Neue Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen II - 1.2.11
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 60. EL 2019 1
Zusammenfassung
Die katholische Kirche hat sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil
dem Programm einer ständigen Erneuerung verpflichtet (ecclesia semper
reformanda). Daran erinnerten stets prophetische Gestalten oder von einem
radikalen Leben aus dem Evangelium inspirierte Gemeinschaften (Orden).
Seit etwa 100 Jahren gibt es in der katholischen Kirche (neben den Orden)
Gemeinschaften und Bewegungen, welche die Radikalität des Evangeliums
und – über die Ortskirche hinaus – den universalistischen Aspekt der apo-
stolischen Sendung neu zur Geltung bringen. Zum geistlichen Profil dieser
sogenannten „Neuen Geistlichen Gemeinschaften“ und „Kirchlichen Bewe-
gungen“ zählt die Betonung von Charismen, Communio, Laienspiritualität
aufgrund von Taufe und Firmung. Es handelt sich um spirituell intensive
Personalgemeinden mit dem Bestreben, auf innovative Weise Christsein in
der säkularen Welt (Postmoderne, kulturelle und gesellschaftliche Diversität)
zu leben und dabei Struktur und Organisation gering zu halten. Diese vom
jüngeren kirchlichen Lehramt geförderten Gruppierungen führen häufig zu
Spannungen und Konflikten mit der Ortskirche.
Schlagwörter Charisma, Einheit, Ekklesiologie, Erneuerung, Orden, katholische Kirche, Ortskirche, Zweites Vatikanisches Konzil, Laienspiritualität
Editor: Michael. N. Ebertz
II - 1.2.11 Neue Geistliche Gemeinschaften und
B ewegungen, katholisch
[New spiritual communities and movements,
c atholic]
Von Christoph Benke
Summary
At the Second Vatican Council, the Catholic Church committed itself to the
programme of permanent renewal (ecclesia semper reformanda). This idea
has always been testified by prophetic figures or by communities, which –
inspired by the gospel – advocate a radical life. For about hundred years there
have been (alongside religious orders) communities and movements which
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II - 1.2.11 N eue Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen
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Westarp Science – Fachverlage
1 HinfĂĽhrung
FĂĽr Kirche sind mindestens zwei Elemente wesentlich: Nachfolge Jesu und
Communio. Nachfolge ist Antwort auf den Ruf Jesu und seine Botschaft vom
Reich Gottes. Das Mitgehen mit dem Herrn und Meister ist konkreter Auf-
bruch aus dem Jetzt und Hier, Bewegung im buchstäblichen ebenso wie im
ĂĽbertragenen Sinn. Nachfolge Jesu geschah von Anfang an in zeichenhafter
Gemeinschaft: Die persönliche Jünger schaft der Apostel stand im Dienst der
endgĂĽltigen Sammlung des Volkes Gottes.
Das Communiale ist somit dem Christentum eingeschrieben und bleibt zentral:
Der Heilige Geist als die Gabe der Endzeit wird allen gemeinsam gegeben (und
nicht einzelnen prophetischen oder amtlichen Gestalten). Nur von dorther kann
ihn der einzelne empfangen. Die eucharistische Teilhabe am lebenspendenden
Leib des auferstandenen Gekreuzigten formt Kirche und ist zugleich ihr Aus-
druck (Paulus: „Leib Christi“). Teilhabe an der Gemeinschaft des Leibes Christi
und personaler Glaubensvollzug bedingt sich gegenseitig.
Unter den Bedingungen des Irdischen bleiben sowohl Aufbruch als auch Com-
munio fragmentarisch. Auch stehen Christentum und Kirche immer neu vor der
Herausforderung, bei der Ăśbersetzung des Evangeliums ins Heute den schmalen
Grat zwischen Identität und Relevanz nicht zu verfehlen. Darum ist Erneue-
rung aus dem Geist des Evangeliums bleibender Auftrag. Die christliche Glau-
bensgeschichte kennt eine Vielzahl von Gemeinschaften, Gruppen, Initiativen
und Bewegungen, die sich dem Programm einer ecclesia semper reformanda
(Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 8) verpflichtet wussten. Seit
reaffirm the radicality of the gospel and, going beyond the local church, the universalistic quality of the apostolic mission. The spiritual profile of those
so-called „New Spiritual Communities“ and „Ecclesiastical Movements“
rests on the emphasis on charismata, communio, and lay spirituality grounded
in baptism and confirmation. These are spiritually intensive human resourc- es communities that seek to innovate in the secular world (postmodernity, cultural and social diversity) while keeping structure and organization low.
These groupings, which are promoted by the younger church teaching office,
often lead to tensions and conflicts with the local church.
Keywords
Charisma, unity, ecclesiology, renewal, order, catholic church, local church,
Second Vatican Council, lay spirituality
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Der vollständige Artikel umfasst 29 Seiten
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