Ostkirchliche Erinnerungsorte in Deutschland II - 1.1.5
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 76. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Unter den ostchristlichen Heiligen mit besonderem Bezug zu Deutschland
hat der mit Ellwangen verbundene Slawenapostel Methodius besondere
Beachtung verdient. Sein Gedächtnis wird neben der orthodox-religiösen
Tradition auch von säkular-politischen Motiven geprägt. Seit der politischen
Wende 1989 treten auch interkulturelle und europapolitische Faktoren, die
teils in den Diskursen um die Identität Südosteuropas eine Rolle spielen
und teils den deutschen Migrations- und Europadiskursen entstammen, als
weitere prägende Einflüsse des Methodius-Gedenkens hinzu.
SchlagwörterSchlagwörter
Sakraltopografie; liturgisches Gedächtnis; Heiligenverehrung; religiöse
Identitätskonstruktion; Ostkirchen
II - 1.1.5 Ostkirchliche Erinnerungsorte in Deutschland
am Beispiel des Methodiusgedenkens in
Ellwangen
[Eastern Church memorial sites in Germany
using the example of Methodius commemoration
in Ellwangen]
Martin Illert
Submitted March 08, 2023, and accepted for publication April 04, 2023
Editor: Martin Illert
SummarySummary
Among the Eastern Christian saints with a special connection to Germany
Methodius, the Apostel of Slavs, deserves particular mention. Apart from the
influence of the orthodox religious tradition his veneration is also influenced
by secular-political motifs. Since the political changes in 1989 intercultural
and European political factors, which play a role in the identity-discourses
in South-Eastern Europe and which partly stem from German political dis-
courses on migration and Europe, have also been added as further influences
shaping his commemoration.
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II - 1.1.5 Ostkirchliche Erinnerungsorte in Deutschland 2© Westarp Science Fachverlag
1 Voraussetzungen ostkirchlicher Erinnerungspflege in Deutschland
Die Konstruktion von Erinnerung mit ihren kultisch-religiösen, sozialen,
sprachlichen und politischen Aspekten spielt für die Identität der orthodoxen
Kirchen Ost- und SĂĽdosteuropas sowie fĂĽr die orthodoxen und altorientali-
schen Kirchen des Nahen Ostens eine wichtige Rolle.
1
Die orthodoxe Heiligenverehrung geht auf den altchristlichen Kult der Märtyrer
zurück und etablierte sich seit der Spätantike über das jährliche gottesdienst-
liche Gedenken mit der Verlesung der Lebensbeschreibung (Heiligenviten),
durch die Dichtung von Hymnen auf die Heiligen, durch die Benennung von
Kirchen mit ihrem Patronatsnamen, durch die Aufbewahrung und Verehrung
von Reliquien und durch die Repräsentation der Heiligen auf den Kultbildern
und deren Verehrung.
2
Nach Konrad Onasch können unterschiedliche Typen
der Heiligen unterschieden werden: Während die Mönchsheiligen durch ihre
Entsagung zu Nachfolgern der Märtyrer werden, sind die Schutzheiligen spezi-
fischen Berufsgruppen verbunden, die Soldatenheiligen gelten als Verteidiger
der Orthodoxie, und die Nationalheiligen repräsentieren die orthodoxe Identität
ihres Heimatterritoriums.
3
Eine Transformation durchlief das Heiligengeden-
ken in zahlreichen orthodoxen Ländern durch das erwachende Nationalbe-
wusstsein seit dem 19. Jahrhundert und im südosteuropäischen Raum auch
infolge seiner Instrumentalisierung in sozialistischer Zeit.
4
Auswahl und Gestaltung der religiösen Erinnerungsorte in der deutschen or-
thodoxen und altorientalischen Diaspora
5
haben bisher allerdings nur punktuell
Beachtung gefunden.
6
Dabei lohnt sich eine eigenständige Betrachtung, denn
ein Diasporaterritorium wie Deutschland stellt die Ostkirchen durchgehend
vor die Frage, wie das „Deutsche“ mit dem spezifisch „Eigenen“ verbunden werden könne.
7
Bereits die Problematik der deutschen Ăśbersetzung der got-
tesdienstlichen Texte orthodoxer Kirchen kann als ein Beispiel fĂĽr derartige theologisch-liturgische und kirchenrechtliche Herausforderungen dienen.
8
In der Idealvorstellung ermöglichen in Deutschland gelegene Erinnerungs-
orte den Ostkirchen Räume, um Narrative zu schaffen, die die kultische Me-
moria
9
dieser Kirchen mit Figuren, Orten und Daten deutscher Geschichte
verbinden und das kulturelle Gedächtnis dieser Kirchen auf das (Gast-)Land
Deutschland beziehen.
10
Allerdings ist einschränkend zu bemerken, dass nicht
KeywordsKeywords
sacral topography; liturgical commemoration; veneration of saints; religious
contruction of identity; Eastern Christianity
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Der vollständige Artikel umfasst 14 Seiten
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