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Glossar der Bezeichnungen für christliche „Außenseiter" und Organisationen

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Glossar für christliche „Aussenseiter“ und Organisationen II - 2.1.9 II - 2.1.9 Glossar der Bezeichnungen für christliche „Außen­ seiter 66 und Organisationen Von Erich Geldbach Die unterschiedlichen Bezeichnungen für Phänomene, die mit „Religion“ Zusammenhängen, deuten darauf hin, dass die Interpretation dessen, was Religion ist, keinen einheitlichen Kriterien unterliegt. Das hat damit zu tun, dass es keine allgemein gültige Definition von Religion gibt. Jeder Versuch einer Definition und Interpretation zeigt den Standort des Verfassers. Im folgenden sollen einige Begriffe zur Darstellung kommen, die lur den christlichen Bereich sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit Gebrauch linden, um mit „Religion“ umzugehen bzw. religiöse Phänomene zu beschreiben und zu beurteilen. Es kann keine Frage sein, dass das Wort „Religion“ eine Art Überbegriff ist. Zwar hat man gelegentlich „Hochreligionen“ und „primitive“ oder „Stammesreligionen“ unterschieden, aber diese Begriffe zeigen bereits den positiv-wertenden („Hoch“) odernegativ-abwertenden („primitiv“) Gebrauch und sollten daher in deskriptiven Zusammenhängen vermieden werden. Es war der große Theologe des 20. Jahrhunderts, Karl Barth (10.5.1886 in Basel - 10.12.1968 in Basel), der meinte, das Christentum könne nicht unter die Religionen eingeordnet werden. Für ihn waren die Religionen allesamt die vergeblichen menschlichen Versuche, sich Gott zu nähern und daher Ausdruck der Ursünde, so sein zu wollen wie Gott. Lediglich der christliche Glaube basiert nach Barths Meinung auf der Offenbarung Gottes „senkrecht von oben“. Die Offenbarung Gottes muss den Menschen so von oben treffen, weil er von sich aus Gott niemals erkennen kann. Daher ist die Offenbarung die Krise aller menschlichen Versuche, so dass das Christentum, so verstanden, das Ende der menschlichen Annäherung an Gott und damit das „Ende der Religion“ darstellt. Aber diese Meinung Barths hat sich nicht durchsetzen können. „Religion“ bezeichnet weiterhin die großen Weltreligionen, einschließlich des Christentums, ebenso wie dissenlierende Gruppen von diesen oder nur auf eine Ethnie begrenzte Religionen. Dabei spielt auch keine Rolle, ob die Religion eine theistische Sicht hat, wie die meisten, oder a-theistisch ist, wie der Buddhismus. In den letzten Jahren hat sich die Rede von den drei „Buch­ religionen“ Judentum, Christentum und Islam einer breiten Rezeption erfreut. Dabei soll offenbar signalisiert werden, dass diese Religionen herausgehoben sind und vor allem, dass sic Gemeinsamkeiten besitzen, die nicht nur durch ein Buch als Offenbarungsquelle, sondern auch durch Inhalte, wie z. B. Abraham als den gemeinsamen Stammvater, bestimmt sind. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 10. EL 2005 1 --- Seite 1 Ende --- II - 2.1.9Glossar für christliche „Aussenseiter“ und Organisationen Alle großen Weltreligionen kennen Haupt- und Nebenströme. Das ist in der Regel mit der geschichtlichen Entwicklung zu erklären oder mit einem „Macht­ kampf 4 innerhalb der Führungselite. Es treten „Neuerer 44 auf, die aufgrund ver­ änderter geschichtlicher Rahmenbedingungen die bisherigen religiösen Auto­ ritäten, einschließlich der religiösen Bräuche und Gewohnheiten, in Frage stellen. So kommt es zu abweichenden Ausprägungen: Die „Mutterreligion 44 verweigert sich, wobei nicht ausgemacht ist, ob die „Neuerer 44 oder die „Bewahrer 44 das Erbe tatsächlich angemessen verwalten. Das Christentum hat von Anfang an mit Gruppenbildungen einerseits und dem Ruf oder der Ermahnung zur Einheit andererseits zu kämpfen gehabt. Schon früh hat man in der Kirche zwischen -»Ketzern und Schismatikern unterschieden. In der wissenschaftlichen Literatur ist das Verhältnis von Haupt- und Neben­ strömen häufig mit den Begriffen -»Sektc/Kirche abgehandelt worden. Sektierer konnten auch als -»Schwärmer bezeichnet werden. Allianz: 1. Bezeichnung für einen Zusammenschluss einzelner Christen aus unterschiedlichen Ländern und Kirchen. In diesem Sinn wurde 1846 von über 900 Delegierten aus Europa und Nordamerika die „evangelische Allianz 44 ge­ gründet. Sie ist der erste organisatorische Ausdruck eines wachsenden Zusam­ mengehörigkeitsgefühls der Christen und wurde vornehmlich von Männern aus der erwecklichen Tradition bestimmt. Sie fühlten sich dem Gebet Jesu, wie es Joh. 17,21 aufgezeichnet ist („auf dass sie alle eins seien 44 ), verpflichtet und wollten durch Gebetsversammlungen und Konferenzen sowie durch Beschlüsse zu drängenden Fragen (z. B. gegen die Sklaverei in den USA, Eintreten für Religionsfreiheit), aber auch im Abwehrkampf gegen -»Sekten und die römisch- katholische Kirche zusammenstehen. In Deutschland nannte man die Allianz ursprünglich „evangelischer Bund 44 , doch setzte sich die englische Bezeichnung immer mehr durch, nicht zuletzt auch deshalb, weil ein innerkirchlicher Verband zur „Wahrung deutsch-protestantischer Interessen 44 sich „Evangelischer Bund 44 nannte. Heute ist die antikatholische Haltung abgebaut. Die Deutsche Evange­ lische Allianz fasst nach eigenem Selbstverständnis die theologisch und sozial­ politisch konservativen Kräfte aus Kirchen, landeskirchlichen -»Gemeinschaften und -»Freikirchen zusammen. Dafür hat sich die Sammelbezeichnung „Evange­ likale 44 durchgesetzt. 2. Im Zuge der beginnenden ökumenischen Bewegung, als sich konfessions­ identische Christen in unterschiedlichen Ländern ihrer Gemeinsamkeiten immer mehr bewusst wurden, kam es zu internationalen Zusammenschlüssen, wofür die Reformierten und die Baptisten das Wort Allianz benutzten (World Alliance ofPreshyterian Churches 1875; Baptist World Alliance 1905). Die Lutheraner schlossen sich erst 1947 zusammen und nannten ihre Organisation eine Födera­ 2 Westarp Science - Fachverlage
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