Sojourner Truth (1797–1883) I - 30.9
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Sojourner Truth (geboren als Isabella) war eine afroamerikanische Abo-
litionistin, Frauenrechtlerin und religiöse Figur in der ersten Hälfte des
19.
Jahrhunderts. 1826 gelang ihr gemeinsam mit ihrer Tochter die Flucht
aus der Sklaverei. 1843 gab sie sich selbst den Namen Sojourner Truth, nachdem sie zu der Überzeugung gelangt war, dass Gott sie berufen habe, als Wanderpredigerin aufs Land zu gehen und soziale Ungerechtigkei- ten zu benennen. Ihre bekannteste Rede, für die Truth noch heute in den Debatten und der Theorieentwicklung von Intersektionalität zitiert wird, hielt sie 1851 auf der Women’s Rights Convention in Akron, Ohio. Die
Rede wurde stenografisch in unterschiedlichen Versionen übermittelt und erst mehrere Jahre später unter dem Titel Ain’t I a Woman? verbrei -
tet. Während des Sezessionskriegs (1861‒1865) unterstützte Truth die Unionsarmee bei der Rekrutierung Schwarzer Truppen. Bis zu ihrem Tod setzte sie sich für die Belange von Frauen und ehemals versklavten Afroamerikaner*innen ein. In der Theorieentwicklung von Intersektiona- lität wird auf die Rede aus dem Jahr 1851 als ein historisches Schlüssel- dokument Bezug genommen. Vorliegender Beitrag dient dazu, das Leben aus biografischer Perspektive darzustellen.
SchlagwörterSchlagwörter
Intersektionalität, Abolitionismus, Sojourner Truth, Feminismus, USA, Skla-
verei, Rassismus
I - 30.9 Sojourner Truth (1797–1883)
[Sojourner Truth (1797–1883)]
Stefan van der Hoek
Submitted June 07, 2022, and accepted for publication December 12, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
SummarySummary
Sojourner Truth (born Isabella) was an African American abolitionist,
women’s rights activist, and religious figure in the first half of the 19th
century. In 1826, she and her daughter managed to escape from slavery. In
1843, she gave herself the name Sojourner Truth after becoming convinced
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I - 30.9 Sojourner Truth (1797–1883) 2© Westarp Science Fachverlag
1 Frühe Jahre und Kindheit
So
journer Truth wurde als Isabella (genannt Bella) zwischen 1797 und 1800
1
auf der Hardenbergh Farm in Swartekill (heute Rifton), in Ulster County im
Bundesstaat New York geboren. Sie war eines von zehn oder zwölf Kindern
2
des in Sklaverei geborenen James Baumfree oder Bomefree
3
und Elizabeth (ge-
nannt Betsy).
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Der Besitzer der Hardenbergh Farm und der dort lebenden ver-
sklavten Menschen war Johannes Hardenbergh oder Ardinburgh (1706‒1786),
der James und Elizabeth käuflich erwarb und sie gemeinsam mit ihren Kindern
auf seinem ländlichen Anwesen auf einem weitläufigen hügeligen Gebiet im
Bundesstaat New York festhielt. Die Hardenbergh Farm lag etwa 95
Meilen
(153
km) nördlich von New York City. Hardenbergh stammte aus der nie-
derländischen Kolonie in Swartekill, war reformierter Christ und diente als Offizier im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, weshalb er auch Colonel Hardenbergh genannt wurde.
Der Sohn von Johannes Hardenberg, Charles Hardenbergh bzw. Ardinburgh
(1765‒1806), erbte das Anwesen seines Vaters um 1799. Als Charles Har-
denbergh 1806 starb, wurde Isabella bei einer Auktion zusammen mit einer
Schafherde für 100
Dollar an John Nealy oder Neely (1759‒1835) in einen
Nachbarort verkauft.
5
Bis zu diesem Zeitpunkt sprach Isabella ausschließlich
Niederländisch.
6
Nachdem Isabella bei der Familie Nealy die englische Sprache
gelernt hatte, sprach sie diese zeitlebens mit einem auffälligen Akzent.
7
In ih-
that God had called her to go to the country as an itinerant preacher and
name social injustices. Her most famous speech, for which Truth is still cited
today in debates and theory development of intersectionality, was delivered
in 1851 at the Women’s Rights Convention in Akron, Ohio. The speech was
transmitted stenographically in different versions and was not disseminated
until several years later, under the title Ain’t I a Woman? During the War of
Secession (1861-1865), Truth assisted the Union Army in recruiting black
troops. Until her death, she championed the causes of women and formerly
enslaved African Americans. In the theory development of intersectionality,
the 1851 speech is referenced as a key historical document. The purpose of
this article is to present life from a biographical perspective.
KeywordsKeywords
Intersectionality, Abolitionism, Sojourner Truth, Feminism, U.S.A., Slavery,
Racism
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Der vollständige Artikel umfasst 14 Seiten
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