Popularisierung von katholischen Exorzismus-Praktiken II - 1.2.21
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 69. EL 2021 1
Zusammenfassung
Dieser Artikel diskutiert das gegenwärtige „Exorzismus-Angebot“ der ka-
tholischen Kirche und deren „Popularisierungsstrategien“. Die katholische
Kirche, so die hier vorgestellte These, greift das gegenwärtige Interesse an
Dämonen, Besessenheit und Exorzismus auf und reinszeniert und transfor-
miert christliche Glaubensvorstellungen und Praktiken. Christliche Narrative
werden dabei mit wissenschaftlichen Ansätzen verknüpft und über (neue) Me-
dien und Publikationen verbreitet. Die Grenzen zwischen populärkulturellen,
therapeutischen und religiösen Angeboten werden dabei immer durchlässiger,
wie anhand dieses Fallbeispiels aufgezeigt werden wird. Die Reintegration
und Wiederbelebung von Besessenheitsvorstellungen und Exorzismus in der
katholischen Kirche ist ein exzellentes Fallbeispiele fĂĽr Gegenwartsreligiosi-
tät, das nur vor dem Hintergrund medialer sowie populär-religiöser Diskurse
zu verstehen ist.
Schlagwörter
Gegenwärtiger Exorzismus, Dämonische Besessenheit, Gegenwartsreligio-
sität, Katholizismus, Popularisierung der Religion, Vermarktung des Reli-
giösen
II - 1.2.21 Die Popularisierung von katholischen
E xorzismus-Praktiken in der
G egenwartsgesellschaft
[The popularization of Catholic exorcism
p ractices in contemporary society]
Von Nicole Maria Bauer
Submitted March 25, 2021, and accepted for publication June 22, 2021
Editor: Johann Ev. Hafner
Summary
This paper discusses the contemporary “exorcism-offer” of the Catholic
Church and its “popularisation-strategies”. The underlying assumption of
this paper is that the Catholic Church takes up the current interest in demons,
demonic possession and exorcism and re-stages and transforms Christian
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II - 1.2.21 Popularisierung von katholischen Exorzismus-Praktiken
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Westarp Science – Fachverlage
0 Einleitung – Die Rückkehr des Dämonischen in der
Gegenwartsgesellschaft
Erst am 11.7.2019 berichten Medien ĂĽber eine aktuelle Teufelsaustreibung per
Hubschrauber. Ein Bischof der kolumbianischen Stadt Buenaventura sagt der
Kriminalität in seiner Stadt, die er auf das Wirken des Satans zurückführt, via
christlicher Praktiken den Kampf an. Mit einem Helikopter, so Medienberich-
ten zufolge, habe er über der Stadt Weihwasser vergossen und den dämonisch
belasteten Stadtteil „exorziert“. Sein Ziel sei es, so der Exorzist Ruben Dario
Jaramillo Montoya, „alle Dämonen herauszuholen, die unseren Hafen zerstö-
ren, damit Gottes Segen kommt und all die Bosheit beseitigt, die in unseren
Straßen herrscht“.
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Dieses Beispiel und ähnliche für Exorzismus in der Gegenwartsgesellschaft
finden sich in den aktuellen Medien zuhauf. Selbst in Deutschland, wo sich
die Kirche seit dem Tod der Studentin Anneliese Michl im Jahr 1976 und dem
„Schock von Klingenberg“
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eher zurĂĽckhaltend zeigt, werden Exorzismen,
wenngleich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, bis heute durchgefĂĽhrt.
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Auch im deutschsprachig-katholischen Feld berichten aktuelle Medien von
einer Zunahme am „Interesse an Teufelsaustreibungen“.
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Sowohl in Deutsch-
land, also auch in Österreich und der Schweiz seien gegenwärtig katholische
Exorzisten tätig.
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Aber auch außerhalb des engen katholischen Kontextes lässt sich eine Wieder-
belebung der Dämonen- und Besessenheitsvorstellungen beobachten und damit
einhergehende Praktiken der Austreibung. Als maĂźgeblich fĂĽr die Verbrei-
believes and practices. In this process, Christian narratives are linked to
scientific approaches and are disseminated through (new) media and publi- cations. Furthermore, the boundaries between popular culture, therapeutic, and religious offers are becoming more and more permeable. The reintegra- tion and revival of ideas of demonic possession and exorcism in the Catholic Church is an excellent example for contemporary religiosity that can only be fully comprehended against the background of media-discourses and dis- courses of popular religion.
Keywords
Contemporary Exorcism, Demonic Possession, Contemporary Religiosity,
Catholicism, Popularisation of Religions, Faith Branding
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Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten
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