Gemeindepädagogik und Intersektionalität I - 30.8
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Gemeindepädagogik verfolgt den Selbstauftrag, das Evangelium allen Men-
schen nahezubringen. In der Selbstanalyse wird deutlich, dass alle Menschen
schwerlich erreicht werden können. Obwohl es dem Selbstverständnis entge-
gensteht, hat Gemeindepädagogik mit Ausschluss- und Diskriminierungs-
prozessen zu tun. Einerseits möchten gemeindepädagogische Arbeitsfelder
diese in verschiedenen Kategorien aufdecken und für eine inklusive Gesell-
schaft und Gemeinde stehen. Hierzu orientiert sich der gemeindepädagogi-
sche Diskurs vorrangig an einzelnen Diskriminierungskategorien. Gemein-
depädagogische Lösungsstrategie, um diesen Diskriminierungsprozessen
entgegenzutreten, verbindet sich vorrangig mit dem Begriff der Inklusion.
Andererseits sind intersektionale Perspektiven auf Heterogenitätsdimensio-
nen und eine selbstkritische Reflexion von Macht- und Herrschaftsverhält-
nisse innerhalb des Arbeitsfeldes noch ausbaufähig.
SchlagwörterSchlagwörter
Intersektionalität, Gemeindepädagogik, Inklusion, Inklusive Religions-
pädagogik der Vielfalt, Diskriminierung, Gemeinwesendiakonie
I - 30.8 Gemeindepädagogik und Intersektionalität
[Congregational Pedagogy and Intersectionality]
Felicitas Held
Submitted June 07, 2022, and accepted for publication December 12, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
SummarySummary
Congregational pedagogy pursues the self-mission of bringing the Gospel
to all people. In the self-analysis it becomes clear that it is difficult to reach
all people. Although it is contrary to the self-image, congregational peda-
gogy has to deal with processes of exclusion and discrimination. On the one
hand, congregational pedagogy wants to expose these in different categories
and stand for an inclusive society and community. For this purpose, con-
gregational pedagogical discourse is primarily oriented towards individual
categories of discrimination. The concept of inclusion is the main strategy
of congregational pedagogy to counteract these processes of discrimination.
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I - 30.8 Gemeindepädagogik und Intersektionalität 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
„Für zukünftige und zukunftsweisende Gemeindepädagogik gibt es keine
Alternative, als sich den Aufgaben der Inklusion mit großem Engagement
zu widmen.“
1
Elisabeth Naurath zeigt für die Gemeindepädagogik den un-
bedingten Auftrag an, sich der Herausforderung der Inklusion zu stellen. In
gemeindepädagogischer Perspektive definiert Keßler den Begriff der Inklusion
als „gleichberechtigte Teilhabe aller“
2
, wobei hier das Ziel gemeindepädagogi-
scher Arbeit deutlich wird: die aktive Teilnahme an gemeindepädagogischen
bzw. kirchlichen Angeboten.
Intersektionalität bietet einen Ansatz, um Ausschließungsprozesse und Be-
nachteiligungen in ihren Zusammenhängen zueinander wahrzunehmen und
kritisch zu hinterfragen. „Die intersektionale Sicht auf soziale Wirklichkeit
überwindet also die isolierte Behandlung einzelner Kategorien von Diffe-
renz (…) und [stellt] sie explizit in den Kontext gesellschaftlicher Macht- und
Herrschaftsverhältnisse (…), durch die soziale Ungleichheiten (re)produziert
werden“
3
. In diesem Artikel wird vorgestellt, warum und in welcher Weise
sich Gemeindepädagogik mit Ausschließungsprozessen auseinandersetzt und welche Ansätze sie in intersektionaler Perspektive aufweist.
2 Gemeindepädagogik
Auf konzeptioneller Ebene lässt sich der gemeindepädagogische Auftrag mit
dem Begriff Kommunikation des Evangeliums beschreiben. In dimensiona -
ler Sichtweise differenziert sich dieser in fünf verschiedene Grundmodi oder
-dimensionen aus: Gott feiern und begegnen (Leiturgia), Glauben kommuni-
zieren, verstehen und bezeugen (Martyria), Gemeinschaft pflegen und ent-
wickeln (Koinonia), Identität und Begabung entwickeln (Paideia) und Helfen
und Heilen (Diakonia).
4
Mit dieser dimensionalen Sichtweise ist der Blick für
On the other hand, intersectional perspectives on heterogeneity dimensions and a self-critical reflection of power and dominance relations within the field of work, are still expandable.
KeywordsKeywords
Intersectionality, congregational pedagogy, inclusion, inclusive religious
pedagogy of diversity, discrimination, community diakonia
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Der vollständige Artikel umfasst 18 Seiten
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