full Gos- pel Church in Korea erreicht schätzungsweise 480.000 Besucher, die Bethany Church of God in Indonesien 140.000 Besucher. 5 Megakirchen sind ein urbanes Phänomen, welches zugleich eng an die globalen Erfolge des Evangelikalismus und der Pfingstbewegung geknüpft ist, die in den letzten Jahren weltweit und insbesondere außerhalb Europas zahlreiche Mitglieder erfolgreich mobilisieren konnten. 6 7 Die Entstehung der Organi- sationsform „Megakirche“ ist eingebettet in den Wandel des institutionellen religiösen Feldes. Der in Deutschland noch immer stark vorherrschende „Paro- chialismus“ wurde in den USA schon im 19. Jahrhundert weitgehend durch den sogenannten „Denominationalismus“ ersetzt. 8 Letzterer hat in den letzten Jahr- and institutional context of the United States. In the first part of the contri- bution, we describe the institutional change of the Protestant field in the US as well as five central characteristics of the megachurch model: 1) Loosening of connections to the denomination and to the members, 2) subjectivation of personal religiosity, 3) reduction of entry barriers for new members, 4) standardization of religious and organizational practices, 5) autonomous de- finition of organizational goals. In the second part, we look at the emergence of megachurches in Germany and compare the market-oriented megachurch model of the United States with the institutional logic of „parochialism“. Keywords Megachurches, institutional logics, religious market, parochialism
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