II - 1.1.3

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Gespräch mit Orthodoxen Kirchen

📖 Leseprobe – 2 von 4 Seiten
EKD im Gespräch mit Orthodoxen Kirchen II -1.1.3 II -1.1.3 Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Gespräch mit Orthodoxen Kirchen Grundzüge der bilateralen theologischen Dialoge der EKD mit vier orthodo­ xen Kirchen Die EKD führt bilaterale theologische Dialoge mit vier orthodoxen Kirchen. Die Motive für die Aufnahme dieser Dialoge waren zwar durchaus unterschiedlich geprägt. Allen vier Dialogen ist gleich, daß sie mit dem Ziel geführt werden, zur Erlangung der sichtbaren Einheit und Kirchengemeinschaft beizutragen. Im Laufe der Gespräche hat sich herauskristallisiert, daß der Dialog auf vier eng miteinan­ der verbundenen Ebenen geführt wird. Obwohl innerhalb eines Dialoges Ver­ schiebungen vorkommen konnten, die eine oder andere Ebene in den Hinter­ grund trat, ist der Dialog immer nur in der Gesamtschau aller Ebenen angemes­ sen bewert- und verstehbar. a) das theologisch-dogmatische Lehrgespräch: Die Partner versuchen zu klä­ ren, wie man in bislang strittigen theologischen Eragestellungen zu besse­ rem gegenseitigem Verständnis oder Übereinstimmung finden kann. b) Offenlegung unterschiedlicher historischer Entwicklungslinien der Ge­ sprächspartner. Damit verbunden ist die Erkenntnis, daß Geschichte in West und Ost unterschiedlich „erfahren“ wird. Die Orthodoxie kann Vergangenes und Zukünftiges so auf die Gegenwart projizieren, daß die verschiedenen Zeitdimensionen jeweils für den einzelnen ständig als präsentisch neu erleb­ bar werden. c) Begegnung in und mit Gemeinden machen deutlich, wie in der Praxis ver­ schiedene dogmatische Ansätze sichtbar umgesetzt werden (Kirchen­ verständnis, Diakonie, Spiritualität...). Die Gespräche linden jeweils alternie­ rend im Land des einen und des anderen Gesprächspartners statt. d) Liturgische Begegnung - als Klammer, die a. bis c. zusammenfaßt. Auch ohne bereits bestehende Kirchengemeinschaft zwischen den Dialogpartnern be­ steht die Möglichkeit, sich betend zu begegnen und im Reichtum der liturgi­ schen Tradition des Gesprächpartners eigene Traditionen zu erkennen. Der Dialog mit der Russischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) 1952 konnte der damalige Leiter des Kirchlichen Außenamtes der EKD, Martin Niemöller, die Sowjetunion besuchen. Damit war der Anfang zu einer Reihe von gegenseitigen Besuchen gesetzt (z. B. 1954 unter der Leitung des Präses der EKD-Synode und nachmaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann); 1956 überreichte Prof. Parijskij aus Leningrad einen Eragenkatalog, der zur Grundlage Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 8. EL 2004 1 --- Seite 1 Ende --- II -1.1.3 EKD im Gespräch mit Orthodoxen Kirchen des 1959 aufgenommenen bilateralen theologischen Dialoges geworden ist. Der Dialog hatte neben den theologischen Zielen auch das politische Interesse, eine Aussöhnung mit der ROK zu betreiben. Nach dem ersten Dialogort wird dieser Dialog „Amoldshain-Dialog“ genannt. Zwischen 1959 und 1990 folgten 12 Be­ gegnungen. Im Jahr 1974 nahm der Bund der Evang. Kirche in der DDR (BEK) den „Sagorsk-Dialog“ auf. Bis 1990 folgten sieben Begegnungen. Beide Dialog­ stränge wurden 1992 - nach der Herstellung der kirchlichen Einheit zwischen EKD und BEK - zusammengeführt. Die erste Begegnung des neuen Dialogstran­ ges fand 1992 in Bad Urach statt. Inzwischen hat eine in Bad Urach vereinbarte gemeinsame Auswertung der bislang im Dialog erreichten Ergebnisse stattge­ funden, die von beiden Kirchenleitungen entgegengenommen und akzeptiert worden ist. Erst im Mai 1998 konnte der Dialog mit einer weiteren Begegnung in Minsk fortgesetzt werden (= Bad Urach 2); aufgrund der aktuellen Entwicklun­ gen stand das Thema „Die Kirche, das Volk und der Staat in Europa“ im Mittel­ punkt der Gespräche. Bei Bad Urach 3 (Juni 2002 in Mülheim/ Ruhr) stand vor allem das Thema „Religiöse Bildung und Erziehung“ im Mittelpunkt des Austau­ sches. Der Dialog mit dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel (ÖPK) Bereits im 16. Jh. gab es einen Versuch der Verständigung zwischen reformatori­ scher Theologie und Ökumenischem Patriarchat. Der zwischen den Tübinger Theologen und dem Ökumenischen Patriarchen Jeremias II zwischen 1573 und 1581 aufgenommene Briefwechsel konnte unter den damaligen Umständen zu keinem Ergebnis führen. Erst als in den 60er Jahren dieses Jahrhunderts mit dem Patriarchen Athenagoras, einer der herausragenden ökumenischen Gestalten, erneut Sondierungsgespräche aufgenommen werden konnten, war der Weg zum 1969 begonnen „Konstantinopel-Dialog“ frei. Bis 2001 fanden 12 Begegnungen statt. Mehr und mehr hat man sich im Ergebnis darauf geeinigt, den Dialog auch durch Begegnungen in der Praxis, wie Austausch von Stipendiaten und von akademischen Lehrern, oder der gemeinsamen Auslegung der Hl. Schrift kon­ kret werden zu lassen. 1990 haben sich beide Kirchen in Kreta ausdrücklich zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für Europa bekannt. Der Dialog in Rhodos (1997) stand unter dem Thema der gemeinsamen Verantwortung für Schöpfung und Umwelt. 2001 in Brandenburg wurde eine grundsätzliche Bilanz des seitherigen Dialogs gezogen und die Ergebnisse zusammengefaßt. 2 Westarp Science - Fachverlage
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 4 Seiten