Subversionen der Deutungshoheit I - 30.6
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Ausgehend von einer Verortung im Feld der Praktischen Theologie und der
Fokussierung auf homiletische und liturgiewissenschaftliche Forschung
im Rahmen lutherischer kirchlicher Praxis, blickt der vorliegende Beitrag
im Besonderen auf die v.
a. in der Theologie rezipierte „kritische Inter-
sektionalität“, die als Ziel aller intersektionaler Bemühungen den Abbau
epistemischer Gewalt beschreibt. In zwei Schritten wird daraufhin die ge-
genwärtige deutschsprachige Forschung der Homiletik und Liturgik auf
ihre Intersektionalitätssensibilität und damit auf die im Fach vorhandenen
Möglichkeiten zum besagten Abbau epistemischer Gewalt hin analysiert. Für
den homiletisch-liturgischen Kontext werden diese besonders im ästhetisch-
inszenatorischen Zugriff der besagten Felder gesehen, der die Möglichkeit
zur Subversion der Deutungshoheit in gottesdienstlichen Vollzügen eröffnet.
SchlagwörterSchlagwörter Intersektionalität, Theologie, Homiletik, Predigt, Liturgik, Gottesdienst, luthe-
risch
I - 30.6 Subversionen der Deutungshoheit –
Praktische Theologie intersektional
[Subversions of Interpretive Power –
Intersectional Practical Theology]
Christian Boerger
Submitted June 08, 2022, and accepted for publication December 12, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
SummarySummary
Starting from a localization within the field of practical theology and focus-
ing on homiletic and liturgical research in the context of Lutheran ecclesial
practice, this article looks in particular at ‘critical intersectionality’ that
has been especially adopted in theology and which describes the reduc-
tion of epistemic violence as the main goal of all intersectional efforts. In
two steps, the current German-speaking research in homiletics and liturgics
will be analyzed with regard to its sensitivity to intersectionality and thus
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I - 30.6 Subversionen der Deutungshoheit 2© Westarp Science Fachverlag
1 Praktische Theologie intersektional
Theologie und Intersektionalitätsforschung – ein zweifellos notwendiges und
wichtiges Gesprächspaar, wovon nicht zuletzt die vorliegende Ergänzungslie-
ferung des Handbuchs der Religionen zeugt. Die Aufnahme intersektionaler
Perspektiven in der Praktischen Theologie jedoch, vor allem im gegenwärtigen
deutschsprachigen Diskurs, steht abgesehen von der neuesten religionspädago-
gischen Forschung noch am Anfang.
1
Wie also eine intersektionale Praktische
Theologie aussehen kann, wird in der Tat die Zukunft zeigen müssen. In diesem
Beitrag, der im Jahr
2022 entsteht, ist mein Anliegen daher, die gegenwärtige
Praktische Theologie auf ihre Intersektionalitätssensibilität hin zu überprüfen.
Ich frage also: Welche bereits vorhandenen praktisch-theologischen Ansätze
eignen sich besonders, um die Einsichten der Intersektionalitätsforschung an-
zuwenden? Dies werde ich aus einer dezidiert lutherischen Perspektive tun
und entsprechend versuchen, intersektionale Ansätze innerhalb des Kontex-
tes der Erforschung reformatorischer kirchlicher Praxis zu rezipieren und zu
reflektieren.
1.1
Zur Verortung: Die Praktische Theologie und ihre Forschungsfelder
Das Fach Praktische Theologie ist – wie Christian Albrecht es nennt – die
„jüngste Schwester“
2
im Haus der theologischen Disziplinen. Von Friedrich
D. E. Schleiermacher im 19. Jahrhundert zur „Krone“ der Theologie erhoben,
3
beschäftigt sie sich seither (dem Schleiermacher’schen Bild des Baumes ent-
sprechend) mit klassischen „kirchenleitenden“ Themen, die heute v.
a. dem
Feld der Kybernetik und Kirchentheorie zuzuordnen wären, weitete ihren Blick
aber bald auf andere Bereiche kirchlichen Handelns aus, sodass gegenwärtig
viele Teildisziplinen unter die Arbeit der Praktischen Theologie zu subsumie-
with regard to the existing possibilities in the discipline for the mentioned reduction of epistemic violence. For the homiletic-liturgical context, those are seen especially in the aesthetic-performative approach of the mentioned fields, which opens up the possibility of subverting interpretative power in church services.
KeywordsKeywords
intersectionality, theology, homiletics, preaching, liturgy, church services,
Lutheran
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Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten
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