I - 14.5.7

Hauptsache böse? – Heavy Metal und Religion

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Hauptsache böse? Heavy Metal und Religion I - 14.5.7 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 67. EL 2021 1 Zusammenfassung Als Heavy Metal in den 1980er-Jahren populär wurde, tauchten Fragen nach der Rolle der in dieser Subkultur rege benutzten religiösen Symbole auf. Eine der prominentesten war: Sind religiöse Inszenierungen in Lyrics, auf Alben und Merchandise oder auf Konzerten Showelemente oder Zeichen einer re- ligiösen Weltansicht? Der Beitrag zeigt, dass diese Frage zu einfach ist. Die Interrelationen zwi- schen Heavy Metal und Religion sind facettenreich. Im Artikel wird drei solcher Relationen genauer nachgegangen: Erstens kann Heavy Metal zum Ausdrücken und Vermitteln religiöser Weltanschauungen verwendet wer- den. Zweitens werden im Metal Symbole aus unterschiedlichsten religiösen Traditionen aufgenommen und adaptiert. Sie dienen der Identifikation mit der Metal-Subkultur. Drittens kann, wie Befragungen mit Fans und Musi- kerInnen gezeigt haben, Metal selbst als Religion fungieren. Jeder dieser drei Blickwinkel setzt einen anderen Religionsbegriff voraus und zeigt auf, dass der jeweilige Fokus die Definition von Religion in diesem Wechselspiel mitbestimmt. Schlagwörter Heavy Metal, Populärkultur, Musik, Identität, Okkultismus, Christentum I - 14.5.7 Hauptsache böse? Heavy Metal und Religion [Evil within? Heavy Metal and Religion] Von Anna-Katharina Höpflinger Submitted September 14, 2020, and accepted for publication January 04, 2021 Editor: Udo Tworuschka Summary When Heavy Metal became popular in the 1980s, many questions arose re- garding the role of religious symbols used in this subculture. One of the most prominent being: Do the religious symbols widely used in lyrics and visual representations stand for a deeply rooted expression of religious worldviews or are they part of a theatrical element many musicians rely on? --- Seite 1 Ende --- I - 14.5.7 Hauptsache böse? Heavy Metal und Religion 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Nur Ärger mit diesen „Okkultisten“. Einstieg M itte der 1980er-Jahre gründeten in den USA eine Gruppe politisch gut ver- netzter Frauen rund um die damalige Senatorengattin Tipper Gore das Pa- rents Music Resource Center (PMRC), das sich gegen die angeblich moralisch problematischen Texte und Bilder populärer Musik wandte. 1 Das PMRC gab eine Liste der „filthy fiftheen“ heraus, der vermeintlich fünfzehn schlimmsten zeitgenössischen Lieder. Neun davon waren Heavy-Metal-Songs. Zweien dieser Lieder wurde vorgeworfen, die Jugend zu „Okkultismus“ zu verführen. Doch nicht nur in den USA wurde Heavy Metal verdächtigt, die Jugend im Sinne „okkulter“ und/oder „satanistischer“ Weltanschauungen zu manipulieren. Auch im deutschsprachigen Raum wurden Ordner mit Warnungen vor dieser Mu- sikrichtung herumgereicht und „Aufklärungsfilme“ über Metal gedreht. 2 Als in den frühen 1990er-Jahren in Norwegen Kirchenbrandstiftungen und Morde der dortigen Black-Metal-Szene bekannt wurden, wurden Ängste dieser Art weiter verstärkt. 3 Diese Beispiele zeigen: In öffentlichen Debatten wurde Heavy Metal vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren mit „Okkultismus“ verbunden. Dieser Ok- kultismus wurde je nach Kontext unterschiedlich verstanden, meist jedoch im Sinne einer absichtlichen Umdrehung christlicher Vorstellungen und Werte oder eines Beschwörens dunkler transzendenter Mächte. 4 Die Metal-MusikerInnen reagierten irritiert auf diese Vorwürfe; teils wehrten sie sich dagegen, teils machten sie sich darüber lustig und teilweise nahmen sie sie auf und verstärkten sie als provokative Reaktion. 5 The paper argues that this question is too one dimensional as there are many layers of interrelation between Heavy Metal and religion. The article focuses on three hypotheses: Firstly, Heavy Metal can be used to express and convey religious beliefs. Secondly, symbols from a wide variety of religious tradi- tions serve as social identifiers within the metal subculture. Thirdly, based on various interviews with fans and musicians, “metal” itself can become a religion. Each argument is based on a different concept of religion and shows that the chosen perspective determines the definition of religion. Keywords Heavy Metal, popular culture, music, identity, occultism, Christianity
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