Quellen im Kreuz(ungs)feuer I - 30.5
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Kombination von „Intersek-
tionalität“ und Kirchengeschichte. Mangels eingehender intersektionaler
Untersuchungen in der kirchenhistorischen Forschung eruiert der Beitrag
methodologische Herangehensweisen, epistemische Prämissen und pro-
duktive Ansätze einer Integration intersektionaler Theorien in die Kirchen-
geschichte. Hierbei wird zudem für eine Erweiterung durch Elemente der
Queer Theory votiert. Abschließend präsentiert der Beitrag erste Überle-
gungen zur Implementierung intersektionaler Perspektiven in die Reforma-
tionsgeschichte und gibt ein beispielhaftes Spektrum an kirchenhistorischen
Themen zur intersektionalen Bearbeitung.
SchlagwörterSchlagwörter
Intersektionalität, Queer Theory, Reformationsgeschichte, Kirchengeschich-
te, Religionsgeschichte
I - 30.5 Quellen im Kreuz(ungs)feuer, Kirchenge-
schichte am Scheideweg – Intersektionalität und
Kirchengeschichte
[Sources in the Crossfire, Church History at an
Intersection – Intersectionality and Church
History]
Benedikt Bauer
Submitted June 08, 2022, and accepted for publication December 13, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
SummarySummary
This article deals with the combination of “intersectionality” and church
history. In the absence of detailed in-depth research on intersectionality in
church history, the article explores methodological approaches, epistemic
premises, and productive strategies for integrating intersectional theories
into church history. It also argues for an expansion through elements of
queer theory. Finally, the article presents preliminary considerations on the
implementation of intersectional perspectives into Reformation history and
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I - 30.5 Quellen im Kreuz(ungs)feuer 2© Westarp Science Fachverlag
Unüberwindbare Diskrepanzen? Eine Hinführung
Die Gender-Theorien – insbesondere die radikalster Form – zeigen einen
fortschreitenden Prozess der De-Naturalisierung oder der Entfernung von
der Natur hin zu einer totalen Option für die Entscheidung des emotionalen
Subjekts. Mit dieser Haltung werden sexuelle Identität und Familie Di-
mensionen der postmodernen „Verflüssigung“ und „Fluidität“: gegründet
allein auf eine falsch verstandene Freiheit des Fühlens und des Wollens
statt auf die Wahrheit des Seins; auf das momentane Verlangen des emo-
tionalen Impulses und auf den individuellen Willen.
1
Willkür, Radikalität, „Widernatürlichkeit“, individualistische Befindlichkeits-
ideologie im Gewand einer Theorie, Zeitgeistigkeit und postmoderne Erosion
–
das römisch-katholische Kongregationsdokument aus dem Jahre 2019 bedient
wo
hl die meisten der klassischen Topoi, die gegen Genderforschung ins Feld
geführt wurden und werden. Objektivität, Kontextualisierung, „quellenkund-
liche Akkuratesse“, wissenschaftliche Integrität und historische Faktizität
–
m
it solchen oder ähnlichen Begrifflichkeiten könnte wohl die religions- und
kirchenhistorische Forschung belegt werden. Doch wie können solche sich
diametral gegenüberstehenden Pole zusammengedacht werden? Und damit
nicht genug. Die Kirchengeschichte soll mit Intersektionalität
– möglicherwei-
se eine der radikaleren Formen „dieser“ Gender-Theorien – zusammengedacht
werden? G*tt bewahre! Inwiefern „Intersektionalität“ und Kirchengeschichte
eine fruchtbare Kombination ergeben können, ja, dass sogar grundlegende
Überschneidungen auf der methodologischen Ebene bestehen und welche –
möglicherweise auch subversiven – Potenziale das Forschungsdesiderat einer
bewusst intersektionalen Kirchengeschichte birgt, möchte der vorliegende
Beitrag eruieren.
gives an exemplary spectrum of church-historical topics for intersectional research.
KeywordsKeywords
Intersectionality, queer theory, Reformation history, church history, history
of religion
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Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten
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