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Orden in Deutschland: eine Bestandsaufnahme

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Orden in Deutschland: eine Bestandsaufnahme II - 1.2.10 II - 1.2.10 Orden in Deutschland: eine Bestandsaufnahme Von Wolfgang Schumacher Orden und Klöster sind für viele immer noch eine fremde Welt jenseits des alltäglichen Erfahrungshorizonts. Man denkt an Entsagung und Verzicht, stren­ ge Disziplin und ein eher weltabgewandtes als lebensbejahendes Dasein stän­ digen Betens hinter hohen Klostcrmauern. Ordensleben ist anders, ist enga­ giertes Christsein in Gemeinschaft, ist konsequente „Nachfolge Christi“ in im­ mer neuem Gewand. Ordensleben ist vielfältig und vielseitig, ist zeitlos und doch immer modern: Es kommt aus einer oft langen geistlichen Tradition und sucht immer neue Bezüge zur Gegenwart. Vielfalt des Ordenslebens Ordcnsleben in Deutschland ist pluriform. Es gibt hier weit über 40.000 Or­ densfrauen und Ordensmänner in mehr als 3.500 klösterlichen Niederlassun­ gen in allen Landesteilcn mit Schwerpunkten in Bayern und Württemberg, im Rheinland und in Westfalen; weniger dicht, aber zunehmend präsent sind ka­ tholische Ordensgemeinschaften im Norden und Osten Deutschlands. Dazu sind weitere 4.200 deutsche Ordensleutc weltweit im missionarischen Einsatz in mehr als 100 Ländern in allen Kontinenten tätig. Die Anzahl der Ordens­ gemeinschaften, zu denen all diese Ordensleutc gehören, ist in ihrer Vielfalt zunächst eher verwirrend, aber leicht zu erklären im Blick auf die je unter­ schiedliche Art und Weise, wie man Jesus Christus „nachfolgen“ möchte, und in welcher Zeit eine Gemeinschaft ihren Ursprung hatte. Da gibt es bekannte Ordensgemeinschaften wie „Augustiner“ und „Benedik­ tiner“, „Dominikaner“ und „Karmeliten“, „Franziskaner“ und „Jesuiten“, „Barm­ herzige Schwestcrns“, „Vinzcnlinerinnen“ und „Klarissen“ - aber auch unbe­ kanntere wie „Kamillianerr“ und „Maristen“, „Cellitinnen“, „Elisabethinnen“ oder „Redemptoristinnen“. Ordensbezeichnungen gehen oft auf den Gründer oder die Stifterin (Augustinus, Benedikt, Dominikus, Franziskus, Klara von Assissi, Vinzenz von Paul, Don Bosco etc.) oder auf den Namen des Ursprungs­ ortes der Gemeinschaft (Berg Karmel: Karmeliten, Reformkloster Cileaux: Zi­ sterzienser, Ursprungsklostcr Grande Chartreuse: Kartäuser bzw. Premontre: Prämonstratenser etc.) zurück, oder sie beschreiben das Programm und Selbst­ verständnis des Ordens (Arme Dienstmägde Jesu Christi, Schwestern der Gött­ lichen Liebe, Missionarinnen Christi etc.). Viele Ordensgemcinschaftcn gibt es schon seit Hunderten von Jahren, andere sind erst im 18. oder 19. Jahrhundert oder in der Gegenwart entstanden. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- II -1.2.10 Orden in Deutschland: eine Bestandsaufnahme Beschauliche und tätige Orden So unterschiedlich wie die Namen sind auch die Aufgaben der Orden. Ganz grob unterschieden gibt es einerseits „monastische“, „kontemplative“ und „be­ schauliche“ Ordensgemeinschaften mit Schwerpunkt auf dem innerklösterlichen Leben im gleichmäßigen Rhythmus von Gebet und Arbeit („ora et labora“) und andererseits „aktive“, apostolisch „tätige“ Ordensgemeinschaften mit sehr kon­ kreten Aufgabenstellungen wie Krankenpflege, Schulunterricht oder Missions­ tätigkeit. Im Mittelpunkt allen Ordenslebens steht die gemeinsame Suche nach Gott, das Gebet jedes Einzelnen und aller zusammen, die gemeinsame Gestal­ tung des Leben aus den Quellen des Glaubens, die Anbetung Gottes in Wort und Tat, das betende Eintreten für die Mitmenschen und der engagierte Einsatz für das Evangelium. Die Akzente der Sendung sind dann aber so vielfältig wie die Ordensgemeinschaften selbst. Solche Aufgaben können sein: Hinführung zu Gebet und Meditation, seelsorgliche Begleitung suchender Menschen, pa­ storale Aufgaben in Gemeinden und Gruppen, Erziehung und Unterricht vom Kindergarten über nahezu alle Schulformen bis hin zu ordenseigenen Akade­ mien und Hochschulen mit Lehre und Forschung, caritative Dienste ambulant und in vielen stationären Einrichtungen, die Sorge um notleidende Menschen mit Krisenintervention, Beratertätigkeit und Einsatz für Menschenwürde und Menschenrechte. Entscheidend ist aber weniger, was die Ordensgemeinschaften und Ordensleute im einzelnen tun, sondern wie sie es tun, aus welcher Motiva­ tion und mit welchem Anspruch sie leben und handeln. Nachfolge und Nachahmung Jesu Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit des Ordenslebens hat ihren Ursprung in der Art, wie Jesus Christus sein Leben und seine Sendung gestaltet hat. Sein einfacher und bedürfnisloser Lebensstil, die Lebensgemeinschaft mit seinen engsten Freunden, die zur Schicksalsgemeinschaft wird, seine Hinwendung zu armen und geschundenen Menschen, sein Eintreten für die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, seine Hilfe für Kranke und Leidende, sein ermuti­ gendes Wort für Verzweifelte und Suchende, seine frohmachende Botschaft von Gottes Sorge um jeden einzelnen, sein rastloses Umherziehen zurVerkün- ’igung des Evangeliums, seine stellvertretende Hingabe im Kreuzestod, seine bleibende Gegenwart als auferstandener Herr - all das begeisterte charismatische Menschen, die zusammen mit Gleichgesinnten solche Aspekte des Lebens und der Sendung Jesu zum Mittelpunkt ihres eigenen Lebens und ihrer gemeinsa­ men Sendung machten. Damit antworteten sie auf Nöte ihrer Zeit, auf Bedürf­ nisse der Kirche und auf Entwicklungen in Gesellschaft und Staat. Oft ist Ordens­ 2 Westarp Science - Fachverlage
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