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Drei Profile orthodoxer Theologie in Deutschland

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Drei Profile orthodoxer Theologie in Deutschland II - 1.1.2.6 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 61. EL 2019 1 Zusammenfassung Der Artikel führt in das theologische Denken der drei orthodoxen Theolo- gen Stefan Zankow (1881-1965), Nikolaus von Arseniew (1888-1977) und Anastasios Kallis (*1932) ein und ordnet das Wirken der Theologen in seine historischen und theologischen Zusammenhänge ein. Mit Zankows Vorle- sungen zum „Wesen des orthodoxen Christentums“, Arseniews Referat zum „Christlichen Abendland der Gegenwart und dem Geist der orthodoxen Kir- che“ und Kallis Referat „Der Mensch als kosmischer Liturg“ wird jeweils ein charakteristisches Opus der Theologen vorgestellt. Abschließend werden die drei Theologen als kultursensible Vermittler zwischen den orthodoxen Tra- ditionen ihrer Herkunftsländer und den Kontexten Deutschlands gewürdigt. Schlagwörter Orthodoxe Theologie, Stefan Zankow, Nikolaus von Arseniew, Anastasios Kallis II - 1.1.2.6 Drei Profile orthodoxer Theologie i n Deutschland [Three Profiles of Orthodox Theology i n Germany] Von Martin Illert Submitted February 26, 2019, and accepted for publication June 22, 2019. Editor: Michael Klöcker Summary The article introduces to the theological thought of the three Orthodox theologians Stefan Zankow (1881-1965), Nicholas of Arseniew (1888-1977) and Anastasios Kallis (* 1932) and puts their work in its historical and theological contexts. With Zankow’s lectures on the „Essence of Orthodox Christianity“, Arseniew’s presentation on the „Contemporary Christian West and the Spirit of the Orthodox Church“ and Kallis’s presentati- on „The human being as a cosmic priest” one key-contribution of each theologian is introduced. Finally, the three theologians are recognized as culturally sensitive mediators between the orthodox traditions of their home countries and the German contexts. --- Seite 1 Ende --- II - 1.1.2.6 Dr ei Profile orthodoxer Theologie in Deutschland 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Stefan Zankow Eine der frühesten Selbstbeschreibungen orthodoxer Theologie für ein deut- sches akademisches Publikum lieferte der bulgarische Theologe Erzpriester Stefan Stantchew Zankow (1881-1965). 1 Zankows im Sommersemester 1927 auf Einladung des ökumenisch engagierten Dekans an der Theologischen Fakultät der Universität Berlin, Adolf Deißmann (1866-1937), 2 gehaltene Gastvorlesun- gen zum „Wesen des orthodoxen Christentums“ 3 setzten sich zum Ziel, konfes- sionelle und kulturelle Vorurteile über die Orthodoxie auszuräumen, um ein Miteinander zwischen den Kirchen zu fördern. 4 Zankows Studium der Theo- logie an der österreichisch-ungarischen orthodoxen Fakultät von Czernowitz 5 , seine kirchenrechtliche Promotion zum bulgarischen Staatskirchenrecht in Zü- rich 6 und sein ökumenisches Engagement hatten ihn in besonderer Weise dazu qualifiziert, ein westliches Publikum in die orthodoxe Theologie einzuführen. 7 Bereits mit dem Titel seiner Vorlesungen spielte Zankow auf die sechzehn Vor- lesungen Adolf von Harnacks (1851-1932) zum „Wesen des Christentums“ aus dem Wintersemester 1899/1900 an, in denen der Berliner Kirchenhistoriker ein abfälliges Bild von der Ostkirche gezeichnet hatte, das im auf die Orthodoxie gemünzten Spitzensatz gipfelte: „Um diese Art von Religion aufzulösen, hat sich Jesus Christus ans Kreuz schlagen lassen“. 8 Als Zankow seine Vorlesun- gen hielt, hatten die dialektische Theologie und die ökumenische Bewegung die alten Sichtweisen des 19. Jahrhunderts infrage gestellt. Dieser theologische Umbruch könnte der westlichen Theologie, so hoffte Zankow, auch einen neuen Zugang zum östlichen Christentum eröffnen. 9 Neben der ökumenischen Bewegung, über die Zankow neben Deißmann auch dem Berliner Sozialethiker Friedrich Siegmund-Schultze (1885-1969) verbun- den war, 10 erwartete Zankow auch von der russischen Emigration und der neu erlangten Autonomie der südosteuropäischen Völker Impulse für eine bessere Verständigung der Theologien. 11 Den Zerfall der kirchlichen Strukturen der russischen Orthodoxie nach der Revolution 1917 interpretierte der bulgari- sche Gelehrte als Chance der „Läuterung“ 12 und Neubesinnung v. a. durch die Theologie der Emigration. Ähnlich sah Zankow auch die Schwächung des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel nach dem Ende des griechisch- türkischen Krieges im Jahr 1923 positiv, 13 besäßen die südosteuropäischen Na- Keywords Orthodox Theology, Stefan Cankov, Nikolai Sergeevich Arsen’ev, Anastasios Kallis
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