Christliche Tierethik XIII - 16.1
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 88. EL 2026 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Der Beitrag widmet sich dem Verhältnis von Mensch und Tier im Christen-
tum aus theologisch-ethischer Perspektive. Ausgangspunkt ist eine Ausei-
nandersetzung mit anthropozentrischen Denktraditionen, gegenüber denen
sich Neuausrichtungen in Theologie und Philosophie abgrenzen. Anschlie-
ßend werden biblische Befunde (Schöpfung, Soteriologie, Eschatologie) auf-
gezeigt, bevor katholische, protestantische und orthodoxe Theologien diese
zu ethischen Perspektiven entwickeln. Der Artikel zeigt, wie progressive
tierethische Einsichten und gelebte Praxis oft auseinanderklaffen, und ver-
deutlicht Möglichkeiten einer theologisch reflektierten Tierethik, die sich
rationaler Begründbarkeit verpflichtet weiß und dem Eigenwert tierlichen
Lebens gerecht wird.
Schlagwörter
Anthropozentrismus, Philosophie, Tierethik, Schöpfung, Eschatologie, Emp-
findungsfähigkeit, Gerechtigkeit, christliche Tierethik, Mitgeschöpflichkeit,
Verantwortung
XIII - 16.1 Christliche Tierethik: Mitgeschöpflichkeit und
Verantwortung
[Christian Animal Ethics: Co-Creatureliness and
Responsibility]
Johanna Maria Sacherl
Submitted August 13, 2025, and accepted for publication March 03, 2026
Editor: Maike Maria Domsel
SummarySummary
This article examines the human-animal relationship in Christianity from a
theological-ethical perspective. It begins with an engagement with anthro-
pocentric intellectual traditions, against which contemporary developments
in theology and philosophy position themselves critically. After presenting
biblical findings on creation, soteriology, and eschatology, it explores how
Catholic, Protestant, and Orthodox theologies translate these themes into
ethical perspectives. The article demonstrates the persistent gap between
progressive animal-ethical insights and actual practice, while highlighting
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XIII - 16.1 Christliche Tierethik 2© Westarp Science Fachverlag
Einleitung
Der Umgang zwischen Mensch und Tier spielt seit einigen Jahren eine
zunehmend wichtige Rolle in theologischen und gesellschaftlichen Debatten.
Christliche Tierethik gründet auf den Leitmotiven der Mitgeschöpflichkeit und
Verantwortung, deren Bedeutung sich im Spannungsfeld zwischen traditionel-
len Auslegungen und gegenwärtigen Anforderungen bewegt. Im Zentrum der
Diskussion steht das Bemühen, Maßstäbe für einen gerechten Umgang mit
Tieren zu finden, die dem Eigenwert tierischen Lebens Rechnung tragen und
kirchliche wie soziale Transformationsprozesse begleiten.
Dieser Artikel fokussiert zunächst die historische Entwicklung des Verhält-
nisses zwischen Mensch und Tier, die von anthropozentrischen Denktraditi-
onen über philosophische und theologische Neuausrichtungen reicht. Daran
schließt sich eine Betrachtung zentraler biblischer Befunde für das Verhältnis
zwischen Mensch und Tier an, bevor theologische (schöpfungstheologische,
soteriologische und eschatologische) und ethische Perspektiven aus katholi-
scher, protestantischer und orthodoxer Sicht skizziert werden.
1
Denktraditionen und Umbrüche
In den vergangenen Jahrzehnten sind die Stimmen für unsere Mitgeschöpfe
innerhalb von Theologie und Kirche deutlich zahlreicher geworden. Gleich-
zeitig waren es anthropozentrische Perspektiven (d. h., der Mensch und seine
Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt allen Handelns), die das Christentum und grundsätzlich den Umgang der Menschen mit den Tieren über Jahrhunderte prägten.
1.1
Anthropozentrische Positionen
Die mittelalterliche und frühe neuzeitliche Theologie etabliert ein Hierarchie-
denken zwischen Mensch und Tier, das auf der Vernunft als Unterscheidungs-
the potential of theologically informed animal ethics that grounds itself in
rational argumentation and respects the intrinsic value of animal life.
KeywordsKeywords
Anthropocentrism, Philosophy, Animal Ethics, Creation, Eschatology, Sen-
tience, Justice, Christian Animal Ethics, Co-Creatureliness, Responsibility
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Der vollständige Artikel umfasst 22 Seiten
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