Alt-katholische Kirche II -1.3
II - 1.3 Alt-katholische Kirche
Von Michael Klöcker
Diese Kirche ist Gestalt gewordener Protest gegen die auf dem 1. Vatikani
schen Konzil von 1869/70 beschlossenen Papstdogmen („Unfehlbarkeits
dogma“, „Dogma von der Universaljurisdiktion“). Im Anschluß an ein Treffen
bei dem Münchener Kirchenhistoriker J.I. Döllinger (Mai 1871: „Münchener
Pfingsterklärung“) und drei Alt-Katholiken-Kongressen (dritter Kongreß 1873:
Annnahme der von Prof. Fr. v. Schulte ausgearbeiteten „Synodal- und Gemein
deordnung“ wurde 1873 der Breslauer Theologieprofessor Joseph Hubert
Reinckens zum ersten alt-katholischen Bischof Deutschlands gewählt und ge
weiht (in Rotterdam durch Bischof Heykamp von Deventer, Bischof der 1723
entstandenen, von Rom unabhängigen Kirche von Utrecht). Nahezu zeitgleich
entstanden alt-katholische Bistümer in der Schweiz und Österreich. Dem inter
nationalen Zusammenschluß der alt-katholischen Bischöfe der Niederlande,
Deutschlands und der Schweiz unter Ehrenvorsitz des Erzbischofs von Utrecht
(September 1889: Utrechter Union) traten später die anderen alt-katholischen
Bischöfe bei.
Größte alt-katholische Kirche ist die polnische Nationalkirche in Nordamerika,
entstanden aus der Abwehr gegen Maßnahmen der päpstlichen Kurie und aus
nationalen Interessen.
Am Geist der alten Kirche der ersten Jahrhunderte orientierten sich Reformen
wie der Gebrauch der Muttersprache statt der lateinischen Gottesdicnstsprachc/
die Aufhebung der Stolgebührcn, der Ablässe und des Pflichtzölibates für Geist
liche (1878)/die Anerkennung auch konfessionell gemischter Ehen. Geschie
dene und Wiederverheiratete (Wiederverheiratung möglich nach Seelsorge
gespräch mit dem Pfarrer und Erlaubnis durch den Bischof) werden weder dis
kriminiert noch von den Sakramenten ausgeschlossen.
Die Synodalverfassung der Kirche (Ebenen: Gemeindeversammlung, die Kir
chenvorstand und Pfarrer wählt/Landessynode oder Gcmeindeverbändc/Bi-
stumssynode, die Bischof und „Synodalvertretung“ wählt) geht von den Prin
zipien aus: Was alle angeht, soll von allen entschieden werden. Wer anderen
vorstcht, soll gewählt werden. Im Mai 1989 beschloß die 49. deutsche Bischofs
synode die grundsätzliche Zulassung der Frauen zum dreifachen Amt (Diako
nen-, Priester-, Bischofsamt); Pfingsten 1996 wurden die ersten beiden Frauen
in Konstanz zu Priesterinnen geweiht.
Früh setzten Unionsvcrhandlungen mit „getrennten christlichen Glaubensge
meinschaften“ ein; 1931 einigten sich in Bonn Vertreter der alt-katholischen
und anglikanischen Kirche auf die volle Kirchengemeinschaft.
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1
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II -1.3 Alt-katholische Kirche
Das deutsche Bistum umfaßt die ganze Bundesrepublik. Bischofssitz ist Bonn;
an der dortigen Universität wird der Theologennachwuchs ausgebildet. Sehr
unterschiedlich geprägt und zusammengesetzt sind die in der Regel räumlich
weit verstreuten Gemeinden dieser zahlenmäßig relativ gering gebliebenen, als
Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannten Kirche. Schätzungen über
die gegenwärtige Zahl der Kirchenmitglieder in den 43 selbständigen Kirchen
gemeinden und 156 Nebengemeinden schwanken zwischen 20.000-25.000.
Literatur
Kirchgeßner, Gerhard: Fakten und Impulse. Leitfaden für alte und neue Alt-Katholiken,
Bonn 1992
Küry, Urs: DieAltkatholische Kirche. Ihre Geschichte - ihre Lehre - ihr Anliegen, 3. Aull.
Frankfurt/M. 1982
Schulte, Joh. Fr. von: Der Altkatholizismus, Giessen 1887 (Nachdruck Aalen 1965)
Zeitschrift: Christen heute. Mtl. erscheinende Alt-Katholische Kirchenzeilung, Bonn,
1997 im 40. Jg.
Adressen
Bischöfliches Ordinariat des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland
Gregor-Mendel-Str. 28
53115 Bonn
Tel. 0228/232285
Fax 0228/238314
Liturgischer Kalender und Adressenverzeichnis 1997, Bonn 1997
2 Westarp Science - Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 2 Seiten
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