Religionssensibilität in der Elementarpädagogik I - 16.4
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 66. EL 2020 1
Zusammenfassung
Die Handlungstheorie der religionssensiblen Bildung und Erziehung mit ih-
ren sechs Handlungsgrundsätzen wird im Kontext der Elementarpädagogik
vorgestellt. Durch deren pädagogische Begründung können Fachkräfte, die
selbst keinen (christlichen) Glauben haben, aus ihrer pädagogisch offenen
Haltung heraus und durch ihre pädagogische Kompetenz Kinder in ihren
religiösen und philosophischen Fragen sensibel begleiten.
Schlagwörter
Religionssensible Bildung und Erziehung, Elementarpädagogik, pädagogi-
sche Handlungskonzepte, Handlungsgrundsätze, dreistufiger Religionsbe-
griff
I - 16.4 Religionssensibilität in der Elementarpädagogik
[Religious Sensitivity in Elementary Education]
Von Judith Weber
Submitted March 6, 2020, and accepted for publication August 28, 2020
Editor: Thorsten Knauth
Summary
The action theory of religion-sensitive education with its six principles of
action is presented in the context of elementary education. Based on its pe-
dagogically open position and its pedagogical competence the pedagogical
justification of the theory allows skilled workers without (christian) faith, to
sensitively accompany children in their religious and philosophical questions.Keywords
Religion-sensitive education, elementary pedagogy, pedagogical concepts of
action, principles of action, three-level concept of religion
--- Seite 1 Ende ---
I - 16.4 Religionssensibilität in der Elementarpädagogik
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Westarp Science – Fachverlage
1 Einleitung
Religionssensible Bildung und Erziehung stellt eine religionspädagogische
Handlungstheorie dar, die sich als Teilgebiet der Pädagogik sowie als Teilgebiet
der Theologie versteht. Sie fordert dazu auf, die Religiosität und die vielfälti-
gen Vorstellungen der Religion in der Gegenwart wahr- und ernstzunehmen.
Ausgangspunkt religionssensibler Bildung ist der Mensch, der beispielweise in
existenziellen Situationen und bei Fragen der Wertorientierung Zugänge zum
Religiösen finden kann. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass jeder Mensch
eine gewisse Sensibilität für das Thema Religion mit sich bringt. Diese drückt
sich unter anderem in seinen Sehnsüchten, Hoffnungen und Fragen aus. Religi-
onssensibel zu handeln heißt, sensibel zu werden für die existenzielle Dimen-
sion des Menschseins in allen seinen Facetten.
Der Begriff der „religionssensiblen Bildung und Erziehung“ stammt ursprüng-
lich aus dem Forschungsprojekt „Religion in der Jugendhilfe“
1
. Dieses unter-
sucht die Religion und die Religiosität von Kindern und Jugendlichen. In der
Studie „Religionssensible Erziehung“ zeigen verschiedene Beispiele, dass Re-
ligion und religiöse Phänomene in der Gesellschaft und in wissenschaftlichen
Untersuchungen, etwa innerhalb der Allgemeinen Pädagogik, neue Beachtung
erfahren.
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Der religionspädagogische Ansatz der religionssensiblen Bildung und
Erziehung wurde auch auf die Elementarpädagogik übertragen,
3
da in beiden
Bereichen pädagogische Fachkräfte arbeiten. „Wir wollten in enger Kooperation
mit der Praxis eine religionspädagogische Handlungstheorie für Erzieher/-innen
entwickeln – also eine Praxistheorie für ‚Nicht-Theologen’. Erzieher/-innen
sind keine Katecheten und keine Religionslehrer/-innen. Gleichwohl gehört zu
Ihrer Profession die Aufgabe, den Sinn- und Grenzfragen von Heranwachsen-
den, ihren religiösen Bedürfnissen, ihrer (konfessionellen) Religion gerecht zu
werden“.
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Veränderte familiäre und gesellschaftliche Voraussetzungen führen zu neuen
Herausforderungen für die religiöse Bildung und Erziehung in Kindertages-
einrichtungen. Im Zentrum gegenwärtiger pädagogischer Ansätze, somit auch
der religionssensiblen Bildung, steht das Kind, bei dem die Fachkraft durch
ihre Beobachtungen die individuelle Entwicklung, die Themen, Interessen und
Bedürfnisse im Blick hat. Ziel ist es, kindliche Erfahrungen und Vorstellungen
im Dialog zu erschließen sowie Kompetenzen der Kinder wahrzunehmen und
zu fördern. Dazu gilt es, eine anregende Umgebung zu schaffen, die selbsttätige
Lernprozesse initiiert, insbesondere auch im Bereich der religiösen Bildung.
Wichtig ist hierfür neben der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern die Ver-
netzung und Kooperation mit anderen Institutionen im Sozialraum.
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Der vollständige Artikel umfasst 14 Seiten
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