Katholische Jugendbewegungen II - 1.2.22
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 69. EL 2021 1
Zusammenfassung
Die Anfänge katholischer Jugend „im Aufbruch“ fügen sich in lebensreforme-
rische Initiativen, in zeittypische Kritik an ungesunden Lebensweisen, nicht
zuletzt an Nikotin- und Alkoholkonsum ein. Ăśberdies hatte sich seit dem
letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein katholisches Milieu mit zahlreichen
Vereinen herausgebildet. Auch Jugendvereine gehörten zu den Vereinsgrün-
dungen. Sie entstanden aus sozialen und seelsorgerischen Impulsen heraus.
Die Burg Rothenfels am Main wurde nach dem Ersten Weltkrieg zu einem
spirituellen Mittelpunkt fĂĽr katholische Jugendbewegte. Bereits hier zeigte
sich ein Grundproblem katholischer Jugend: die Gehorsamspflicht gegenĂĽber
kirchlicher Autorität und eine recht enge Grenze freiheitlich selbstbestimm-
ten Handelns. Die Forderung, religiöse Veranstaltungen zeitgemäß zu einem
fĂĽr Jugendliche ansprechenden Gemeinschaftserlebnis umzugestalten und
dabei jugendbĂĽndische Elemente zu berĂĽcksichtigen, fand breiten Zuspruch
in einer ganzen Reihe von Gruppierungen. In Ländern und Regionen des
vormals habsburgisch/österreichischen Einflussbereiches entwickelten sich
deutschsprachige katholische Jugendgruppierungen parallel zu ähnlichen in
Deutschland und Ă–sterreich, andererseits aber mit spezifischen, stark von
Nationalitätenfragen bestimmten Akzentsetzungen. Vor allem in Lebens-
rückblicken schilderten Angehörige katholischer Jugendgruppen ihren oft
schwierigen Weg der Selbstbehauptung unter den Bedingungen der national-
sozialistischen Diktatur. Nach 1945 erlebten konfessionelle Jugendgruppen
zunächst einen breiten Zuspruch, wenngleich neuerlich Forderungen nach
Autonomie und der kirchenamtliche Anspruch auf Einflussnahme und Kon-
trolle zu Konflikten beitrugen.
In diversen Szenen, sub- und gegenkulturellen Milieus fanden seit den
1970er-Jahren Jugendliche Experimentierfelder in groĂźer Breite, nicht zuletzt
in einem sich stark ausweitenden „religiösen Feld“, zu dem vielfältige spiritu-
elle Angebote jenseits traditionell konfessionell christlicher zu rechnen sind.
Jugendliche und junge Erwachsene beteiligten sich zunehmend temporär
II - 1.2.22 K atholische Jugendbewegungen
[Catholic youth movements]
Von Barbara Stambolis
Submitted March 25, 2021, and accepted for publication June 22, 2021
Editor: Johann Ev. Hafner
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II - 1.2.22 Katholische Jugendbewegungen
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Westarp Science – Fachverlage
und punktuell, ohne feste Milieubindungen an altersgruppenĂĽbergreifenden
Initiativen und sozialen Bewegungen, die mit vielfältigen kreativen Formen
symbolischen Handelns auf sich aufmerksam machten.
Schlagwörter
Lebensreformaktivitäten, Katholisches Milieu, geistige Erneuerung, Suche
nach symbolischen Formen der Gemeinschaftsbildung, Autonomieforderun-
gen, das Recht der Kirche auf Einfluss und Kontrolle, Selbstversicherung
unter den Bedingungen nationalsozialistischer Herrschaft, Ausweitungen des
„religiösen Feldes“, neue kreative Formen symbolischen Handelns
Summary
The beginnings of Catholic youth „on the move” fit into life reform initiatives,
into typical criticism of unhealthy lifestyles, not least of all about nicotine
and alcohol consumption. Furthermore, a Catholic milieu with numerous
associations had developed since the last third of the 19th century. Youth
associations were founded. They emerged from social and pastoral impulses.
After the First World War, Rothenfels Castle at the river Main became a
spiritual center for young Catholics. A basic problem of Catholic youth was
already evident here: the obligation to obey church authority and a rather
narrow limit of free, self-determined action. The demand to transform reli-
gious events into an experience that was appealing to young people and the
search for symbolic forms of community building found a broad response
in a number of catholic youth groups. In countries and regions of the former
Habsburg/Austrian sphere of influence, German-speaking Catholic youth
groups developed in parallel to similar ones in Germany and Austria, but on
the other hand with specific emphases strongly determined by nationality
issues. Especially in retrospect, members of Catholic youth groups described
their often difficult path of self-assertion under the conditions of the National
Socialist dictatorship. After 1945, catholic youth groups were initially well
received, although renewed demands for autonomy and the church’s right to
influence and control contributed to conflicts. Youth work in the DDR show-
ed that the Catholic milieu retained its social and religious significance here
longer than in the Federal Republic. Since the 1970s, young people found ex-
perimental fields in a wide range in various scenes, sub- and counter-cultural
milieus, not least in a strongly expanding „religious field”, to which diverse
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Der vollständige Artikel umfasst 22 Seiten
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