Religionskundliche Sammlung I - 25.5
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 52. EL 2017 1
I - 25.5 D
Philipps-Universität Marburg –
Ein Museum zur Vielfalt der Religionen
Von Edith Franke und Konstanze Runge
Die Religionskundliche Sammlung der Philipps-Universität Marburg blickt
im Jahr 2017 als weltweit älteste universitäre Sammlung, die sich der Vielfalt
der Religionen der Welt widmet, auf eine 90-jährige Geschichte zurück. Der
folgende Blick auf die historische Entwicklung von ihrer ersten Ausstellung
im Jahre 1929 unter Leitung des Gründers Rudolf Otto (1869
– 1937) bis hin
zur heutigen Aufstellung mit einem Fundus von über 9.600 religiösen Objekten
und Bildwerken zeigt sowohl die Sammlungsaktivitäten, das sich wandelnde Verständnis von Religion/en und deren musealer Repräsentation, als auch die
enge Verbindung der Sammlung mit der religionswissenschaftlichen Forschung
und Lehre in Marburg auf. Deutlich wird dabei, dass die Auseinandersetzung mit der materiellen Kultur von Religionen wichtige Impulse nicht nur für das
Verständnis religionshistorischer Entwicklungen, sondern auch für die Er-
schließung aktueller Fragen zur Diversität religiöser Prägungen in modernen Gesellschaften geben kann.
Von der Gründungsidee bis zur Eröffnungsausstellung
Für Rudolf Otto hatten die ab 1879 von Friedrich Max Müller herausgegebe-
nen und nunmehr in Englisch vorliegenden „Sacred Books of the East“
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die
religiösen Welten Indiens und Ostasiens vermehrt in den Blick gerückt. Erste
mehrmonatige Reisen führten den liberalen evangelischen Theologen, Religi-
onsphilosophen und Wegbereiter der Religionswissenschaft 1895 nach Ägypten
und Palästina und erneut 1911/12 nach Nordafrika, Indien, Birma, Japan, China
und Sibirien. Im Rahmen seiner Göttinger Professur für systematische Theolo-
gie, Religionsphilosophie und Religionsgeschichte
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regte Otto daraufhin bereits
1912 an, die religiös bedeutsamen Texte der verschiedenen Kulturen auch in
Deutschland einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die „Quellen
der Religionsgeschichte“
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, eine in Göttingen publizierte lose Serie dieser Texte
entstand. Es ist Ottos besonderes Verdienst und zugleich innovative Idee, dass
er als Ergänzung zu diesen schriftlichen Zeugnissen der Religionen schon im
Jahr 1912 „eine Sammlung ihrer kultlichen und rituellen Ausdrucksmittel“
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anlegen wollte. Bis zur Realisierung seiner Idee einer Sammlungsgründung
sollten jedoch 15 Jahre vergehen.
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In einem Schreiben an den Preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und
Volksbildung Carl Heinrich Becker vom 29. April 1926 beantragte der zu dieser
Zeit durch sein Werk „Das Heilige“
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bereits überregional bekannte und 1917
an die Universität Marburg berufene Religionsgelehrte neben einem Startka-
pital von 3.000 Mark auch die Kapelle und Sakristei des Marburger Landgra-
fenschlosses als Unterkunft der zukünftigen „Lehrsammlung für religionsge-
schichtlichen und konfessionskundlichen Unterricht“.
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Dabei sollte die neue
Sammlung sowohl einem theologisch-religionsgeschichtlichen Lehrzweck im
Rahmen der Universität dienen, als auch Kaufleute, Diplomaten, Ärzte, Ingeni-
eure und Missionare auf ihre Tätigkeiten in anderen Kulturgebieten vorbereiten.
Eine weitere Besonderheit war ihr interfakultärer Status, war doch geplant, sie der theologischen und der philosophischen Fakultät gemeinsam zuzuordnen. Von Beginn an war die Idee der Sammlungsgründung konzeptionell eng ver-
knüpft mit dem Vorhaben, ein internationales Institut für Religionsforschung einzurichten.
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Mittels einiger weiterer Anträge gelang es Otto schließlich, den Preußischen
Minister von seinem ambitionierten Vorhaben zu überzeugen. Dieser gewährte
ihm am 10. Juni 1927 die Summe von 40.000 Mark zum Ankauf von „frem-
dem Kultmaterial“.
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Anlässlich des 400. Gründungsjubiläums der Philipps-
Universität wurden etliche Gründungen der heute 34 universitären Sammlungen
ermöglicht und auch der repräsentative Jubiläumsbau
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in der Biegenstraße fer-
tiggestellt, in dessen zweitem Stock die Religionskundliche Sammlung später
eröffnet werden sollte. Otto brach denn auch sogleich im Oktober 1927 zu einer
achtmonatigen Reise nach Ceylon, Indien und durch den Nahen Osten auf, wo
er von einem Teil des frisch bewilligten Sammlungskapitals ägyptische und
buddhistische, vor allem aber hinduistische Objekte erwarb.
Ein im November 1928 von Otto gemeinsam mit Prof. Alfred Thiel
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unter-
zeichneter Werbeprospekt gibt Aufschluss über die geplante Gliederung der
Sammlung in elf Abteilungen, die von einer „konfessionskundlichen“ Abteilung
zum Christentum über eine jüdische und eine islamische Abteilung, die „Hoch-
religionen des Ostens“ (Religion der Parsen, Religionen Indiens, Buddhismus,
Daoismus Chinas, Shintoismus Japans) bis hin zu sogenannten Denkmälern
antiker Religionen und der „Primitiv-Kulturen“ reichen sollten.
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Eine weitere
Abteilung sollte sich der christlichen Missionswissenschaft (mit einem eigenen
Leiter) widmen. Als zukünftige Direktoren unterzeichneten 21 Gelehrte, von denen neun nicht aus Marburg kamen, dieses Schriftstück. Absicht war es, die Sammlung unter die „Obhut der Marburger Gesellschaft der Wissenschaften“ Westarp Science – Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten
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