Audre Lorde. Black, Lesbian, Mother, Warrior, Poet I- 30.10
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Audre Geraldine Lorde, Frauenrechtlerin, Bürgerrechtskämpferin, Aktivis-
tin und Schriftstellerin, ist bis heute eine der bedeutendsten und bekanntesten
Schwarzen Feministinnen. Ihr Leben und Werk sind geprägt von Aushand-
lungen mit unterschiedlichsten Diskriminierungen und Unterdrückungen,
aber auch ein Beispiel für Möglichkeiten zur Selbstermächtigung. Dieser Ar-
tikel beschäftigt sich mit Lordes biografischen Einflüssen auf ihre Theorien
und die Relevanz von Geschichte und Religion für ihre Selbstidentifizierung.
Beispielhaft hierfür sind die Auseinandersetzung mit Mary Daly und Lordes
Transformation der Göttin Afrekete. Im Mittelpunkt steht somit die Rolle
von Religion als einem unterdrückenden Element innerhalb intersektionaler
Identitäten sowie als Potenzial zur Ermächtigung und Kritik an anderen
Unterdrückungsstrukturen.
SchlagwörterSchlagwörter Audre Lorde, Intersektionalität, afrikanische Religion, afrikanische Dias-
pora-Religion, Schwarzer Feminismus, Mary Daly
I - 30.10 Audre Lorde. Black, Lesbian, Mother, Warrior,
Poet
[Audre Lorde. Black, Lesbian, Mother, Warrior,
Poet]
Jessica A. Albrecht
Submitted June 07, 2022, and accepted for publication December 12, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
SummarySummary
Audre Lorde, women’s rights activist, civil rights campaigner, activist and
writer, is still one of the most important and well-known black feminists
today. Her life and work are marked by negotiations with a wide variety of
discrimination and oppression, but also an example of possibilities for self-
empowerment. This article explores Lorde’s biographical influences on her
theories and the relevance of history and religion to her self-identification.
Exemplary of this are her engagement with Mary Daly and Lorde’s transfor-
mation of the goddess Afrekete. The focus is thus on the role of religion as
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I - 30.10 Audre Lorde. Black, Lesbian, Mother, Warrior, Poet 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
„I am a black, lesbian, mother, warrior, poet.“
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Diese Worte Audre Lordes (1934‒1992), mit denen oder ähnlichen sie sich in
ihren Reden vorgestellt hat, sind nicht einer ihrer bekanntesten Aussprüche,
sondern sowohl Selbstbestimmung als auch theoretisches und aktivistisches
Programm. Lorde war und ist über die Grenzen der USA hinaus als Schwarze
2
,
lesbische Feministin und Aktivistin bekannt, die mit ihren Essays, Prosatexten
und vor allem ihrer (erotischen) Poesie Aufmerksamkeit erregte. Ihre Texte be-
schäftigen sich auch theoretisch mit der Frage nach Differenzen und Allianzen
innerhalb der feministischen Bewegung und werden oft als Vorläufer der Inter-
sektionalitätstheorie Kimberlé Crenshaws gesehen.
3
Denn Lorde befasste sich
aufgrund ihrer biografischen Hintergründe und ihres politischen Aktivismus
durch ihre Kunst in ihren Beiträgen mit ähnlichen Fragestellungen, die später
den Gegenstandsbereich der Theorie Crenshaws umfassten. Darüber hinaus
sind Lordes Abhandlungen auch heute noch Inspiration für Aktivist*innen
und Forschende zugleich.
Lordes Leben und Werk sind somit aus mindestens zwei Perspektiven relevant
für die Konzeption und das Denken über Intersektionalität und Religion. Zum
einen helfen ihre Theorien, diese Konzepte weiterzudenken, und zum anderen
kann ihr Leben als solches im Lichte der Intersektionalität betrachtet werden.
Gerade ihre Abkehr vom Katholizismus hin zur Inspiration durch (west-)afri-
kanische (weibliche) Gottheiten sowie ihre Auseinandersetzung mit der Radi-
kalfeministin Mary Daly (1928‒2010) sind hierbei von besonderer Bedeutung.
Aus diesem Grund sind genau diese, untrennbar miteinander verwobenen, As-
pekte von Lordes Leben und Werk die Grundpfeiler dieses Artikels. Ein kurzer
Einblick in Lordes Biografie ermöglicht es, ihre Theorien in deren Licht zu
betrachten und dann durch diesen doppelten Blick (biografisch und theoretisch)
die Geschichte um Mary Daly und die Aneignung der Göttin Afrekete zu lesen.
Hierfür werden exemplarische Texte Lordes herangezogen, um die Bedeutung
von Religion und Tradition für ihre Selbstermächtigung aufzuzeigen.
an oppressive element within intersectional identities as well as a potential for empowerment and critique of other structures of oppression.
KeywordsKeywords
Audre Lorde, intersectionality, African religion, African diasporic religion,
black feminism, Mary Daly
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Der vollständige Artikel umfasst 13 Seiten
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