Werte und religiöser Wandel in Österreich 1990-2018I - 14.2.3.4
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 67. EL 2021 1
Zusammenfassung
Innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte wurde gesellschaftlichen Ver-
änderungen und Herausforderungen in Österreich vielfach mit öffentlichen
und wissenschaftlichen Diskursen über Werte begegnet. Die These eines
Wertewandels, insbesondere eines Verlustes christlicher Identitäten, ist dabei
zentral.
Die Europäische Wertestudie erhebt seit 1990 die Werte und Einstellungen
der Bevölkerung zu verschiedenen Lebensbereichen und ermöglicht damit
einen Langzeitvergleich über 30 Jahre. Anhand dieser Daten stellt der Beitrag
die Entwicklungen und Stabilitäten von religiösen Werten in Österreich dar.
Diese vielseitigen Prozesse lassen sich mit den Begriffen Austritt, Auswan-
derung und Ausdifferenzierung charakterisieren.
Schlagwörter
Werte, Wertewandel, Europäische Wertestudie, Religionssoziologie, Religion
in Österreich, Quantitative Sozialforschung, Sozialer Wandel, Pluralisierung
I - 14.2.3.4 Werte und religiöser Wandel in Österreich
1990-2018: Austritt, Auswanderung,
Ausdifferenzierung
[Values and Religious Change in Austria
1990-2018: Exit, Emigration, Extensions]
Von Lena Seewann und Patrick Rohs
Submitted October 9, 2020, and accepted for publication January 04, 2021
Editor: Franz Winter
Summary
During the last three decades societal changes and challenges in Austria
were often addressed as a matter of values, both in public as well as scientific
discussions. The main assumption of value change, or specifically the erosion
of Christian identities, was a focal point in this debate.
The European Values Study collects data on the values and attitudes in diffe-
rent domains of life since the year 1990, and thus enables a long term analysis
of the Austrian population over the last 30 years. On the basis of this data,
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I - 14.2.3.4Werte und religiöser Wandel in Österreich 1990-2018
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Westarp Science – Fachverlage
1 Einleitung
1
In den vergangenen Jahrzehnten kam es in den europäischen Gesellschaften in
verschiedenen Bereichen zu teilweise enormen Transformationen: In der Ar-
beitswelt ergaben sich u.a. durch Digitalisierung und Flexibilisierung große Um-
brüche;
2
alternative Familienmodelle gewannen an gesellschaftlicher Normali-
tät, homosexuelle Paare und arbeitende Mütter genießen mehr Anerkennung als
noch 1990
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und das Ausmaß individueller Gestaltungsmöglichkeiten wuchs in
vielen Bereichen. Mit der zunehmenden Pluralisierung der Lebensentwürfe und
den dadurch entstehenden Fragen hinsichtlich dessen, was moderne westliche
Gesellschaften im Kern zusammenhält, erlangte insbesondere der Begriff der
Werte – und damit verbunden auch des Wertewandels – eine starke Präsenz
in gesellschaftspolitischen, aber auch in religiösen Diskursen: Mal sorgt man
sich um die Werte, die Jugendliche vertreten, mal werden „europäische Werte“
oder „christliche Werte“ beschworen, und wieder ein anderes Mal geht es um
Werte im Umfeld von Wirtschaftsunternehmen (zum Beispiel im Rahmen von
Corporate-Social-Responsibility-Ansätzen).
Einerseits sind Werte somit zwar in aller Munde, andererseits bleibt eine kon-
krete nähere Bestimmung, was denn diese jeweiligen Werte im Einzelnen
ausmacht und worin sie sich zeigen, oftmals aus. Dies ist in Teilen auch der
unterschiedlichen Rolle des Wertebegriffs in verschiedenen wissenschaftlichen
Disziplinen geschuldet. So steht die Philosophie dem Wertebegriff eher reser-
viert gegenüber und verankert diesen stärker in ethischen Fragen, oftmals in
Verbindung mit gesellschaftlichen Normen.
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Ähnlich verhält es sich im theo-
logischen Kontext, wo der Aspekt des von außen Kommenden und Tradier-
ten stärker im Fokus steht.
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Sozialwissenschaftliche Auseinandersetzungen
mit Werten betonen hingegen die funktionalistische Rolle von Werten für das
Gesellschaftsgefüge, etwa zur symbolischen Herstellung von Gemeinschaft.
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Manche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bezweifeln die Wirkmäch-
tigkeit der Werte, im Gegensatz zu Einstellungen oder Normen, prinzipiell. So
this chapter introduces the dynamics and stabilities of religious values in
Austria. The diverse processes can be characterized by three terms: Exit,
Emigration and Extension.
Keywords
Values, Change in Values, European Values Study, Sociology of Religion, Re-
ligion in Austria, Quantitative Social Research, Social Change, Pluralization
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Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten
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