I - 14.2.3.3

Urbane Governance religiöser Diversität

📖 Leseprobe – 2 von 20 Seiten
Urbane Governance religiöser Diversität I - 14.2.3.3 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 64. EL 2020 1 Zusammenfassung Migration ist eine der zentralen Triebfedern der Diversifizierung der religiö- sen Zusammensetzung europäischer Gesellschaften. Religiöse Vielfalt findet sich heute, nicht zuletzt aufgrund von Migrationsbewegungen, insbesondere in urbanen Zentren. Im Gegensatz zur von Rechts- und Politikwissenschaft umfassend bearbeiteten institutionalisierten Religionspolitik auf National- staatsebene, werden lokale Formen der Interaktion von Politik und Religion aber nur selten Gegenstand der Forschung. Im Zentrum dieses Beitrags steht daher die Frage, inwieweit durch den konkreten Umgang mit religiösen Ak- teuren auf städtischer Ebene und angesichts fortschreitender Diversifizierung in urbanen Räumen eine spezifisch städtische Form der Religionspolitik be- obachtbar ist. Dazu diskutiere ich die Konsequenzen der Politisierung von Religion für städtische Politikgestaltung, Religionsrecht auf lokaler Ebene, die Konflikthaftigkeit von Religion im öffentlichen Raum der Stadt und die Stellung von Religionsgemeinschaften auf lokaler Ebene anhand einer ver- gleichenden Fallstudie zu drei österreichischen Städten. Schlagwörter Religiöse Diversität; Multi-Level Governance; Stadt; Religion und Integration I - 14.2.3.3 Urbane Governance religiöser Diversität [Urban Governance of Religious Diversity] Von Astrid Mattes Submitted February 14, 2020, and accepted for publication March 27, 2020 Editor: Regina Polak Summary Migration is one of the main reasons for growing religious diversity in Euro- pean societies. Not least due to migration flows to cities, religious diversity is found mainly in urban centres. While political science and legal studies have investigated institutionalized politics of religion on the nation state level, local forms of religious establishment and inclusion into policy processes are less researched. In this article, I ask to which extent the local interactions between cities and religious communities lead to the formation of a specific form of urban governance of religious diversity. To answer this question, I discuss the consequences of politicization of religions for urban policy making, local --- Seite 1 Ende --- I - 14.2.3.3 Urbane Governance religiöser Diversität 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Religion in der superdiversen Stadt In neuen und alten Zielländern globaler Migrationsbewegungen sind es insbe- sondere urbane Regionen, in denen Diversität zur Regel geworden ist. Religion hat im großen Spektrum der Diversitätsmerkmale aufgrund ihrer umfassenden Politisierung 1 , ihrer spezifischen rechtlichen Stellung 2 , ihrer räumlichen Prä- senz 3 und ihrer Organisationsform 4 und dem komplexen Zusammenspiel dieser Besonderheiten eine spezielle Relevanz. Anders als Differenzmerkmale wie etwa Sprachenvielfalt oder Ethnizität ist Religion weit über Diskriminierungs- verbote hinaus mit Grundrechten verbunden. Trotz diesem grundrechtlichen Schutz findet seit geraumer Zeit eine starke Politisierung von Religion statt, bei der diese gerade im Zusammenhang mit Migration/Integration zum Marker für Zugehörigkeit stilisiert wird. Dies zeigt sich nicht zuletzt in zahlreichen Konflikten um die Präsenz von Religion im öffentlichen Raum, der in der Stadt von religiösen Symbolen und Gebäuden maßgeblich mitgestaltet ist. Hier sind Religionsgemeinschaften und politische Akteure zur Zusammenarbeit aufge- fordert. Erstere werden insbesondere auch wegen der ihnen zugesprochenen Vertretungsfunktion in die Governance von Diversität eingebunden. Im folgenden Beitrag möchte ich Literatur zu diesen vier Punkten in der Gover- nance religiöser Diversität auf ihre Relevanz für die lokale Ebene befragen und anhand der Ergebnisse einer vergleichenden Fallstudie zum Umgang mit religiöser Diversität in drei österreichischen Städten weiterdenken. Zusammen- fassend wird gefragt, ob angesichts fortschreitender Diversifizierung in urbanen Räumen eine spezifisch städtische Form der Religionspolitik beobachtbar ist. Dazu gilt es zunächst die Besonderheiten urbaner Regionen in den Blick zu nehmen. Während wir häufig von Einwanderungsländern sprechen, sind es doch insbesondere Städte, in denen eine solche Vielfalt an Zuschreibungen und Zugehörigkeiten den Alltag der Menschen prägen. Über 85 Prozent der Menschen, die nach Europa einwandern, siedeln sich in Städten an. 5 Städten wird häufig auch ein spezifischer, zumeist als liberal eingestufter Zugang zum legal aspects, the contentiousness of material religion in public spaces and the position of religious communities as local policy actors in a comparative case study of three Austrian cities. Keywords Religious Diversity; multi-level governance; City; Religion and Integration
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten