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Kulturtourismus – Spiritualität inklusive?

📖 Leseprobe – 2 von 20 Seiten
Kulturtourismus I - 12.1 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 45. EL 2015 1 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 12.08.2015  2. AK  Seite 1 I - 12.1  Kulturtourismus – Spiritualität inklusive? Von yvonne pröbstle Kultur- und Tourismusakteure beobachten aufmerksam ein reisefreudiges Kul- turpublikum, das losgelöst vom Alltag und außerhalb der gewohnten Umgebung Kulturangebote in Anspruch nimmt. Kommunen und Regionen reagieren auf diese Entwicklung mit der gezielten Konstruktion von Sehenswürdigkeiten und der Etablierung von Events in Form von Sonderausstellungen, Themenjahren und Festivals. Tourismusorganisationen bauen in ihren Marketingkonzeptionen auf den Attraktivitätsfaktor Kultur, Kultur- und Tourismusakteure zielen auf eine kulturtouristische Vernetzung ihrer Angebote und Spezialanbieter unter den Reiseveranstaltern profilieren sich mit kulturtouristischen Nischenproduk- ten. Der Kulturtourismus gilt als Wachstumsmarkt – nachfrage- wie angebots- seitig. Bereits 2008 hieß es auf der Internationalen Tourismus Börse in Berlin: „Eine neue strategische Option ist Kulturtourismus längst nicht mehr. […] Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Reisedestina- tion ohne kulturtouristisches Angebot nicht mehr mithalten kann.“ 1 Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle fragen, welcher Kulturbegriff dem zugrunde liegt, was hier als Kulturtourismus bezeichnet wird. Vertreter des Kulturbetriebs werden einen engen Kulturbegriff zur Antwort geben; Kul- tur wird als Kunst definiert. Museen und Ausstellungen, Konzerte, Oper und Schauspiel gelten neben Stätten des kulturellen Erbes unter Kulturtouristen als beliebte Ausflugs- bzw. Reiseziele. Wer allerdings über den kulturbetrieblichen Tellerrand hinausblickt, wird einen weiten Kulturbegriff attestieren. Auf Reisen begegnet man den Lebensweisen anderer Menschen, man erfährt ihre Sitten und Gebräuche und erhält Einblicke in die jeweilige Alltagskultur und ihrer Errungenschaften. Auch Religion und Glaube sind kulturelle Erzeugnisse und Ausdruck eines erweiterten Kulturbegriffs. So verwundert es auf den ersten Blick nicht, wenn seit einigen Jahren in der Diskussion über das Phänomen Kul- turtourismus auch die Rede vom sogenannten spirituellen Tourismus ist. Der vorliegende Beitrag ist dieser Tourismusart gewidmet. Nach einer Einführung in das Themenfeld Kulturtourismus, die insbesondere den Akteuren und ihren Zielen gilt, wird nach den Ursachen gefragt, die Tourismusarten wie den spi- rituellen Tourismus begünstigen. Schließlich erfolgt eine angebots- und nach- frageseitige Annäherung an den spirituellen Tourismus, die Überschneidungen zum Kulturtourismus erkennen lassen wird. Ein Ausblick auf Erfolgsfaktoren im Kulturtourismus wird den Beitrag abschließen. --- Seite 1 Ende --- I - 12.1 Kulturtourismus 2 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 12.08.2015  2. AK  Seite 2 Kulturtourismus im Fokus: Akteure und ihre Ziele In den 1980er-Jahren beschloss die Europäische Gemeinschaft erstmals ge- meinsame Förderaktivitäten für die Bereiche Kultur und Tourismus. Verbunden war damit der politische Wille, einen Beitrag zur Vereinigung Europas fernab der ökonomischen Zusammenarbeit zu leisten. Das europäische Kulturerbe sollte zu diesem Zweck touristisch erschlossen werden. Der Begriff „Kulturtou- rismus“ tauchte erstmals in diesem Zusammenhang auf, 2 wenngleich kulturell motivierte Reisen freilich keine Neuheit darstellten. Man denke etwa an die überlieferten antiken Reiseberichte und -führer, die Hinweise auf lohnenswerte Sehenswürdigkeiten enthielten oder an Goethes Italienreise in den Jahren 1786 bis 1788, später die idealtypische Vorlage einer jeden Bildungsreise. 3 Die Erin- nerung an die Zielsetzung der Europäischen Gemeinschaft ist heute verblasst; Kultur- und Tourismusakteure widmen sich dem Kulturtourismus, allerdings vor dem Hintergrund ihrer jeweils eigenen Herausforderungen, die im Folgen- den skizziert werden. Perspektive Tourismusbetrieb Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts liest sich als eine Erfolgsgeschichte des Tourismus. In den Nachkriegsjahren setzte eine „Demokratisierung des Reisens“ ein. Mehr und mehr Menschen konnten es sich leisten, den Alltag für einen begrenzten Zeitraum hinter sich zu lassen und zu verreisen. Gemessen in Zahlen wird diese Entwicklung besonders eindrücklich am Beispiel der soge- nannten Urlaubsreiseintensität, d. h. dem Anteil der Urlaubsreisenden (5 Tage und mehr) an der deutschen Bevölkerung. Zu Beginn der 1950er-Jahre waren es weniger als ein Viertel der Deutschen, die pro Jahr mindestens einmal eine Urlaubsreise unternahmen. 4 Im Gegensatz dazu vermeldete die Reisebranche zu Beginn des Jahres 2014 einen neuen Rekordwert: „Noch nie machten mehr Menschen mehr Reisen als im Jahr 2013. Konkret waren knapp 55 Mio. Ur- laubsreisende unterwegs und machten fast 71 Mio. Urlaubsreisen. Damit stieg die Urlaubsreiseintensität auf knapp 78 %.“ 5 Trotz dieser positiven Entwicklung tritt der Tourist auf dem Reisemarkt ge- genwärtig als Souverän in Erscheinung, denn das Angebot ist im Vergleich zur Nachfrage im Zeitvergleich überproportional gestiegen. 6 Touristiker offerieren ihren Kunden Dutzende von Wahlmöglichkeiten, aus denen sie – reiseerfahre- ner und anspruchsvoller denn je – auswählen können. 7 Die touristische Nachfra- ge kennzeichnet heute ein komplexes Bündel aus verschiedenen Reisemotiven; Westarp Science – Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten