Die Diversität der Diversität I - 30.2
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Der vorliegende Beitrag erörtert Perspektiven der Interkulturellen Theolo-
gie und der Religionswissenschaft auf den gendertheoretischen Ansatz der
Intersektionalität. Dabei zeichnet der Artikel zum einen Forschungsentwick-
lungen innerhalb der Intersektionalitätsforschung nach. Zum anderen zeigt
er mögliche Fähigkeiten zum Anschluss an kulturwissenschaftliche Ansätze
auf. Es wird geprüft, inwieweit der Kulturbegriff der Interkulturalität und
der Transkulturalität Potenziale des Intersektionalitätskonzepts forcieren
kann. Anhand einzelner Beispiele zeichnet der Artikel Möglichkeiten einer
intersektional-transkulturellen Perspektive nach. Erprobt wird dies exemp-
larisch an den Feldern Gender, Migration, Ableismus und Rassismus.
SchlagwörterSchlagwörter
Intersektionalität, Intrasektionalität, Interkulturalität, Transkulturalität, Hy-
bridität, Migration, Gender, Rassismus, Ableismus, Postkolonialismus
I - 30.2 Die Diversität der Diversität: Perspektiven der
Interkulturellen Theologie/Religionswissen-
schaft auf Intersektionalität
[The Diversity of Diversity: Perspectives of Inter-
cultural Theology/Religious Studies on Intersec-
tionality]
Kristina Göthling-Zimpel, Claudia Jahnel
Submitted June 08, 2022, and accepted for publication December 12, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
SummarySummary
This article discusses perspectives of Intercultural Theology and Religious
Studies on the gender-theoretical approach of Intersectionality. In the pro-
cess, the article outlines research developments within Intersectionality Stu-
dies as well as potential connections to Cultural Studies approaches. It is re-
viewed to what point the cultural terms of Interculturality or Transculturality
can advance the potentials of the concept of Intersectionality. In addition, the
possibilities of these lines of connection will be traced with examples: The
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I - 30.2 Die Diversität der Diversität 2© Westarp Science Fachverlag
1 Die Produktivität des Inter
D
as Inter ist produktiv. Es unterläuft die Funktion von Grenzen und schafft
Zwischenräume für Aushandlungsprozesse. Interkulturelle Dynamiken schla-
gen sich produktiv in transkulturellen Hybridisierungen, Grenzauflösungen,
neuen Grenzziehungen und Verschiebungen von Deutungsmacht im Kontext
global-lokaler Entwicklungen nieder. Intersektionale Diskriminierungen über-
schreiten die Grenzen „einfacher“ Identitätskonstruktionen und weisen die
Kreuzungspunkte von nationaler, ethnischer, sozialer Herkunft, Geschlecht,
sexueller Orientierung, Alter, physischer und psychischer Verfassung und/oder
Religion etc. als besonders vulnerable Räume für die Erfahrung von Mehr-
fachdiskriminierung aus.
Forschungen zur Inter- und Transkulturalität und Untersuchungen zur Inter-
sektionalität reflektieren heutige Vielfaltsgesellschaften und analysieren ihre
verschiedenen Diversity-Dimensionen. Beide Begriffe, Transkulturalität und
Intersektionalität, beschreiben sowohl Phänomene spezifischer sozialer und
kultureller Verflechtungen als auch kritische Perspektiven auf Stereotypisie-
rungen und epistemologische Praktiken der Diskriminierung. Wie der kultur-
wissenschaftliche Ansatz der Inter- und Transkulturalität und das genderthe-
oretische Konzept der Intersektionalität ineinanderwirken, wo Schnittstellen
und Potenziale der Kooperation liegen und wo vielleicht Grenzen, und welche
Funktion dabei der Theologie und Religionswissenschaft dabei übernehmen,
möchte dieser Artikel aufzeigen. Dabei ist er ein Plädoyer für eine interdiszipli-
näre, möglichst diskriminierungsfreie Erforschung gesellschaftlicher Sachver-
halte und will eine weitere Brücke zwischen Geschlechterforschung, Theologie
und Religionswissenschaft bauen.
fields of Gender, Migration, Ableism and Racism are presented as examples and the function of an intersectional-transcultural perspective is examined using them as case studies.
KeywordsKeywords
Intersectionality, Intrasectionality, Interculturality, Transculturality, Hybri-
dity, Migration, Gender, Racism, Ableism, Postcolonialism
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Der vollständige Artikel umfasst 18 Seiten
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