Eva n gElikalE BEkEnntnisschulEn II - 2.1.10.7
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 74. EL 2022 1
Zusammenfassung
Innerhalb des deutschen Privatschulwesens wächst der Anteil an evangeli-
kal orientierten, vorwiegend ĂĽberdenominationell ausgerichteten Schulen
in freier Trägerschaft in den letzten 30 J ahren kontinuierlich. Die bis in
die 1970er-Jahre zurĂĽckgehenden unterschiedlichen GrĂĽndungsmotive wie
auch die gegenwärtigen Profilbildungsprozesse der Schulen erweisen sich als
sehr heterogen. Zugleich verleihen das verbindende evangelikale Anliegen
sowie die starke Vernetzung im Verband Evangelischer Bekenntnisschulen
der evangelikalen Schulbewegung ein weitgehend homogenes Gesicht. Als
Cantus firmus der Schulprofile zeigen sich die Betonung des persönlichen
Glaubens der Lehrkräfte, eine vertrauensvolle Nähe zu den Elternhäusern,
eine das Schulleben prägende frömmigkeitsspezifische Gebets- und An-
dachtskultur, eine an der Liebe Jesu Christi orientierte Pädagogik sowie eine
sinn- und wertstiftende Didaktik.
Schlagwörter
Evangelikalismus, Privatschulen, Bekenntnisschulen, evangelisches Schul-
wesen, Fundamentalismus, Pädagogik, Didaktik
II - 2.1.10.7 Evangelikale Bekenntnisschulen
[Evangelical Confessional Schools]
toBias lEhmann
Submitted August 18, 2022, and accepted for publication September 16, 2022
Editor: Thomas Hahn-Bruckart
Summary
Within the German private school system, the share of evangelically orien-
ted, predominantly interdenominationally oriented schools in independent
sponsorship has been growing continuously over the last 30 years. The dif-
ferent founding motives, which go back to the 1970s, as well as the schools’
current profiling processes prove to be very heterogeneous. At the same time,
both the unifying evangelical concern and the strong networking within
the Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (Association of Evangelical
Confessional Schools), gives the evangelical school movement a homoge-
neous appearance. The cantus firmus of the school profiles is the emphasis
--- Seite 1 Ende ---
II - 2.1.10.7 E va n gElikalE BEkEnntnisschulEn
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© Westarp Science Fachverlag
1 HinfĂĽhrung
Die vor gut 40 J ahren aus bescheidenen Anfängen erwachsene evangelikale
Schulbewegung verzeichnet im florierenden privaten Schulwesen insbesondere
seit Ende der 1980er-Jahre ein stetiges Wachstum.
1
Die evangelikal ausge-
richtete Nachrichtenagentur idea zählt für das Schuljahr 2 020/21 immerhin
107 Schulträger mit über 45 0 00 Schülerinnen und Schülern.
2
Die oftmals
gewählten Namensgebungen Freie Evangelische Schule oder Freie Christli-
che Schule verweisen darauf, dass sich die Schulen gegenĂĽber evangelischen
Schulen in kirchlicher oder diakonischer Trägerschaft durch ihre institutio-
nelle Ungebundenheit in gleichzeitiger Bindung an das christliche respektive
evangelische Bekenntnis auszeichnen. Dieser weite Bezugsrahmen, der sich
auch in der seit knapp 40 J ahren geläufigen Selbstbezeichnung evangelische
Bekenntnisschulen ausdrĂĽckt, wird theologisch aber meistens enger ausge-
legt. So wird als Bekenntnisgrundlage der Schulen oftmals neben dem Apo-
stolischen Glaubensbekenntnis die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz
in Deutschland (EAD) angefĂĽhrt, die den wichtigsten Zusammenschluss des
biblizistisch und missionarisch orientierten theologisch-konservativen pro-
testantischen FlĂĽgels in Landes- wie Freikirchen darstellt, fĂĽr den sich seit
den 1960er-Jahren zunehmend der Begriff evangelikal etabliert hat.
3
Dennoch
werden in der fast durchgängig überdenominationellen und teils transkonfessi-
onellen Ausrichtung der evangelikal geprägten Schulen vorrangig die Rückbin-
dung an das biblisch-reformatorische Anliegen sowie die Verortung innerhalb
des Protestantismus zum Ausdruck gebracht. In dieser Hinsicht kommen die
Schulen zugleich als Teil- bzw. Schnittmenge des evangelischen Schulwesens
in den Blick, da die Charakterisierung einer Schule als „evangelische Schu-
le“ nicht strukturell normativ festgesetzt ist, sondern sich lediglich aus der
Selbstdefinition des Schulträgers ergibt.
4
Diese Ăśberschneidungen werden
auch auf institutioneller Ebene sichtbar. Denn ein Teil der Schulen ist Mitglied
on the personal faith of the teachers, a relationship of trust to the parents,
a piety-specific culture of prayer and devotion that shapes school life, a
pedagogy oriented toward the love of Jesus Christ, as well as didactics that create meaning and value.
Keywords
Evangelicalism, private schools, denominational schools, Protestant school
system, fundamentalism, pedagogy, didactics
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Der vollständige Artikel umfasst 25 Seiten
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