I - 29.2

Religionssensibilität in der Unterstützung geflüchteter Familien

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Religionssensibilität in der Unterstützung I - 29.2 geflüchteter Familien Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 67. EL 2021 1 Zusammenfassung In der ehrenamtlichen wie professionellen Unterstützung von geflüchteten Familien wird eine mögliche Bedeutung von Religion oft entweder ausge- blendet oder überbewertet und dabei nicht selten als potenzielles Hindernis für Teilhabe und Integration wahrgenommen. Der Beitrag verfolgt das Ziel, sich der Bedeutung von Religiosität in geflüchteten Familien und Unterstüt- zungskontexten anzunähern, erste vorliegende Befunde sowie Ansätze zur Religionssensibilität überblickartig darzustellen und anknüpfend an Ansätze diversitätssensibler Sozialer Arbeit weiterzuentwickeln. Religiosität soll dabei als doing religion und damit als Positionierungs- und Aushandlungsprozess verstanden werden. Schlagwörter Flucht, Familie, Religiosität, Ehrenamt, Soziale Arbeit, Diversität I - 29.2 Religionssensibilität in der Unterstützung geflüchteter Familien [Sensitiveness of Religion in Support of Refugee Families] Von Sina Motzek-Öz Submitted November 23, 2020, and accepted for publication January 04, 2021 Editor: Regina Polak Summary In voluntary and professional support of refugee families a potential role of religion is either ignored or over-estimated. Often religion is seen as a risk for social integration. The article aims to take up the meaning of religiosity in refugee families and support settings as well as to outline first findings and professional approaches of sensitiveness for religion. Building on social work approaches, which are conscious towards diversity, these are to be developed further. Religiosity is then conceptualized as doing religion and as a process of positioning and negotiation. --- Seite 1 Ende --- I - 29.2 Religionssensibilität in der Unterstützung geflüchteter Familien 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Einleitung Durch den Anstieg der Fluchtzuwanderung in Deutschland in den Jahren 2015/16 wurde Religion vermehrt politisch und medial thematisiert. Die Re- ligion der ,Anderen‘ wird unter Aspekten von Fremdheit und Risiken wahr- genommen. Gerade in persönlichen Beziehungen, wie im Ehrenamtskontext, können sich religiöse Gemeinsamkeiten und Unterschiede von HelferInnen und Geflüchteten zeigen. Dabei gilt die Annahme, dass zugewanderte (vor allem muslimische) Familien religiöser seien als Deutsche. Tatsächlich liegt aber wenig Wissen zu Religion und Religiosität 1 in geflüchteten Familien in Deutschland vor. Insgesamt besteht „eine deutliche Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Diskussion über die Bedeutung von Religion und empirisch fundierten Belegen dazu“ 2 . Im Folgenden wird in die diversitätssensible Soziale Arbeit mit Familien einge- führt. Es werden dann Erkenntnisse zur Bedeutung von Religion in geflüchteten Familien und Unterstützungskontexten zusammengetragen. Schließlich werden Möglichkeiten professioneller und ehrenamtlicher Unterstützung aufgezeigt, um auf religiöse Orientierungen und Bewältigungsmuster einzugehen. 2  Diversitätssensible Soziale Arbeit mit Familien Neu zugewanderte, geflüchtete Familien tragen dazu bei, dass in Deutschland mittlerweile jedes dritte Kind in einer Familie mit Migrationsgeschichte 3 auf- wächst. 4 Migration und Flucht wirken sich nicht nur räumlich auf Lebensmit- telpunkte, Trennungen und die familiäre Konstellation aus, in der Angehörige zusammenleben, sondern auch auf familiäre Rollen und Verantwortlichkeiten im Generationen- und Geschlechterverhältnis und Vorstellungen von Familie, Elternschaft und Erziehung. Die Beobachtung, dass Familien mit Migrations- geschichte häufiger als verheiratetes Paar und häufiger mit mehreren Kindern leben 5 , verleitet ehrenamtliche wie professionelle UnterstützerInnen leicht zu der Annahme eines generell höheren familiären Zusammenhalts. Dieser kann positiv als Unterstützungspotenzial, zum Beispiel für Kinder, gedeutet werden. Er kann aber auch als Risiko einer Vermittlung von Werten und Traditionen er- scheinen, die als inadäquat und nicht zweckmäßig für Teilhabe in Deutschland Keywords Refugee Migration, Family, Religiosity, Voluntary Work, Social Work, Diversity
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Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten