Zwischen Relevanz & Kritik anwendungsorientierter ReWiI - 5.7.8
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 79. EL 2024 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Dieser Beitrag behandelt spezifische Abschnitte meiner Dissertation, die
sich mit der anwendungsorientierten Religionswissenschaft beschäftigt. Im
Rahmen eines Forschungsprojekts namens Hindiba (arab. Löwenzahn), wel-
ches ein Paradebeispiel für implizite Religiosität darstellt, werden die inne-
ren Strukturen individueller Bedeutungsebenen von Religiosität untersucht.
Hierdurch können Einflüsse auf die Inklusität von fluchtmigrierenden Men-
schen festgestellt werden. Die Inklusität ist ein für die Dissertation eigens
definierter Begriff, welcher sich auf das subjektive Erfahren von Sicherheit,
Strukturiertheit, Anerkennung, Zu(sammen)gehörigkeit und Sinnhaftigkeit,
auf Verstehensprozesse für eine respektvolle Entwicklung sowie auf das
individuell erlebte Gefühl angekommen zu sein, bezieht.
Da die Forschungsarbeit als konkretes Handlungsfeld unter dem Blickwinkel
der Religionswissenschaft in hohem Maß an das Praxisfeld gebunden ist und
deshalb kein Weg daran vorbeiführt, die Theorie und die Praxis zu verbin-
den, stehen sie in ständiger konfliktbehafteter Ambivalenz zueinander. In
der Verbindung zwischen Theorie und Praxis müssen die beiden Bereiche
stets gleichwertig anerkannt werden. Das bedeutet, die Theorie wird nie-
mals allein aus der Praxis gewonnen und die Praxis kann niemals durch
rein theoretische Schritte geleitet werden. Die dadurch entstehenden Span-
nungsverhältnisse werden im vorliegenden Beitrag kritisch beleuchtet und
gleichzeitig deren Relevanz im Kontext meiner Forschungsarbeit diskutiert.
1
SchlagwörterSchlagwörter
Religiosität, anwendungsorientiert, implizit, Feldforschung, „Integration“
I - 5.7.8 Zwischen Relevanz und Kritik anwendungsorien-
tierter Religionswissenschaft zur Erfassung der
inneren Strukturen (impliziter) Religiosität im
Inklusitätsprozess fluchtmigrierter Menschen
[Between the relevance and criticism of applied
religious studies to capture the inner structures of
(implicit) religiosity in the inclusion process of
refugee migrants]
Alina Knoflach
Submitted December 18, 2023, and accepted for publication January 10, 2024
Editor: Martin Rötting
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I - 5.7.8Zwischen Relevanz & Kritik anwendungsorientierter ReWi 2© Westarp Science Fachverlag
SummarySummary
This article deals with specific sections of my dissertation, which deals with
application-oriented religious studies. As part of a research project called
Hindiba (Arabic for dandelion), which is a prime example of implicit religi-
osity, the inner structures of individual levels of meaning of religiosity are
examined. This makes it possible to identify influences on the inclusivity of
people who have migrated as refugees. Inclusiveness is a term specifically
defined for the dissertation, which refers to the subjective experience of
security, structure, recognition, belonging and meaningfulness, to processes
of understanding for respectful development and to the individually experi-
enced feeling of having arrived.
Since research work as a concrete field of action from the perspective of
religious studies is to a large extent tied to the field of practice and therefore
there is no way around linking theory and practice, they are in constant
conflictual ambivalence to each other. In the connection between theory
and practice, the two areas must always be recognized as equal. This means
that theory can never be derived from practice alone and practice can never
be guided by purely theoretical steps. The resulting tensions are critically
examined in this article and at the same time their relevance in the context
of my research.
KeywordsKeywords
Religiosity, application-oriented, implicit, Field research, „Integration“
1 Spannungsverhältnisse zwischen Theorie und Praxis
Trotz vielerlei Vorwürfe und Kritikpunkte an die anwendungsorientierte
Religionswissenschaft wird der Praxisbezug in Hinblick auf den Untersu-
chungsschwerpunkt meiner Dissertation als unverzichtbar angesehen. Als
bi
sher unerforschtes und äußerst sensibles Feld gilt es, Veränderungen im
Forschungsprozess, in Anlehnung an die Bedürfnisse und an den Bedarf der
am Forschungsfeld Beteiligten vorzunehmen.
2
Dies kann nur gelingen, wenn
sich das Forschungsprozedere stets auf die pädagogische Praxis bezieht,
3
und
aus den dadurch entwickelten Strategien ein wissenschaftspädagogisches Han-
deln resultiert.
4
In diesem Zusammenspiel dienen die in der Theorie enthaltenen Ansätze dazu,
die Praxis im Sinne der Hermeneutik zu verstehen zu erklären, zu begründen
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Der vollständige Artikel umfasst 13 Seiten
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