II - 1.1.1.7

Orthodoxe Kirchen in der ökumenischen Bewegung

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Orthodoxe Kirchen in der ökumenischen Bewegung II - 1.1.1.7 II- 1.1.1.7 Orthodoxe Kirchen in der ökumenischen Bewegung Seit Beginn des 20. Jahrhunderts liefen verschiedene Initiativen zur ökumeni­ schen Annäherung der christlichen Kirchen parallel. Bereits 1920 sandte das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel ein Sendschreiben „an die Kir­ chen Christi überall“. Darin wird die Bildung eines Kirchenbundes nach dem Muster des Völkerbundes angeregt. Folgerichtig beteiligten sich eine Reihe von orthodoxen Kirchen 1948 an der Gründung des Ökumenischen Rates der Kir­ chen (ÖRK) in Amsterdam. Auf Anregung der orthodoxen Mitgliedskirchen wurde die Basisformel des ÖRK 1961 von der Vollversammlung des ÖRK in Neu Dehli trinitarisch gefaßt. Dies und eine veränderte Kirchenpolitik der Sowjetunion und der von ihr abhängenden Staaten ermöglichte dann ab 1961 auch den Bei­ tritt der orthodoxen Kirchen aus den kommunistischen Staaten zum ÖRK (Bul­ garische Orthodoxe Kirche erst 1965). Die Mitarbeit der orthodoxen Kirchen im ÖRK und in den regionalen ökumenischen Zusammenschlüssen wie der Konfe­ renz Europäischer Kirchen (KEK) geschieht unter wachsender Kritik an der Ar­ beit dieser ökumenischen Zusammenschlüsse. Ein Kritikpunkt ist, daß durch die vermehrte Aufnahme kleiner - zumeist protestantischer - Kirchen, sich das Ge­ wicht der stimmberechtigten Mitglieder zuungunsten der mitgliedsreichen (or­ thodoxen) Kirchen verschiebt. Ein zweiter Kritikpunkt richtet sich gegen die aus orthodoxer Sicht zu sehr „sozialethisch“ ausgcrichtetc Arbeit des ORK. Gleich­ zeitig wächst auch die Kritik der Orthodoxen an den Standpunkten mancher Mitgliedskirchen zu Gegenwartsfragen, wie Frauenordination, Stellung zur Ho­ mosexualität, feministische Theologie u.a. Im Vorfeld der 8. Vollversammlung (VV) des ÖRK in I larare (Dez. 1998) hatten die orthodoxen Kirchen im Mai 1998 beschlossen, bei der VV nicht an ökumenischen Gottesdiensten und gemeinsa­ men Gebeten teilzunehmen. An Abstimmungen sollten sich die orthodoxen De­ legierten nur dann beteiligen, wenn orthodoxe Themen betroffen seien. Die radi­ kale Änderung der Strukturen des ORK wurde eingefordert, mit dem Ziel, den orthodoxen Interessen innerhalb der Weltgemeinschaft der Kirchen mehr Ge­ wicht zu verleihen. Während der VV zeigte sich das Verhallen der orthodoxen Delegierten sehr viel differenzierter, die Orthodoxie ließ sich nicht auf einen monolithischen Block reduzieren. Viele orthodoxe Delegierte nahmen bewußt an gemeinsamen Gottesdiensten teil. Die VV beschloß, eine Sonderkommission einzusetzen, um künftig berechtigte Interessen der Orthodoxie besser in den Blick zu bekommen. Die Ergebnisse der Sonderkommission sind als Abschluß­ bericht dem Zentralausschuß im Augusl/Septcmber 2002 vorgestellt worden. Im wesentlichen handelt es sich um lünf Themenkreise: Ekklesiologie, Soziale und Ethische Anliegen, Gemeinsame Andacht (worship), Entscheidungsfindung im Konsensverfahren, Mitgliedschaft und Vertretung. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 8. EL 2004 1 --- Seite 1 Ende --- II -1.1.1.7 Orthodoxe Kirchen in der ökumenischen Bewegung Im protestantischen Bereich z.T. heftig kritisiert wurde die Einengung des Gottesdienstbegriffes auf die Form des eucharistischen Gottesdienstes. Ebenso die Forderung, nicht alle anstehenden Fragen, die z.T. sogar den Status confessionis betreffen, könnten im einfachen Abstimmungsverfahren geregelt werden. Künftig soll die untere Grenze für eine eigenständige Mitgliedschaft auf in der Regel mindestens 50.000 Mitglieder festgelegt werden. Orthodoxie und Ökumene in Osteuropa nach der politischen Wende Dazu kommt - vor allem in jenen orthodoxen Kirchen die bis zur politischen Wende unter der steten Gängelung und Verfolgung durch die kommunistischen Machthaber zu leiden hatten - ein wachsender antiökumenischer Druck von innen. Dieser Druck hat verschiedene Wurzeln. Eine davon mag sein, daß gegen die ökumenische Bewegung ein generelles Mißtrauen herrscht, da die Regierun­ gen der kommunistischen Diktaturen versucht hatten, die internationalen Kirchenbeziehungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und womöglich bis heute hochrangige Kirchenvertreter im Amt sind, die sich durch zu große Nähe zu den früheren staatlichen Organen kompromittiert haben. Hinzu kommt, daß die jahrzehntelange Unterdrückung und Verfolgung kirchlichen Lebens und kirch­ licher Unterweisung alte religiöse Traditionen hat abreißen lassen. Es fehlt an einem religiösen Allgemeinwissen in weiten Teilen der Bevölkerung. Eine Missionssituation ist entstanden. Damit ist verbunden, daß Neubekehrte nach einem radikalen Bruch mit dem früheren Leben erst ihre neue Identität finden müssen - ein Umstand, der auch den Blick auf anderen Kirchen und die Zusam­ menarbeit mit ihnen erschwert. Die Russische Orthodoxe Kirche diskutiert des­ halb seit Anfang der 90er Jahre immer wieder den Antrag, sie solle aus dem ÖRK und der KEK austreten. Der Druck auf die Bischöfe wird durch die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland noch verstärkt, die in Rußland mittlerweile eigene Gemeinden und Diözesen gegründet hat. Ähnliche antiökumenische Phänome­ ne lassen sich ebenso in anderen orthodoxen Kirchen beobachten. Ein weiterer Grund für die Abwehr alles „Fremden“ mag auch darin zu suchen sein, daß sich die meisten orthodoxen Kirchen in den klassischen Herkunftsländern gerade nach dem Fall der kommunistischen Systeme wieder ungebrochen zu der alten Symphonie von Nation und Nationalkirche bekennen. Die in ihrem geographi­ schen Bereich oft mit großem finanziellen Auf wand durchgeführten Missions­ kampagnen teilweise fragwürdiger ausländischer Gruppen werden als Proselyt­ ismus (Abwerbung) und Angriff auf die angestammte Tradition „orthodoxer Völker“ verstanden. Dies führt zu den bereits oben beschriebenen Gegen­ reaktionen. Die Georgische Orthodoxe Kirche hat auf einer außerordentlichen Bischofskonferenz am 20. Mai 1997 beschlossen, aus dem ÖRK und der KEK 2 Westarp Science - Fachverlage
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