Unfallkreuze am Strassenrand I - 12.2
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 64. EL 2020 1
Zusammenfassung
Jedes Jahr sterben Tausende Menschen durch Verkehrsunfälle, viele da-
von sehr jung. Freunde, Nachbarn und Familienangehörige versuchen oft
am Ort des Unfalls die Realität zu erfassen. An diesen Orten entstehen in
den folgenden Tagen spezifische Trauerorte. Blumen, Spielzeug, Briefe und
einfache Holzkreuze transformieren die Stelle in einen sakralen Ort. Die
Kreuze spiegeln keine spezifische Konfession, doch finden dort vielfältige
Handlungen, neu und individuell ausgestaltete Rituale statt. Es wird mit den
Verstorbenen kommuniziert. Unfallorte werden so zu Ausdrucksformen von
Patchwork-Religion, vor allem eines unspezifischen Glaubens an ein Leben
nach dem Tod.
Schlagwörter
Unfall, Tod, Trauer, Ritual, Erinnerungsorte, Patchwork-Religion
I - 12.2 U nfallkreuze am Straßenrand -
Sinnsuche, Krisenritual und Patchwork-Religion
[Roadside Memorials – Quest for Meaning, Crisis
Rituals, and Patchwork Religion]
Von Christina Aka
Submitted February 14, 2020, and accepted for publication March 27, 2020
Editor: Mirko Uhlig
Summary
Every year, thousands of people die from traffic accidents, many of them
very young. Friends, neighbours, and family members often try to grasp
reality at the site of the accident. In these places specific mourning places
arise in the following days. Flowers, toys, letters and simple wooden crosses
transform the place into a sacred place. The crosses do not reflect a specific
denomination, but there are various actions, new and individually designed
rituals instead. It is communicated with the deceased. Accident locations thus
become forms of expression of patch work religion, above all a non-specific
belief in a life after death.
Keywords
Accident, Death, Mourning, Ritual, Places of Memory, Patchwork Religion
--- Seite 1 Ende ---
I - 12.2 Unfallkreuze am Strassenrand
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Westarp Science – Fachverlage
1 Der Tod auf der Straße
Jahr für Jahr gibt es in Deutschland mehrere Tausend Verkehrstote zu beklagen.
Zwar haben sich die Zahlen in den letzten 20 Jahren fast halbiert, doch auch
2017 bezifferte das Statistische Bundesamt ihre Zahl noch immer auf 3200.
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Viele der Verunglückten sind jung, zumeist erst seit kurzem im Besitz eines
Führerscheins, und ihr Tod „vor der Zeit“ schockiert. 2017 waren es 500 junge
Erwachsene und 100 Kinder. Kreuze am Straßenrand machen nicht wenige
dieser Unfälle sichtbar. Nach lang gestreckten Kurven, an Kreuzungen und
vor Bäumen, deren Rinde verletzt ist, stehen diese Erinnerungszeichen, die auf
riskante Überholmanöver, überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer oder
tragische Zufälle verweisen.
Nur wenige Stunden nach dem Erhalt der Todesnachricht versuchen Freunde,
Nachbarn und oft auch Angehörige an der Unfallstelle die Realität zu begreifen.
Der Unfallort ist immer ein verletzter Ort und zeigt, dass das Unfassbare tat-
sächlich geschehen ist. In den auf das Ereignis folgenden Tagen werden solche
Orte des Todes dann zu Orten der Trauer. Angehörige, oft aber auch Freunde
und Cliquen, stellen dort ein Kreuz auf und schmücken den Ort mit Zeichen
des Gedenkens und der Trauer.
Bild 1: Der Sterbeort von Dennis, 1999.
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Der vollständige Artikel umfasst 18 Seiten
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