Tierethik im buddhistischen RU in Österreich XIII - 16.6
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 88. EL 2026 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Obwohl sich der historische Buddha nicht unmittelbar zu Klimafragen
geäußert hat, gibt es in der buddhistischen Lehre doch mehrere relevante
Anknüpfungspunkte für eine moderne Umwelt- und Tierethik. Nach einer
Diskussion zentraler Konzepte sowie der jeweiligen Belege soll dargestellt
werden, wie diese Grundlagen zeitgemäß im buddhistischen Religionsun-
terricht an österreichischen Schulen umgesetzt werden können, um einen
Beitrag zu Bildung für nachhaltige Entwicklung zu leisten.
Schlagwörter
Religionspädagogik, Nachhaltigkeit, Buddhismus, Tierethik, Bildung für
nachhaltige Entwicklung
XIII - 16.6 Tierethik im buddhistischen Religionsunterricht
in Österreich
[Animal ethics in Buddhist religious education in
Austria]
Anissa Strommer
Submitted August 13, 2025, and accepted for publication March 03, 2026
Editor: Maike Maria Domsel
SummarySummary
Although the Buddha did not say much about today’s climate issues, Bud-
dhist teachings provide several opportunities for linking them to environ-
mental or animal ethics. After discussing central concepts and their sources,
the present paper will illustrate how these foundations can be implemented in
Buddhist Religious Education im Austria in order to contribute to Education
for Sustainable Development.
KeywordsKeywords Religious education, sustainability, Buddhism, animal ethics, education for
sustainable development
--- Seite 1 Ende ---
XIII - 16.6 Tierethik im buddhistischen RU in Österreich 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
Ob es überhaupt eine buddhistische Umweltethik gibt, kann durchaus hinter-
fragt werden: Wenngleich sich der historische Buddha freilich nicht ausdrück-
lich zu den Klimafragen der heutigen Zeit äußerte, so entdeckt man doch in der
buddhistischen Lehre (Skt. Dharma) mehrere relevante Anknüpfungspunkte
für ökologische Überlegungen.
1
Zum Verhältnis von Menschen und Tieren
hingegen finden sich viele eindeutige Belege in verschiedenen buddhistischen
Quellen. Dennoch haben die vielfältigen Bemühungen zum Thema „Bildung
für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ aus verschiedenen Gründen noch kaum
Eingang in den konfessionellen Religionsunterricht gefunden
– dies gilt ins-
besondere für den buddhistischen Religionsunterricht (BRU), wie er seit 1993
an österreichischen Schulen stattfindet.
2
Der vorliegende Artikel möchte einer-
seits die Grundlagen einer buddhistischen Tierethik darlegen und andererseits thematisieren, wie diese im Sinne von BNE im BRU verankert werden kann.
2
Tierethik in der buddhistischen Lehre
Eine buddhistische Umweltethik kann sich auf verschiedene zugrunde liegende
Konzepte stützen, etwa auf die Goldene Regel, auf das Prinzip der Gewaltlo-
sigkeit oder auf das Beschreiten eines mittleren Weges zwischen Überfluss und
Askese, was einen verantwortungsvollen, ressourcenschonenden Konsumstil
nahelegt. Außerdem gibt es mehrere als tugendhaft oder heilsam angesehene
Verhaltensweisen, die dazu geeignet sind, die Menschen in einem umweltbe-
wussten und nachhaltigen Lebensstil zu unterstützen. Die vier unermesslichen
Geisteshaltungen etwa sind liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude sowie Gleich-
mut; die sechs Tugenden sind Großzügigkeit, ethisches Verhalten, Geduld,
Enthusiasmus, Meditation und Weisheit
– ohne Frage alles Eigenschaften, die
angesichts der Klimakatastrophe und der anderen Krisen der heutigen Zeit
nützlich sein können.
3
Wie der US-amerikanische Zen-Lehrer David R. Loy
es ausdrückt: „Buddhist teachings do not tell us what to do [Anm.: about the
ecological crisis], but they tell us a lot about how to do it.“
4
Aus dem Dharma lässt sich sehr schlüssig eine Verflechtung von menschlichen
und tierischen Existenzen ableiten, einerseits durch die Lehre von Karma und
Wiedergeburt, andererseits durch Interdependenz und Non-Dualismus. Ab-
hängig von den karmischen Bedingungen, die durch die eigenen Handlungen angesammelt wurden, werden alle Wesen
– auch Tiere – in einem der sechs
Daseinsbereichen wiedergeboren, solange sie im Kreislauf der Wiedergeburten
verhaftet sind. Somit wird mehrfach darauf hingewiesen, dass es nicht nur
keinen qualitativen Unterschied zwischen Menschen und Tieren gibt, sondern
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 10 Seiten
Der vollständige Artikel umfasst 10 Seiten