Tiere der Schöpfung – Schöpfung der Tiere XIII - 16.7
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 88. EL 2026 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Für den Betrachter einer Gesellschaft, deren religiöse Vergangenheit sich
hauptsächlich als monotheistisch versteht, ist es bisweilen schwierig zu be-
urteilen, wie polytheistische oder atheistische Vorstellungen von der Welt
die Beziehung zwischen Mensch und Tier definieren und welche morali-
schen Vorstellungen daraus hervorgehen. Der Hinduismus kennt eine Viel-
zahl deistischer und nicht-personaler Schöpfungsmythen: doch wie passen
Wiedergeburtslehre und Heilige Kuh zusammen? Anhand einer Auswahl
der bekanntesten hinduistischen Schöpfungsmythen (darunter Puruṣa,
Hiraṇyagharba, Samudra Manthana und die Daśāvatāra) wird gezeigt, wel-
che Rolle Tiere in der Schöpfung spielen können. Sie sind die Geschöpfe,
die bei der Schöpfung entstehen, helfen jedoch auch mit und übernehmen
tragende Rollen.
Wie eine moralische Botschaft zum Umgang des Menschen mit der Umwelt
aus diesen Schöpfungsmotiven abgeleitet werden kann, wird am Schluss
debattiert.
S
chlagwörter
Hinduismus, Schöpfung, Anthropomorphismus, Teriomorphismus, Urei,
Milchozean, Mutter Erde
XIII - 16.7 Tiere der Schöpfung – Schöpfung der Tiere.
Einblicke in die Mensch-Tier-Beziehungen in
hinduistischen Schöpfungsmythen
[Animals of Creation – Creation of animals.
Insights into human-animal relationships
in Hindu creation myths]
Rike Hegemann
Submitted August 13, 2025, and accepted for publication March 03, 2026
Editor: Maike Maria Domsel
SummarySummary
For the observer of a society whose religious past considers itself primarily
monotheistic, it is particularly difficult to judge how polytheistic or atheistic
ideas about the world define the relationship between humans and animals
--- Seite 1 Ende ---
XIII - 16.7 Tiere der Schöpfung – Schöpfung der Tiere 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
In Bezug auf die Rolle des Tieres im Hinduismus und der Verantwortung
des Menschen gegenüber der Schöpfung verzerren Heilige Kühe und vegane
Buddha-Bowl-Rezeptbücher bisweilen unser westliches Bild zu einer pazifis-
tischen Idealvorstellung, die uns dazu verleitet, den Hinduismus auf die Wie-
dergeburtslehre und das Ahiṃsā-Gebot zu reduzieren. Schöpfungsgeschichten
können uns dabei helfen zu verstehen, welchen Stellenwert Tiere, oder die
Natur allgemein, im hinduistischen Glauben einnehmen, welche moralischen
Verpflichtungen für den Menschen daraus hervorgehen und welches Hand-
lungspotenzial ihm gegeben wird, diesen Verpflichtungen nachzukommen.
Die Traditionen, Philosophien und Glaubensrichtungen, die sich zum Hin-
duismus zusammensetzen, stützen sich hinsichtlich ihrer Schöpfungsmythen
auf verschiedene, meist Jahrhundertealte religiöse Texttraditionen und hal-
ten sie durch ihre Rezitation und Interpretation lebendig. Das Repertoire, auf das hierbei zurückgegriffen werden kann, ist einzigartig vielseitig. Doch so wichtig es ist, die Vielfalt und Vielgestaltigkeit der unzähligen hinduistischen
Strömungen zu thematisieren, wäre es verheerend, den Hinduismus als un-
durchschaubares Chaos darzustellen.
1
Vielmehr sollte er betrachtet werden
wie ein großer Teppich, in dem jede seiner Traditionen als ein aus mehreren
Fäden gestaltetes Geflecht ebenso zu Struktur, Halt und Aussehen beiträgt
wie die Fäden anderer Traditionen, auch wenn diese anders aussehen, anders beschaffen sind oder andere Funktionen übernehmen.
and what moral ideas arise from this. Hinduism recognizes a multitude of deistic and impersonal creation myths: but how do the doctrine of reincar-
nation and the sacred cow fit together? Using a selection of the most well- known Hindu creation myths (including Puruṣa, Hiraṇyagharba, Samudra
Manthana, and the Daśāvatāra), the role animals can play in creation is
demonstrated. They are the creatures that come into being during creation, but they also assist and assume supporting roles.
How a moral message regarding humankind’s interaction with the environ-
ment can be derived from these creation motifs is discussed in the conclusion.KeywordsKeywords
hinduism, creation, anthropomorphism, teriomorphism, cosmic egg, milk
ocean, mother earth
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Der vollständige Artikel umfasst 19 Seiten
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