Der orthodoxe Gottesdienst II - 1.1.1.7.1
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 59. EL 2019 1
Zusammenfassung
Dieser Artikel beschreibt die Gottesdienstordnung der östlich-orthodoxen
Kirche. Er informiert ĂĽber die theologische Deutung und die Geschichte der
„Göttlichen Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomos“, d. h. der Normallitur-
gie der byzantinischen Kirche. Der Beitrag erklärt Schlagworte der orthodo-
xen Gottesdiensttradition in griechischer, kirchenslawischer und deutscher
Sprache, er vergleicht die östliche Gottesdienstordnung mit dem westlichen
Ritus der katholischen bzw. lutherischen Messe und informiert ĂĽber das Li-
turgieverständnis im ökumenischen Dialog. Ein besonderer Blick wird auf
das realistische Symbolverständnis sowie die eschatologische Dimension der
östlichen Liturgie und ihre Konsequenzen für die Ekklesiologie geworfen.
Schlagwörter
Östlich-orthodoxe/byzantinische Liturgie, göttliche Liturgie des Hl. Johannes
Chrysostomos, Symbolverständnis, Eschatologie, Ekklesiologie, Eucharistie
Editor: Udo Tworuschka
II - 1.1.1.7.1 Der orthodoxe Gottesdienst
[Orthodox Church Service]
Von Martin Illert
Summary
This article describes the order of service of the Eastern Orthodox Church.
It informs about the theological interpretation and the history of the “Divine
liturgy of Saint John Chrysostom”, i.e. the ordinary eucharistic liturgy of the
byzantine church. It explains various liturgical key-terms of the orthodox
liturgical tradition in Greek, Church-Slavonic and German, compares the
eastern order of service with the western rite of the roman-catholic and the
Lutheran mass and informs about the understanding of the liturgy as a topic
of ecumenical consultations. A special focus is laid on the eschatological
dimension of the eastern liturgy and its consequences for ecclesiology.
Keywords
Eastern orthodox/byzantine liturgy, Divine liturgy of Saint John Chrysostom,
Symbolism, eschatology, ecclesiology, eucharist.
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II - 1.1.1.7.1 Der orthodoxe Gottesdienst
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Westarp Science – Fachverlage
1 Der orthodoxe Gottesdienst als Initiationssakrament
Der eucharistische Gottesdienst (griechisch: leitourgia , kirchenslawisch:
sluzhba [wörtlich: „Dienstleistung“]) zählt zusammen mit der Taufe und der
Myronsalbung zu den drei Initiationssakramenten der orthodoxen Kirche.
1
Das Ziel des sakramentalen Vollzugs ist nach orthodoxem Verständnis
die „Durchdringung des Kreatürlichen durch den Geist Gottes“
2
. Als
Hauptordnung der byzantinischen Kirche fĂĽr den eucharistischen Gottesdienst
wird die „Göttliche Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomos“ verwendet,
3
deren liturgisches Formular im Euchologion (griechisch, gr. für „Gebetbuch“,
kirchenslavisch, ksl. molitvoslov) enthalten ist und in deren Gestalt und Gehalt
dieser Artikel einfĂĽhrt. Die orientalisch-orthodoxen Kirchen besitzen eigene
Gottesdienstformen, die in einem eigenen Artikel behandelt werden sollen.
4
Die Chrysostomos-Liturgie besteht aus den drei aufeinander folgenden Teilen:
• „Gabenbereitung“ (gr./ksl. proskomidia),
•
„Liturgie der Katechumenen“ (gr. leitourgia ton katechoumenon, ksl.
liturgija oglashenich)
• „Liturgie der Gläubigen“ (gr. leitourgia ton piston , ksl. liturgija vernich).
FĂĽr den gottesdienstlichen und den wissenschaftlich-theologischen Gebrauch
existiert eine wachsende Zahl deutscher Ăśbersetzungen des ostkirchlichen
Abendmahlsgottesdienstes, unter denen die kommentierten Ausgaben von
Anastasios Kallis und von Fairy von Lilienfeld am bedeutendsten sind.
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2 Realistisches Symbolverständnis
Die klassische byzantinische Deutung der Liturgie wird im Kommentar des
Patriarchen Germanos von Konstantinopel (8. Jahrhundert) formuliert:
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Das
biblische Motiv des himmlischen Gottesdienstes der Engel in der Offenbarung
des Johannes (Apk 5,11 und 7,11) verbindet der Patriarch mit realsymbolischen
7
Auffassungen Theodors von Mopsuestia (4.–5. Jahrhundert), Ps.-Dionysios’
Areopagita (5.–6. Jahrhundert) und Maximos Confessor (7. Jahrhundert).
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Der
eucharistische Gottesdienst ist nach diesem „mystagogischen“
9
, das heiĂźt in
die Mysterien/Sakramente einführenden Verständnis eine ritualisierte Reinsze-
nierung der christlichen Heilsgeschichte und zugleich das irdische Abbild des
Gottesdienstes der himmlischen Mächte.
10
• Die Gabenbereitung mit der „Schlachtung des Lammes“, bei welcher der
quadratische Mittelteil des eucharistischen Brotes (gr./ksl. prosphora),
das sogenannte „Lamm“ (gr. amnos, ksl. agnets), vom Priester mit einer
liturgischen Lanze (gr. lonche, ksl. kopie) geteilt wird,
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Der vollständige Artikel umfasst 13 Seiten
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