Religion als DIP der Wissensproduktion I - 30.1
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 75. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Aus poststrukturalistischer, postkolonialer, postsäkularer und Geschlechter-/
queerer Perspektive ist eine eigene Epistemologie für die Untersuchung von
„Religion“ und „Geschlecht“ entwickelt worden. Die Methode der Intersek-
tionalität wird für die Analyse von „Religion“ überarbeitet. Die Kategorie
„Religion“, die in der Geschlechterforschung häufig vernachlässigt oder
essenzialisiert wird, wird in Abhängigkeit von „Geschlecht“, „Sexualität“,
„Race“, „Nation“, „Klasse“, „Spezies“ etc. weiterdiskutiert und als inter-
sektionale Kategorie elaboriert. „Geschlecht“ und „Religion“ werden als
diskursive, intersektionale und performative Kategorien (DIP) der Wissens-
produktion erarbeitet. Diese Kategorien werden nicht nur dekonstruiert und
deessenzialisiert, sondern konsequent denaturalisiert und desidentifiziert,
um epistemische Gewalt abzubauen. Weiterhin kann Religion
– konzeptu-
al
isiert als Wissenskategorie
– nicht nur zum individuellen, sondern auch
zum kollektiven Handlungsmachtgewinn beitragen.
SchlagwörterSchlagwörter
Epistemologie, epistemische Gewalt, Intersektionalität, Handlungsmacht,
Performativität, Poststrukturalismus, Postkolonialität, Postsäkularität,
Religion
I - 30.1 Religion als diskursive, intersektionale und
performative Kategorie (DIP) der Wissens-
produktion. Intersektionalität im Kontext von
Postkolonialität und Postsäkularität
[Religion as a Discursive, Intersectional and
Performative Category (DIP) of Knowledge
Production. Intersectionality in the Context of
Postcoloniality and Postsecularity]
Ulrike E. Auga
Submitted August 08, 2022, and accepted for publication December 23, 2022
Editor: Stefan van der Hoek
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I - 30.1 Religion als DIP der Wissensproduktion 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
Intersektionalität etablierte sich im Aktivismus sowie als inter- und trans-
disziplinärer Forschungsansatz in der Wissenschaft und in gesellschaftlichen
Debatten. Diese zunehmende Verbreitung des Konzepts sowie die akademi-
sche Institutionalisierung der Intersektionalität als Forschungsparadigma in
den USA und weltweit, insbesondere in der kritischen Racetheorie und den
Geschlechterstudien, rief positive wie auch kritische Reaktionen hervor. Einige
verbinden die akademische Erfolgsgeschichte mit einer Entpolitisierung und/
oder Aneignung des Konzepts.
1
Andere warnen davor, dass Intersektionalität
die Gefahr berge, Essenzialisierungen und Differenzvorstellungen zu reprodu-
zieren. Die Kategorie Religion ist in der historischen wie auch gegenwärtigen
Intersektionalitätsforschung bis auf wenige Ausnahmen vernachlässigt worden.
Bisweilen wird das Konzept von Religion verkürzend, essenzialisierend oder
diffamierendend dargestellt.
Die Intersektionalitätsforschung ist beeinflusst von Debatten der Geschlechter-
theorie, die im globalen „Norden“ bzw. „Westen“ entstanden. Die „westliche“
Wissenschaft
– und somit auch indirekt die Intersektionalitätsforschung – war
SummarySummary
A distinct epistemology for the study of ‘religion’ and ‘gender’ has been
developed from poststructuralist, postcolonial, postsecular, and gender/queer
perspectives. The method of intersectionality is revised for the analysis of
‘religion’. The category ‘religion’, which is often neglected or essentialized in
gender studies, is further discussed in relation to ‘gender’, ‘sexuality’, ‘race’,
‘nation’, ‘class’, ‘species’ etc. and is elaborated as an intersectional category. ‘Gender’ and ‘religion’ are developed as discursive, intersectional and per-
formative categories (DIP) of knowledge production. These categories are not only deconstructed and deessentialized but consistently denaturalized
and disidentified in order to dismantle epistemic violence. Furthermore,
religion – conceptualized as a category of knowledge production – can con-
tribute not only to the individual but also to the collective gain of agency.
KeywordsKeywords
Epistemology, Epistemic Violence, Intersectionality, Agency, Performativi-
ty, Poststructuralism, Postcolonialism, Postsecularity, Religion
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Der vollständige Artikel umfasst 24 Seiten
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