I - 5.7.4

50 Jahre Religionsforschung und -vermittlung

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50 Jahre Religionsforschung und -vermittlung I - 5.7.4 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 79. EL 2024 1 I - 5.7.4 50 Jahre Religionsforschung und -vermittlung [50 years of religious research and education] Udo Tworuschka Submitted December 14, 2023, and accepted for publication January 10, 2024 Editor: Martin Rötting 1 P Angeregt zu diesem Beitrag haben mich die religionspädagogisch-autobiogra- fischen Forschungen von Horst F. Rupp, in dessen fünftem Band Vorarbeiten dieses Aufsatzes erschienen sind. 1 Geboren wurde ich am 12. Februar 1949 im niedersächsischen Städtchen See- sen am Harz. Meine Heimatstadt hat etwas länger gebraucht, um ihr großes jüdisches Erbe angemessen wahrzunehmen und wertzuschätzen: Hier fand nämlich der erste reformierte jüdische Gottesdienst in der 1810 von Rabbiner Israel Jacobson gegründeten Synagoge statt. Ich habe das Gebäude leider nie sehen können, da es in der Reichspogromnacht von 1938 in Schutt und Asche gelegt und nie wieder aufgebaut wurde. In Seesen wurde der in die USA aus- gewanderte Flügel- und Klavierbauer Henry E. Steinway (1797–1871) geboren, der in Seesen noch Steinweg hieß. Wilhelm Busch (1832–1908) verbrachte sei- ne letzten zehn Lebensjahre in Mechtshausen/Seesen. Und schließlich stamm- te aus Seesen der Altphilologe und Pädagoge Hermann Menge (1841–1939), Verfasser der Menge-Bibel . Seit 1952 lebte ich als evangelischer Christ in Düren inmitten einer dominant rheinisch-katholischen Umwelt. Die Kluft zwischen den Konfessionen war in meiner Kindheit und Jugend noch sehr tief. Religi- on gehörte nicht zu den „großen Themen“ in mei- ner Familie. Aus Pr otest gegen die Bekenntnisschulen verließ mein aus Oberschlesien stammender Vater --- Seite 1 Ende --- I - 5.7.4 50 Jahre Religionsforschung und -vermittlung 2© Westarp Science Fachverlag 1958 die katholische Kirche und wurde evangelisch. An Schwester Cäcilie und Tante Leni im katholischen Kindergarten erinnere ich mich, wenngleich undeutlich, mit einem guten Gefühl. Oft besuchte ich meine Großeltern in Seesen. Nach dem Krieg übernahm meine Oma als Friedhofsgärtnerin bis in die 1960er-Jahre die gärtnerische Pflege des jüdischen Friedhofes, die angesichts dessen bedauernswerten Zustandes her ein Notbehelf war. Jahr für Jahr kam Herr (Henry?) Nussbaum aus den USA, um sich einen Eindruck von der Pflege zu verschaffen. Ich habe meiner Großmutter öfter bei der Grabpflege geholfen. Immer wieder war ich verstört und fasziniert zugleich von dem zu verfallen drohenden Friedhof mit den für mich seltsamen Grabsteininschriften. Geweckt wurde jedenfalls dadurch mein Interesse an jüdischer Religion. Konfirmiert wur- de ich mit 14 Jah- ren in der Dürener Christuskirche. Der Religionsunterricht hinterließ keine ent- scheidenden Spu- ren. In den Jahren vor dem Abitur reif- te mein Entschluss, Theologie und Anglistik in Bonn zu studieren. Aus- schlaggebend dafür waren die Suche nach Antwort(en) auf die großen existenziellen Fra- gen und die Liebe zur englischen Kul- tur. Diese hat auch dazu geführt, dass die immer größer werdende Familie Tworuschka ge- schätzt 25-mal ih- ren Sommerurlaub
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