Eva n gElischE JugEndarbEit II - 2.1.4.7
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 74. EL 2022 1
Zusammenfassung
Evangelische Jugendarbeit beschreibt die auĂźerschulischen Angebote der
Jugendbildung, die dem Jugendarbeitsparagraf § 1 1 SGB VIII entsprechen
und von evangelischen Trägern verantwortet werden. Im Bereich der Evan-
gelischen Kirche in Deutschland werden diese entweder von Kirchengemein-
den oder von evangelischen Jugendverbänden getragen. Charakteristisch
ist die Leitung durch Ehrenamtliche, die von Haupt amt lichen unterstĂĽtzt,
qualifiziert und begleitet werden. Als theologische Zielsetzung lässt sich der
Auftrag der Kommunikation des Evangeliums beschreiben, der sich in einer
drei fachen Beziehungsstruktur niederschlägt: Evangelische Jugendarbeit
stärkt die Beziehungen junger Menschen zu sich selbst (Persönlichkeits-
entwicklung), zu Gleichaltrigen (Gemein schaft) und zu Gott (Spiritualität).
Zentrale sozialpädagogische Arbeitsprinzipien sind Freiwilligkeit, Parti-
zipation und Selbstorganisation, Gruppen-, Lebenswelt- und Sozialraum-
sowie Werteorientierung. Diese Prinzipien werden vor Ort in unterschied-
lichen Arbeits for men umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise regelmäßige
Gruppen, offene Angebote, die schul bezogene Jugendarbeit sowie Jugend-
gruppenfahrten. Aktuelle Herausforderungen liegen in der Umsetzung des
Kinderschutzes, einer Verstärkung der interreligiösen Zusammenarbeit, ei-
nem Ausbau der Inklusion sowie digitalen Formen der Jugendarbeit. Hinzu
kommt ein struktu reller Veränderungsdruck, der sich aus zurückgehenden
Mitgliederzahlen und schrumpfenden finanziellen Möglichkeiten der evan-
gelischen Landeskirchen ergibt – ein wichtiger Weg für die Zukunft evan-
gelischer Jugendarbeit liegt daher in Kooperationen.
Schlagwörter
Jugendliche, Kirche, Beziehungen, Ehrenamtliche, Sozialpädagogik, Grup-
penarbeit, Freizeiten, Digitalisierung, Kooperation
II - 2.1.4.7 E vangelische Jugendarbeit
[Protestant Youth Work]
Wolfgang ilg
Submitted August 18, 2022, and accepted for publication September 16, 2022
Editor: Udo Tworuschka
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II - 2.1.4.7 E va n gElischE JugEndarbEit
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1 Einführung und Begriffsklärung
Außerschulische Aktivitäten für Kinder und Jugendliche stellen ein wichtiges
Arbeitsfeld innerhalb der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutsch-
land dar. Dabei ist dieses Arbeitsfeld in erheblicher Bewegung: Reichweite
und Arbeitsformen variieren regional stark, inhaltliche Schwerpunktsetzungen
unterliegen einer hohen Dynamik, und die Organisations formen des Arbeits-
felds erweisen sich je nach Landeskirche als unterschiedlich. Immer gilt: Ju-
gendarbeit wird nicht nur fĂĽr junge Menschen, sondern in erster Linie von und
mit diesen gestaltet. Sie bewegt sich dabei in einer doppelten Zuordnung: Als
Arbeitsfeld der Kirche versteht evangelische Jugendarbeit ihren Auftrag als
Teil der Kommunikation des Evange liums (Ernst Lange), die sich in den fĂĽnf
Summary
Protestant youth work is the extracurricular youth education that corresponds
to the general youth work (§ 1 1 SGB VIII) in the context of the Protestant
Church. Those activities are either run by church congregations or by Pro-
testant youth associations. Characteristically, they are led by volunteers who
are supported, qualified and accompanied by full-time staff. The theological
objective can be described as the mission of communicating the Gospel,
which is reflected in a threefold structure of relationships: Protestant youth
work strengthens young people’s relationships with themselves (personal
development), with their peers (community) and with God (spirituality). Cen-
tral working principles are volunteerism, participation and self-organisation,
group orientation, lifeworld and social space orientation as well as value ori-
entation. These principles are implemented locally in various forms of work,
including, for example, regular groups, open youth centres, school-related
youth work and youth group travel. Current challenges include the implemen-
tation of child protection against sexual abuse, an increase of inter-religious cooperation, the expansion of inclusive activities as well as digital forms of youth work. In addition, there is a structural pressure for change resulting from declining membership figures and shrinking financial possibilities of
the Protestant Churches. An important path for the future of Protestant youth
work therefore lies in cooperation.
Keywords
Youth work, Youth, Church, Relationships, Volunteers, Social Pedagogy,
Group work, Camps, Digitalisation, Cooperation
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Der vollständige Artikel umfasst 17 Seiten
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