Orthodoxe Kirchen in Deutschland II - 1.1.2
II -1.1.2 Orthodoxe Kirchen in Deutschland
II -1.1.2.1 Orthodoxe Kirchen - byzantinische Tradition
Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland (KOKiD)
In Deutschland sind verschiedene orthodoxe Nationalkirchen mit Bischofssit
zen und Diözesen vertreten. Diese historisch gewachsene Lage entspricht kei
neswegs orthodoxem kanonischem Verständnis. Dazu kommen die durch die
Diasporasituation hervorgerufenen Probleme. Orthodoxe Christen der 2. und
3. Generation beherrschen vermehrt die Sprache ihres Herkunftslandes nur noch
im Wort, nicht mehr in der geschriebenen Sprache. Zum Verständnis der aus der
Alltagssprache abgehobenen traditionellen Liturgiesprache reicht die Sprach
kompetenz oft nicht mehr aus. Hinzu kommt die Frage der Vertretung orthodoxer
Anliegen gegenüber anderskonfessionellen Partnern oder dem Staat. Deshalb
hat die Interorthodoxe Vorbereitungskommission für das künftige panorthodoxe
Konzil bereits im Jahr 1993 die Probleme der Diasporasiluation in den Blick
genommen und die Gründung von orthodoxen (Bischofs-)Konferenzcn in den
Ländern der Diaspora empfohlen.
In Deutschland wurde daraufhin im Jahr 1994 die KOKiD gegründet. In ihr wur
den jene orthodoxen Bistümer zusammengeführt, die untereinander in kanoni
scher Gemeinschaft stehen. Die KOKiD ist eine Art Ersatz für eine in Deutsch
land nicht bestehende Konferenz der orthodoxen Bischöfe (wie sie z.B. in den
USA besteht). Aufgaben der KOKiD ist die Koordination gemeinsamer orthodo
xer Anliegen. Ihre Beschlüsse sind für die orthodoxen Mitglicdsdiözesen bin
dend, wenn keine Kirche durch ihr Veto widersprochen hat. Sic besteht aus einer
Dclegiertenversammlung und wird von einem Vorstand geleitet, der jedoch nicht
auf Bischofsebene installiert ist. Dennoch vertritt der Vorstand der KOKiD die
Gesamtheit der orthodoxen Diözesen in Deutschland. Die KOKiD ist in einzelne
Referate gegliedert, gegenwärtig: Theologie und Ökumene, Jugend, Information
und Medien, Religionsunterricht. Als Gesprächspartner der EKD hat die KOKiD
im Auftrag der orthodoxen Diözesen in Deutschland z.B. an der Erarbeitung
einer Handreichung für Trauungen von bi-konfessionellen (evangelisch-ortho
dox) Ehepaaren mitgewirkt.
Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland (GOM)
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es vereinzelte griechische Gläubige in
Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ab Mitte der fünfziger Jahre
die kontinuierliche Zuwanderung von griechischen Arbeitnehmern, Händlern
und Studenten nach Deutschland. War am Anfang noch die Auffassung vor
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 8. EL 2004 1
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herrschend, die Griechen bleiben nur für eine begrenzte Zeit im Lande und kehr
ten dann in ihre Heimat zurück, so stellte sich schnell heraus, daß die griechi
sche Präsenz in Deutschland von Dauer war und zahlenmäßig immer größer
wurde. Da die orthodoxen Griechen außerhalb ihres Heimatlandes grundsätzlich
nicht mehr der Kirche von Griechenland sondern dem Ökumenischen Patriar
chat von Konstantinopel (ÖPK) unterstehen, liegt die pastorale Verantwortung
auch in der Hand des ÖPK. Die zuerst wenigen Gemeinden in Deutschland
waren zunächst dem ÖPK-Erzbistum Thyatheira (London) zugeordnet. Auf
Beschluß der Heiligen Synode unter Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen
Athenagoras I wurden die Verhältnisse der Gemeinden in Europa neu geordnet
und am 5. Februar 1963 die GOM gegründet. Der Sitz des Metropoliten ist in
Bonn-Beuel, wo ein Diözesanzentrum errichtet worden ist. Dem Metropoliten
und Exarchen von Zcntraleuropa (ggw. Metropolit Augoustinos von Deutsch
land) stehen vier Vikarbischöfe in Stuttgart, Hannover, München und Berlin zur
Seite. 1974 wurde die Metropolie zuerst in Nordrheinwestfalen als Körperschaft
des öffentlichen Rechtes anerkannt. Diese Entscheidung wurde bis 1981 in allen
Bundesländern der damaligen BRD nachvollzogen und nach dem Jahr 1991 auf
alle Länder der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland ausgedehnt.
Heute gehören zur GOM ca. 400.000 Gläubige, die von mehr als 50 Priestern
pastoral versorgt werden. Anfänglich waren die griechischen Gemeinden in
Deutschland zumeist in evangelischen und römisch-katholischen Kirchen und
Gemeindezentren zu Gast. Mittlerweile sind in allen Regionen Deutschlands
eigene Kirchenbauten der GOM errichtet worden. Auf Drängen der GOM wur
den an den Universitäten Münster und München orthodoxe Lehrstühle einge
richtet. In München läuft ggw. versuchsweise der Betrieb einer orth. theologi
schen Fakultät an der Maximilianuniversität mit vier Lehrstühlen.
Für die religiöse und ethnische Identität der griechischstämmigen EU-Bürger in
Deutschland spielt die GOM eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund gilt die
besondere pastorale Fürsorge der GOM auch der zweiten und dritten Generati
on ihrer griechischstämmigen Angehörigen. Die griechische Volkszugehörigkeit
und Identität ist bei den nachfolgenden Generationen oft nicht mehr an die
Beherrschung der griechischen Sprache gebunden. Ein Curriculum für den
Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist in den vergangenen Jahren ent
wickelt worden (Der orth. RU ist bislang in Nordrhein-Westfalen als ordentli
ches Lehrfach an öffentl. Schulen eingeführt.). Im Auftrag der GOM hat
Prof. Dr. Dr. Kallis eine mehrsprachige Ausgabe des gebräuchlichen Formulars
des eucharistischen Gottesdienstes (Göttliche Liturgie des heiligen Johannes
Chrysostomos) herausgebracht, in der neben dem deutschen Text auch eine Art
katcchetischer Erklärung des jeweiligen gottesdienstlichen Geschehens in deut
scher Sprache beigefügt ist. Gleichwohl ist die GOM in einer schwierigen Lage:
2 Westarp Science - Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten
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