I-5.8.3 🌐 EN

Sauter, Ungewisse Zeiten. Margarete Susman (1872–1966)

Uncertain Times. Margarete Susman (1872-1966)

📅 2026 📄 14 Seiten

<p><strong>I - 5.8.3 Ungewisse Zeiten. Margarete Susman (1872- 1966)</strong> <em><strong>[Uncertain Times. Margarete Susman (1872- 1966)]</strong></em> Inka Sauter</p>
<div class="hdr-abstract hdr-abstract-de">
<h3>Zusammenfassung</h3>
<p>Margarete Susman befragte Religion von ihren Bedeutungsrändern her. Sie war Dichterin, Essayistin und Zeitkritikerin, Feministin und Religionsphilosophin, dachte als deutsche Jüdin aus ihrer Zeit heraus sowohl über Verlust und Wiedergewinnung der eigenen Tradition als auch über „Religiosität“ und „das Religiöse“ allgemein nach. 1872 in Hamburg geboren, wuchs sie in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem Tod des Vaters studierte sie Malerei, trat zunächst mit Lyrik in die Öffentlichkeit und wandte sich um 1900 dann der Philosophie zu. Über die Jahre reflektierte Susman über ihre Gegenwart, über die zerrütteten Zeiten, die sie durchlebte und die in die Katastrophe mündeten. Sie schrieb unter anderem für die <em>Frankfurter Zeitung</em> , <em>Der Morgen</em> und auch für die <em>Blätter des Jüdischen Frauenbundes.</em> In ihren Texten, Büchern und anderen Schriften spannte sie einen Fragehorizont auf, der den Status des Religiösen insgesamt umkreiste. Insbesondere nahm sie jenes Schwinden religiöser Selbstverständlichkeit in den Blick, das Peripherien und Grenzen der Religionsforschung spiegelte. Damit leistete sie einen unverkennbaren Beitrag zur Frage der Religion in der Moderne.</p>
<p class="hdr-keywords"><strong>Schlagwörter:</strong> Jüdische Renaissance, Lebensphilosophie, Religiosität, das Religiöse, Säkularisierung</p>
</div>
<div class="hdr-abstract hdr-abstract-en">
<h3>Summary</h3>
<p>Margarete Susman explored the meaning of religion from its margins. She was a poet, essayist, and social critic, a feminist and philosopher of religion. As a German Jew, she reflected on the loss and recovery of her own tradition</p>
<p><em><strong>Submitted October 3, 2025, and accepted for publication February 3, 2026 Editor: Dolores Zoé Bertschinger</strong></em></p>
<p>as well as on “religiosity” and “the religious” in general, always linking her questions back to her own time. Born in Hamburg in 1872, Susman grew up in a wealthy family. After her father’s death, she began studying fine arts, first became publicly noticeable with poetry, and around 1900 turned to philosophy. Over the years, Susman reflected on the turbulent times she lived through, which ultimately culminated in catastrophe. She wrote articles and reviews for newspapers and journals such as <em>Frankfurter Zeitung</em> , <em>Der Morgen</em> , and <em>Blätter des Jüdischen Frauenbundes</em> . In her articles, books, and other writings, she has explored a range of questions that revolved around the status of religion as such. In particular, she has focused on the decline of religious self-evidence, which reflected the peripheries and boundaries of religious studies. In doing so, she made a distinctive contribution to the debate on religion in modernity.</p>
<p class="hdr-keywords"><strong>Keywords:</strong> Jewish Renaissance, philosophy of life, religiosity, the religious, secularization</p>
</div>
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<h2>1 Einleitende Worte</h2>
<p>In einer Zeit, in der Religion nicht mehr selbstverständlich war, fragte Margarete Susman nach ihrer Bedeutung von den Peripherien her und machte damit Säkularisierungsdynamiken wie das Fortwirken religiöser Themen sichtbar. Sie war in einer akkulturierten jüdischen Familie in Hamburg und Zürich aufgewachsen, hatte kaum noch Bezüge zur eigenen Tradition und sah religiöse Zugehörigkeit insgesamt von den Fragen der Zeit herausgefordert. Um 1900 begann sie philosophische Vorlesungen und die Privatseminare im Hause von Gertrud und Georg Simmel zu besuchen. Obwohl letztlich externe Gründe dafür verantwortlich waren, dass sie als Frau keine Universitätslaufbahn im deutschen Kaiserreich anstreben konnte, nahm sie auch dadurch in einer Zeit, in der Wissenschaft zunehmend hinterfragt wurde, Religion in offenerer Form in den Blick. Sie dachte über die Rolle der Frau, politische Revolution, den Status des Judentums im Zeitalter der Emanzipation und religiöse Erneuerung nach. In Begegnungen mit Gertrud und Georg Simmel, Martin Buber, Franz Rosenzweig und vielen anderen sowie in Monografien, Gedichten, Essays und Besprechungen in verschiedenen Medien - unter anderem in der <em>Frankfurter Zeitung</em> , der deutsch-jüdischen Zeitschrift <em>Der Morgen</em> oder auch den <em>Blättern des Jüdischen Frauenbundes</em> - legte sie ein facettenreiches Werk vor, das durch</p>
<p>ihre Suchbewegung zusammengehalten wird: Es umkreist den Verlust „des Religiösen“ und Versuche seiner Wiedergewinnung.</p>
<h2>2 In ihrer Zeit</h2>
<p>Auf ihrem Lebensweg erfuhr Susman den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert, den Ersten Weltkrieg und die Zerstörung der deutsch-jüdischen Welt, durch die sie auf das innigste geprägt war. Ihre 1964 veröffentlichte Autobiografie mit dem richtungsweisenden Titel <em>Ich habe viele Leben gelebt</em> eröffnete sie mit eben jener Brucherfahrung; sie legte dar: „Eine große Welt von Worten und Werten ist seit meiner Jugend versunken und hat nicht nur eine ganze Sprachwelt, sondern auch eine ganze Epoche mit sich gerissen.“<sup>1</sup> 1872 in Hamburg in wohlsituierten Verhältnissen geboren und aufgewachsen, zog Susman mit elf Jahren mit ihrer Familie nach Zürich. Während sie in Hamburg eine Privatschule besucht hatte, kam sie in der Schweiz an eine öffentliche Einrichtung und traf auf verschiedene soziale Schichten. Diese Erfahrung hielt sie noch im - hohen Alter präsent.<sup>2</sup> Der Hochschulzugang wurde ihr zunächst vom Vater ver wehrt. Nachdem dieser 1892 verstorben war, begann sie Malerei in Düsseldorf zu studieren und verfasste Lyrik; doch der Weg in die Wissenschaft blieb ihr weiterhin versperrt. Zu dieser Zeit lernte sie ihren späteren Ehemann Eduard von Bendemann kennen, 1906 heirateten sie, der gemeinsame Sohn wurde in demselben Jahr geboren, Ende der 1920er-Jahre kam es zur Scheidung.</p>
<p>Um die Jahrhundertwende veröffentlichte Susman einen ersten Gedichtband und wandte sich der Philosophie zu. In München lernte sie Gertrud Kantorowicz kennen, die sie mit Karl Wolfskehl bekannt machte, und bewegte sich im Kreis um Stefan George.<sup>3</sup> In Berlin verkehrte sie - erneut durch Vermittlung Kantorowicz’ - im Hause von Gertrud und Georg Simmel. Über Gertrud Simmel schrieb sie im Rückblick, dass sie sie „wie kaum eine andere Frau verehrt“ habe, sie sei für sie „eine bedeutende, in ihrer Weise großartige Erscheinung“ gewesen, „die sich mit allen wesentlichen Fragen des Lebens in einer selbständigen Weise auseinandersetzte und auch vier bedeutende Bücher unter dem Namen Marie Louise Enckendorff veröffentlicht hat“.<sup>4</sup> Georg Simmel war für Susmans philosophischen Werdegang in verschiedener Hinsicht wichtig,<sup>5</sup> in seinen Privatseminaren kam sie insbesondere mit Martin Buber und Ernst Bloch in Kontakt.<sup>6</sup> Simmel widmete seine Schrift <em>Die Religion</em> in der von Buber herausgegebenen Reihe <em>Die Gesellschaft</em> seinen „Freundinnen Getrud Kantorowicz und Margarete Susman“.<sup>7</sup> Später erinnerte sich Susman, wie Simmel von Kantorowicz und ihr selbst je eine Übersetzung von Schriften Henri Bergsons gefordert habe - die Begegnung mit diesem Denken war</p>
<p>für Susman „ein Grunderlebnis“, wie sie in ihrer Autobiografie schrieb und sie setzte erläuternd hinzu: „weil sein Hauptproblem, das der Zeit, auch mein eigenes war“.<sup>8</sup> Diese Entsprechung zeigt an, worum ihre Gedanken kreisten: eine Zeit im Wandel, ja vieler Wahrheiten und der darin angelegte Schwund von Gewissheit.</p>
<p>1907 begann Susman für die <em>Frankfurter Zeitung</em> zu schreiben. Ihre erste Feuilletonveröffentlichung in der viel gelesenen Zeitung war eine Besprechung von Jacob Fromers <em>Vom Ghetto zur modernen Kultur,</em> die zugleich mehr als eine bloße Rezension war.<sup>9</sup> Der Text, in dem Susman auch ihren eigenen Standpunkt deutlich machte, erschien unter dem Titel <em>Judentum und Kultur</em> im Mai des Jahres, gezeichnet war er mit „Margarete Susman“;<sup>10</sup> zwar trug sie seit ihrer Hochzeit den Nachnamen „von Bendemann“ und unterschrieb auch in ihrer Korrespondenz entsprechend, für Publikationen nutzte sie aber weiterhin ihren Geburtsnamen <em>.</em> 1910 erschien das Buch <em>Vom Wesen der modernen deutschen Lyrik,</em> das bis heute in der Literaturwissenschaft rezipiert wird; zwei Jahre später wurde die Schrift <em>Vom Sinn der Liebe</em> gedruckt, die sie Getrud Simmel zueignete und mit der sich ihre Freundschaft zu Gustav Landauer ausbaute.<sup>11</sup> Parallel dazu brachte sich Susman in die Zusammenhänge der Jüdischen Renaissance ein; 1913 veröffentlichte sie als einzige Frau einen Beitrag in dem vom Prager Studentenverein Bar Kochba herausgegebenen Sammelbuch <em>Vom Judentum</em> .<sup>12</sup> In den folgenden Jahren dachte sie immer wieder darüber nach, was das Judentum für sie persönlich und ganz allgemein bedeutete. So fragte sie 1919 etwa, welche Rolle dem Zionismus in ihrer Zeit zukäme, wie der „messianische Weg“ sich in der Geschichte formte und ihr wiederum Form gebe.[ 13] Aus dieser Perspektive hob sie eine für ihre weitere Reflexion des Judentums konstitutive Spannung zwischen politischer und religiöser Deutung hervor, die sich angesichts des zunehmenden Verlusts von Tradition in neuem Rahmen ausprägte. Mitte der 1920er Jahre knüpfte sie an diesen Gedankengang an, beschrieb das Judentum als „straffste Einheit von Innen und Außen, von Erkennen und Leben, von Idee und Wirklichkeit, von göttlicher Bestimmung und menschlichem Tun […], die die Geschichte kennt“ und suchte nach „Verständigung und Versöhnung des Deutschen mit dem Juden“, die sie zumindest potenziell „auf dem Boden der Religion“ fand.<sup>14</sup></p>
<p>Nach Stationen in Rüschlikon und Frankfurt zog Susman 1918 auf Wunsch ihres Ehemannes, der direkt ein Haus gekauft hatte, nach Säckingen an der Schweizer Grenze; in der provinziellen Umgebung war sie einsam und die „alltägliche Arbeit“ machte ihr zu schaffen.<sup>15</sup> Kurz vor ihrem Umzug hatte Susman Siegfried Kracauer in Frankfurt kennengelernt und die beiden korrespondierten während ihres Lebens auf dem Lande intensiv miteinander.<sup>16</sup> Ver-</p>
<h2>mittelt</h2>
<p class="hdr-author">Eugen und Margrit Rosenstock-Huessy, die ebenfalls in Säckingen wohnten, lernte sie zu dieser Zeit auch Franz Rosenzweig kennen.[17]</p>
<p>Zu Beginn des Jahres 1921 bat Rosenzweig sie, sein soeben erschienenes Werk <em>Der Stern der Erlösung</em> für die <em>Frankfurter Zeitung</em> zu rezensieren. Da es mit diesem Medium nicht klappen wollte, bot Susman Buber eine Besprechung für dessen 1916 gegründete Zeitschrift <em>Der Jude</em> an, in der sie bereits im zweiten Jahrgang ihr Stück <em>Davids Tod</em> veröffentlicht hatte.<sup>18</sup> In einem Brief an Buber vom April 1921 wie auch in ihrer folgenden Rezension von <em>Der Stern der Erlösung</em> zeigte sich Susman geradezu begeistert: Das Werk fange die geistesgeschichtliche Brucherfahrung ihrer Zeit ein.<sup>19</sup> Bald formte sich eine tiefe Freundschaft - nicht nur mit Franz, sondern auch mit Edith Rosenzweig. In ihren Essays, Büchern, Vorträgen und anderen Arbeiten dachte Susman über die Zäsur nach, die der Erste Weltkrieg bedeutete, schrieb über ihr Verständnis von Revolution, reflektierte den Status des Judentums und befragte die Rolle der Frau. Ihre Schriften waren geprägt von Begegnungen, dies bedeutete keine bloße Rezeption, sondern sie entfaltete ihre eigene Denkbewegung an den in den Blick genommenen „Gestalten“ und „Kreisen“, ihren Verbindungen, an den Zeiten, für die sie standen, wie an den Problemen, über die sie nachdachten.<sup>20</sup></p>
<p>Ende des Jahres 1933 verließ Susman das nationalsozialistische Deutschland und ging nach Zürich. Das vertraute Exil wurde ihr im 62. Lebensjahr zum Wirkungsort, auch nach der Shoah blieb sie dort. Bis zur Mitte der 1930er-Jahre schrieb sie für deutsch-jüdische Zeitschriften, danach für Schweizer Periodika in ihrem Umfeld, insbesondere veröffentlichte sie in <em>Neue Wege</em> , aber auch in <em>Der Aufbau. Sozialistische Wochenzeitung</em> und <em>Schweizer Frauenblatt. Organ für Fraueninteressen und Frauenkultur</em> . Sie lebte in ökonomisch prekären Verhältnissen und war behördlichen Restriktionen ausgesetzt.<sup>21</sup> Zwar pflegte sie in dieser Zeit Kontakte, etwa mit dem religiösen Sozialisten Leonard Ragaz und dem jungen Philosophen Hermann Levin Goldschmidt,<sup>22</sup> aber an ihre einstige Bedeutung als wichtige Stimme der Zeit, die sie in der Weimarer Republik erlangt hatte, konnte sie nicht mehr anknüpfen. Unmittelbar nach der Shoah legte sie ihre wohl bekannteste Schrift <em>Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes</em> vor, das sie in den Jahren des Krieges begonnen hatte.<sup>23</sup> Im hohen Alter erblindete sie und schrieb noch ihre Autobiografie im Auftrag des Leo Baeck Instituts, New York <em>.</em><sup>24</sup> Susman starb am 16. Januar 1966 mit 93 Jahren in Zürich.</p>
<h2>3 Befragte Religion</h2>
<p>Am Beginn von Susmans Nachdenken über Religion steht eine Verlusterfahrung.<sup>25</sup> Ihre Bibliografie verweist auf die darin angelegte verschobene Zentralität: Zwar findet sich in dieser nur ein Text, der das Wort „Religion“ (im Kompositum „Weltreligion“) in der Überschrift führt,<sup>26</sup> aber religiöse Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch sie hindurch. Einerseits spürte Susman der Bedeutung „biblischer Gestalten“ für ihre Gegenwart nach - insbesondere Hiob wurde ihr zu einer zentralen Referenzfigur -, andererseits befragte sie die Auflösungstendenzen, mit denen sie sich konfrontiert sah.<sup>27</sup> Ihr kritischer Ausgangspunkt war Friedrich Nietzsches „verzweifelter Triumphschrei: ‚Gott ist tot‘“.<sup>28</sup> Von diesem Wort aus entdeckte sie ganz verschiedene Gestalten, die der „religionslosen Zeit“ begegneten,<sup>29</sup> und zog zwischen ihnen motivische Verbindungen. Einerseits suchte sie nach gelebter Wirklichkeit im Judentum, andererseits wurden immer wieder die Herausforderungen des Christentums aufgerufen, das ihre Umwelt prägte, und dahinter lag die allgemeine Frage nach der Bedeutung von Religion im Angesicht ihres Schwindens.</p>
<p>Bereits im Mai 1907, in <em>Judentum und Kultur</em> , befragte Susman das Judentum auf seinen „lebendigen Kern“, sah zwar, dass man geneigt sei, „das <em>Christentum</em> “ als „ <em>die</em> Antwort“ zu nehmen, betonte aber, dass es nur „ <em>eine</em> Antwort“ sei und eröffnete so andere Perspektiven.<sup>30</sup> Damit wählte Susman bereits in ihrem ersten Text in der <em>Frankfurter Zeitung</em> eine Herangehensweise, die sie in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verfeinerte: das Fragen. Ihre Texte geben selten eindeutige Antworten, sie antworten vielmehr selbst wieder in fragender Form. Dabei zeigt sich in Susmans Denkbewegung eine bezeichnende begriffliche Affinität - wie Georg Simmel dachte sie über „Religiosität“ nach, verstanden als Haltung vor und in der „festen Form“ der Religion,<sup>31</sup> wie Gertrud Simmel rückte sie über die Jahre zunehmend „das Religiöse“ ins Zentrum.<sup>32</sup> Susman reflektierte in diesen Bezeichnungen von den Rändern ihres Bedeutungsfelds auf Religion, für sie war „das Religiöse“, wie sie es 1928 formulierte, in ihrer Zeit „verschüttet“.<sup>33</sup> Zwar strebte sie einen neuen Zugang an, enthielt sich allerdings direkter Rückwendungen. Dabei orientierte sie sich nicht nur an Georg Simmel, sondern nahm ihn zugleich auch als eine der Gestalten, die ihr zum Prisma wurden, um ihre Zeit zu verstehen. 1959 erschien ihre bündige Monografie über ihn, in der es heißt: „Nicht Religion als Glaube an ein Übersinnliches ist, was er suchte und fand, sondern Religion als Qualität eines religiösen Daseins.“<sup>34</sup> Diese Charakterisierung traf hinsichtlich der Suche auch auf sie selbst zu. In ihre Denkbewegung bezog sie in Rekurs auf Max Weber auch die „religionslose Zeit“ selbst mit ein; erst in ihr sei erkannt worden, legte sie 1929 dar, „daß alle Wahrheiten, alle Formen und Organisationen unseres</p>
<p>europäischen Lebens Umwandlungen, Verweltlichungen, Säkularisierungen ursprünglich religiöser Wahrheiten sind“.<sup>35</sup></p>
<p>Eine solche Rückbindung deutete Susman in verschiedene Richtungen aus und hielt dabei die für sie „eigentliche Frage der Religion“ präsent, diese lautet: „Wie kann ich erlöst werden?“.<sup>36</sup> 1918 drehte sich ihr Text <em>Die Revolution und die Frau</em> beispielweise um einen „religiösen Sinn“, der „in der Versammlung aller Menschen zum Menschentum“ lebte.<sup>37</sup> Zwar reflektierte sie auf das Christentum, rückte aber ganz im Sinne ihrer Zeit an dessen Stelle den „neuen Menschen“ und eine „neue Religion“.<sup>38</sup> Auch spürte sie der Auflösung alter religiöser Formen nach, in denen sie zugleich nach „schöpferische[m] religiöse[m] Quell“ suchte und kam aus dieser Perspektive immer wieder auf die Romantik zurück.<sup>39</sup> Ebenfalls 1918 schrieb sie entsprechend über Rahel Varnhagen: „So war auch Rahel als einer echten jüdischen Gestalt ihr Gott mitgegeben in einer schon entgotteten Welt.“<sup>40</sup> Auch in ihrem 1929 veröffentlichten Werk <em>Frauen der Romantik,</em> in dem sie an Varnhagen und anderen paradigmatischen „Frauengestalten“ etwas „Wesentliches der Romantik selbst“ zu verdeutlichen suchte,<sup>41</sup> ging es ihr gut ein Jahrzehnt später um jene Zeitdiagnose, in deren Zentrum die Frage nach der Religion stand. Während die „deutsche Metaphysik und Dichtung“ in einer „kollektiv irreligiösen Wirklichkeit, inmitten des Zerfalls der positiven Religion das Religiöse im Geist und in der einzelnen Seele“ in einem „Kosmos grandioser Symbole das zu bewahren“ suchte, „was in der Wirklichkeit des Gemeinschaftslebens verloren war“, sei die Romantik von der „Erschütterung über das Verlorene“ geprägt gewesen.<sup>42</sup></p>
<p>Und eben darin gründete Susmans Interesse für diese Zeit - dies führte allerdings auch dazu, dass sie deren Problemstellungen verlängerte. Für sie fand die Romantik ihren Hoffnungskern in „der Frau“ versinnbildlicht und aus dieser Perspektive befragte sie dann auch die Rolle, die dieser zugewiesen wurde. Das systematisierende Kapitel <em>Die Weltanschauung der Romantik</em> , das Susman in der Erstausgabe an den Anfang setzte, schließt mit der Einschätzung: „[D]ie romantische Frau“ habe „wirklich etwas von der messianischen Bedeutung, die der Mann ihr lieh, bewahrheitet, indem sie von seinem Bild aus den Horizont der romantischen Welt durch ihr Leben selbst an mehr als einem Punkt durchbrochen und überschritten hat“.<sup>43</sup> Die Romantik, führte Susman aus, habe in ihrer Illusion „die Lage einer glaubenslosen Welt vollendet […]. Aber sie hat uns auch damit unmittelbar an alle Probleme unserer Welt herangeführt.“ Sie habe „die ganze drohende Leere eines Horizonts sichtbar gemacht“, den sie durch ihr „zauberhaftes Luftbild“ zu verdecken gesucht habe.<sup>44</sup></p>
<p>Angesichts der sich ausweitenden Leere suchte Susman nach „religiöse[m] Dasein“ in ihrer Zeit; insbesondere Franz Rosenzweig wurde ihr zu einer ex-</p>
<p>emplarischen Figur religiöser Erneuerung. Ihre Besprechung von <em>Der Stern der Erlösung</em> in der Zeitschrift <em>Der Jude</em> eröffnete sie mit einer Gegenwartsdiagnose: „An einer großen Zeitwende steht dies Buch und ist es sich bewußt zu stehen: an der Zeitwende des Zerfalls, der Auflösung der Philosophie des reinen Denkens, wie sie von Parmenides bis Hegel die abendländische Welt beherrscht hat.“<sup>45</sup> Rosenzweig habe sich wieder der „lebendige[n] Wahrheit“ zugewandt, die für den Menschen, so Susman, eben nur „im Glauben“ zu finden sei, und sie meinte, in dem Buch „die todwunde, machtvoll ihrer Genesung entgegenringende Wahrheit unserer Zeit“ entdecken zu können.<sup>46</sup> Von eminenter Bedeutung für ihren Blick auf Rosenzweig war darüber hinaus die Verdeutschung der Schrift, die Martin Buber gemeinsam mit ihm 1925 begonnen hatte. Susman begleitete den Publikationsprozess in ihrer eigenen Weise und veröffentlichte gleich drei Texte in dessen Umfeld: <em>Was kann uns die Bibel heute noch bedeuten?</em> im Sommer 1926 in <em>Der Morgen,</em> Ende des Jahres eine Besprechung von Rosenzweigs <em>Die Schrift und Luther</em> , ebenfalls in <em>Der Morgen</em> , und schließlich noch im Februar 1928 in den <em>Basler Nachrichten</em> ihre Rezension <em>Die neue Übersetzung der Heiligen Schrift.</em> Susman erwähnte in <em>Was kann uns die Bibel heute noch bedeuten?</em> die Schriftverdeutschung nicht, aber es war dennoch ein Beitrag zur Wahrnehmung des im Dezember 1925 erschienenen ersten Bandes und den Debatten, die sich um ihn formten.<sup>47</sup> Susman sah in dieser Bibelübersetzung die eigene, fremd gewordene Welt hindurchscheinen und bewunderte die Arbeit von Buber und Rosenzweig; allerdings schrieb sie selbst in ihrer expliziten Würdigung des Werks, dass „das Religiöse […] verschüttet“ sei - nur mehr durch Dichtung könne es zugänglich werden - und sie hinterfragte, ob die Sprache der neuen Übersetzung in ihre Zeit hineinwirken könne.<sup>48</sup></p>
<p>Im Rückblick sah Susman in Rosenzweig einen letzten und zugleich paradigmatischen Vertreter des deutschen Judentums, dessen erster Repräsentant für sie Moses Mendelssohn gewesen war. Rosenzweig wurde ihr zu einem Beispiel der Wiedergewinnung eines religiösen Standpunkts, die nicht in einer einfachen Abwendung von der Welt mündete; so legte sie 1930 im Andenken - an Rosenzweig dar, dass er „ganz in unserer Zeit und ganz in der Ewigkeit“ ge wesen sei.<sup>49</sup> 1954 nahm sie den Gedanken von einer anderen Seite wieder auf: „Nichts von der Entwicklung einer ungläubigen Welt kann so dem gläubigen Denker erlassen werden; er muss mit Rosenzweigs Wort ‚ungläubiges Weltkind und gläubiges Gotteskind in einem‘ sein“.<sup>50</sup> Für Susman war „Rosenzweigs Denken […] der letzte und nach mehr als einem Jahrhundert wieder der erste explizit religiöse Lösungsversuch der deutschen Philosophie“. Und sie legte offen, welche Bedeutung sie ihm zuerkannte: „[E]s war Jahrzehnte, nachdem</p>
<p>Nietzsches: ‚Gott ist Tod‘ die abendländische Welt durchhallt hatte, der denkerische Ausdruck der Gewissheit, dass Gott nicht sterben <em>kann</em> “.<sup>51</sup> Zwar wies Rosenzweig einen Weg zum Glauben, den Susman selbst über Jahrzehnte immer wieder anführte, aber sie selbst konnte und wollte ihn nicht gehen. Stattdessen hielt sie präsent, dass sie - wie viele andere - diese Gewissheit nicht mehr hatte.</p>
<p>Susman dachte in ihrer Suchbewegung über Gestalten jener Epoche nach, in der sie geprägt worden war: von Moses Mendelssohn, Johann Wolfgang von Goethe und Rahel Varnhagen über Fjodor Dostojewski und Friedrich Nietzsche bis hin zu Georg Simmel, Martin Buber und Franz Rosenzweig. Den Kern ihrer Reflexion bildete die Frage nach „dem Religiösen“ in einer Zeit, in der es nicht mehr unmittelbar zugänglich war. Damit legte sie offen, wie sich Religion von ihren Grenzen und Rändern her veränderte, wie sich dadurch die Konkurrenz von Judentum und Christentum in neuer Form präsentierte und die Frage nach Wahrheit neu gestellt wurde. Simmel sagte einmal über Susman, sie sei „ein Zentrum ohne Peripherie“;<sup>52</sup> dieses Wort verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, wie sehr die Welt um sie herum in einer Zeit, in der „das Religiöse“ keinen selbstverständlichen Halt mehr bot, aus den Fugen geraten war.</p>
<h2>4 Wahrnehmungen</h2>
<p>Susman war Dichterin und Kulturphilosophin, dachte über jüdische Zugehörigkeit in persönlicher und allgemeiner Perspektive nach, reflektierte ihre Zeit der Auflösung und sah zugleich religiöse Motive fortwirken. In dieser Vielschichtigkeit war sie eine bedeutende Intellektuelle der Weimarer Republik, die dennoch immer wieder auf Ausgrenzung und Ignoranz traf, wie sie Frauen in dieser Zeit allzu oft erfuhren - gerade auch in der Wissenschaft. Ihr Nachdenken über eine Zeit ungewisser Wahrheit, die Brucherfahrungen und die Suche nach einem religiösen Standort sind von dieser vertrauten Außenperspektive geprägt, die wiederum ihre Rezeption und Wirkung lange verstellte. Obwohl sie mit Vertretern der Jüdischen Renaissance und auch der Kritischen Theorie (mindestens mit Kracauer temporär) in intensivem Austausch stand, wurde ihr Werk nicht annähernd so breit rezipiert wie das ihrer Zeitgenossen. Einzelne Schriften Susmans wurden mit der Zeit postum neu aufgelegt: 1992 stellte Ingeborg Nordmann Aufsätze und Briefe Susmans unter dem Titel <em>Das Nahund Fernsein des Fremden</em> zusammen, vier Jahre später erschien <em>Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes</em> mit einem Vorwort von Hermann Levin Goldschmidt. Seither wird Susmans Werk verstärkt zum Gegenstand der Forschung (in verschiedenen Disziplinen).</p>
<p>2014 hat Elisa Klapheck ihre umfangreiche Studie <em>Margarete Susman und ihr jüdischer Beitrag zur politischen Philosophie</em> vorgelegt, in der sie unter anderem der Frage nachgeht, warum Susman so lange verkannt worden ist - einen Grund hierfür sieht sie in der Vielschichtigkeit des Werks.<sup>53</sup> Während Susman als Dichterin und Denkerin der Rolle der Frau länger schon wahrgenommen wurde, zeigt sich mit Klaphecks und anderen Arbeiten in den letzten Jahren eine Würdigung ihres philosophischen Denkens. 2012 erschien der wegweisende Sammelband <em>Grenzgänge zwischen Dichtung, Philosophie und Kulturkritik. Über Margarete Susman</em> , herausgegeben von Anke Gilleir und Barbara Hahn, die 2022 auch Susmans <em>Gesammelten Schriften</em> veröffentlichten. 2024 wurde ein Tagungsband mit dem Titel <em>Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung</em> gedruckt, in dem neue Perspektiven auf Susmans Denkbewegung in ihren Kontexten und Netzwerken eröffnet werden. 2025 erschien die Quellenedition <em>Die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig</em> , die Susmans Beitrag zur Wahrnehmung der Schriftverdeutschung in den Vordergrund rückt und damit eine bisher weitgehend ausgeblendete Weichenstellung ihrer religionsphilosophischen Überlegungen nachvollziehbar macht. Dies sind freilich nicht die einzigen Studien, die sich Susman widmen, aber sie können als Zeichen dafür genommen werden, dass sich der Blick auf die Philosophin erweitert.</p>
<p>Eine Einordnung in die Religionsforschung wird indessen vor die Herausforderung gestellt, die verschiedenen Ebenen ihres Werks mit aktuellen Perspektiven in Einklang zu bringen, denen sie sich in spezifischer Weise entzieht. Susman machte romantische Positionen nicht nur zu ihrem Gegenstand, sondern entfaltete ihre eigene Denkbewegung an ihnen. Dabei bediente sie sich einer essenzialisierenden Sprache, wie sie sie in der Lebensphilosophie für sich entdeckt hatte und schrieb Vorstellungen von Weiblichkeit fest, die dem 19. Jahrhundert angehörten. In der fragenden Form, in der sie Verbindungen zwischen den Gestalten verschiedener Zeiten zog, legte sie allerdings auch offen, wie sehr diese Vorstellungen zur Moderne selbst gehörten. In ihrem Fragehorizont zeigte Susman den ihr gegenwärtigen Status von Religion von den Rändern her auf. Aus diesem Blickwinkel bietet ihr Werk gerade aufgrund der expliziten Zeitgebundenheit Impulse für die Religionsforschung.</p>
<h2>Literatur</h2>
<h2>_**Primärliterartur**_</h2>
<h2>_Susman, Margarete:_ Gesammelte Schriften, 5 Bände, hg.</h2>
<p class="hdr-author">Anke Gilleir/Barbara Hahn, Göttingen 2022.</p>
<p><em>Dies.:</em> Judentum und Kultur. In: Frankfurter Zeitung, 16.5.1907 (Erstes Morgenblatt), S. 1 f.</p>
<p><em>Dies.:</em> Das Wesen der modernen deutschen Lyrik, Stuttgart 1910.</p>
<p><em>Dies.:</em> Spinoza und das jüdische Weltgefühl. In: Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba“ in Prag (Hg.): Vom Judentum, Leipzig 1913, S. 51-70.</p>
<p><em>Dies.:</em> Die Revolution und die Frau, Frankfurt a. M. 1918 (a).</p>
<p><em>Dies.:</em> Rahels geistiges Wesen. In: Neue jüdische Monatshefte (1918), H. 20-22, S. 464-477 (b).</p>
<p><em>Dies.:</em> Davids Tod. In: Der Jude. Eine Monatsschrift 2 (1917/18), H. 5-6, S. 402-406. <em>Dies.:</em> Brief an Martin Buber, 30.4.1921. In: Martin Buber: Briefwechsel aus sieben Jahrzehnten, hg. v. Grete Schaeder, Bd.II: 1918-1938, Heidelberg 1973, S. 73-75. <em>Dies.:</em> Der Stern der Erlösung [Rezension]. In: Der Jude. Eine Monatsschrift 6 (1921/22), H. 4, S. 259-264.</p>
<p><em>Dies.:</em> Die neue Übersetzung der Heiligen Schrift. In: Basler Nachrichten (Literaturblatt, 18./19.2.1928), o.P.</p>
<p><em>Dies.:</em> Die messianische Idee als Friedensidee. In: Der Morgen 5 (1929), H. 4, S. 375385 (a).</p>
<p><em>Dies.:</em> Frauen der Romantik, Jena 1929 (b) [2. Aufl. 1931].</p>
<p><em>Dies.:</em> Franz Rosenzweig. In: Der Morgen 5 (1930), H. 6, S. 541-561 (a).</p>
<p><em>Dies.:</em> Franz Rosenzweigs Denken. In: Blätter des Jüdischen Frauenbundes 6 (1930), Nr. 6, S. 4-6 (b).</p>
<p><em>Dies.:</em> Das Judentum als Weltreligion. In: Mitteilungen der jüdischen Reformgemeinde zu Berlin (1932), Nr. 3, S. 8-10, Nr. 4, S. 4-6.</p>
<ul>
<li><em>Dies.:</em> Franz Rosenzweig. In: Margarete Susman: Gestalten und Kreise, Stuttgart/ Konstanz 1954, S. 287-311.</li>
</ul>
<p><em>Dies.:</em> Deutungen biblischer Gestalten, Stuttgart/Konstanz 1955.</p>
<p><em>Dies.:</em> Die geistige Gestalt Georg Simmels, Tübingen 1959.</p>
<p><em>Dies.:</em> Ich habe viele Leben gelebt. Erinnerungen, Stuttgart 1964.</p>
<h2>_**Sekundärliteratur**_</h2>
<ul>
<li><em>Battegay, Caspar:</em> Sternensprache. Utopie und Pathos bei Margarete Susman und Ernst Bloch. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 71-89.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Belke, Ingrid:</em> Siegfried Kracauer. Geschichte einer Begegnung. In: Gilleir, Anke/ Hahn, Barbara (Hg.): Grenzgänge zwischen Dichtung, Philosophie und Kulturkritik. Über Margarete Susman, Göttingen 2012, S. 35-61.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Bourel, Dominique:</em> Margarete Susmans Freundschaft mit Martin Buber und Bernhard Groethuysen. Eine lebensgeschichtliche Skizze. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/ Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 29-42.</li>
</ul>
<h2>- _Brasser, Martin:_ Die Skepsis der Liebe. Lektüren</h2>
<p class="hdr-author">Franz Rosenzweigs _Der Stern der Erlösung_ . In: Gilleir, Anke/Hahn, Barbara (Hg.): Grenzgänge zwischen Dich-</p>
<ul>
<li>tung, Philosophie und Kulturkritik. Über Margarete Susman, Göttingen 2012, S. 89-101.</li>
</ul>
<h2>- _Delf, Hannah:_ „In diesem Meer</h2>
<p class="hdr-author">Zeiten, meine Zeit!“. In: Metis 1 (1992), H. 2, S. 63-74.</p>
<ul>
<li><em>Dies. [Delf von Wolzogen, Hannah]:</em> Margarete Susman und Gustav Landauer oder Denkerin trifft Revolutionär. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/Caspar Battegay/ Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 43-70.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Enckendorff, Marie Louise [d.i. Gertrud Simmel]:</em> Über das Religiöse, München und Leipzig 1919.</li>
</ul>
<h2>- _Gilleir, Anke/Hahn, Barbara:_ Bibliographie. In: Margarete Susman: Gesammelte Schriften, 5. Bd., hg.</h2>
<p class="hdr-author">Anke Gilleir/Barbara Hahn, Göttingen 2022, S. 643-653.</p>
<ul>
<li><em>Goetschel, Willi:</em> Margarete Susman. In: Edward N. Zalta/Uri Nodelman (Hg.): <em>The Stanford Encyclopedia of Philosophy</em> (2022), https://plato.stanford.edu/archives/ fall2022/entries/susman-margarete/ [Zugriff: 20.07.2025].</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Ders.:</em> Margarete Susman. Eine deutsche Philosophin. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/ Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 7-28.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Hahn, Barbara:</em> Gedankenreiche: Margarete Susmans (1872-1966) Gestalten und Kreise (1954). In: Claudia Olk/Susanne Zepp (Hg.): Jüdische Wissenskulturen und Allgemeine Literaturwissenschaft, Berlin/Boston 2022, S. 159-167.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Hillman, Susanne:</em> „A Few Human Beings Walking Hand in Hand“. Margarete Susman, Leonhard Ragaz, and the Origins of the Jewish-Christian Dialogue in Zurich. In: Leo Baeck Institute Year Book 59 (2014), S. 141-162.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Klapheck, Elisa:</em> Margarete Susman und ihr jüdischer Beitrag zur politischen Philosophie, Berlin 2014.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Kudla, Martin J.:</em> Hiob und die Dialogik. Margarete Susman und Hermann Levin Goldschmidt. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 169-207.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Nigg, Walter:</em> Ein Zentrum ohne Peripherie. Margarete Susman. In: Walter Nigg: Heilige und Dichter, Freiburg i. Br. 1982, S. 180-202.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Nordmann, Ingeborg:</em> Nachwort. Wie man sich in der Sprache fremd bewegt. Zu den Essays von Margarete Susman. In: Margarete Susman, Das Nah- und Fernsein des Fremden, hg. von Ingeborg Nordmann, Frankfurt a. M. 1992, S. 227-263.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Dies.:</em> Der Dialog ist Bruch und Beginn: Zu Margarete Susman. Ein Porträt ihres Denkens. In: Julius Carlebach (Hg.): Zur Geschichte der jüdischen Frau in Deutschland, Berlin 1993, S. 203-218.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Dies.:</em> Einsamkeit und Urteilsfähigkeit. Dialoge mit Martin Buber und Franz Rosenzweig. In: Anke Gilleir/Barbara Hahn (Hg.): Grenzgänge zwischen Dichtung, Philosophie und Kulturkritik. Über Margarete Susman, Göttingen 2012, S. 62-88.</li>
</ul>
<ul>
<li><em>Palmer, Gesine:</em> „Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott ...“ oder: Einige Gedanken zur Sinnrede von Margarete Susman. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/ Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 209-231.</li>
</ul>
<p><em>Sauter, Inka:</em> Wiederaufnahmen. Susmans Rosenzweig-Texte. In: Martin J. Kudla/ Inka Sauter/Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 91-109.</p>
<h2>- _Dies./Kasten, Christoph/Martins, Ansgar (Hg._ ) _:_ Die Bibelübersetzung</h2>
<p class="hdr-author">BuberRosenzweig. Geschichte eines Projekts, Berlin 2025.</p>
<ul>
<li><em>Schwartz, Yossef:</em> Margarete Susman und Hannah Arendt. Die Geschichte einer Unfreundschaft. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 131168.</li>
</ul>
<h2>- _Simmel, Georg:_ Die Religion (Die Gesellschaft 2), hg.</h2>
<p class="hdr-author">Martin Buber, Frankfurt a. M. 1906.</p>
<ul>
<li><em>Wolf, Annette:</em> Todesmetaphysik. Margarete Susmans Kritik einer deutschen Tradition. In: Martin J. Kudla/Inka Sauter/Caspar Battegay/Willi Goetschel (Hg.): Margarete Susman. Beiträge zu Werk und Wirkung, Tübingen 2024, S. 111-129.</li>
</ul>
<h2>Anmerkungen</h2>
<p class="hdr-footnote"><sup>1</sup> Susman 1964, S. 9.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>2</sup> Vgl. Susman 1964, S. 18.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>3</sup> Vgl. Susman 1964, S. 47.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>4</sup> Susman 1964, S. 51-53</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>5</sup> Siehe dazu Goetschel 2024, S. 13-17.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>6</sup> Vgl. Susman 1964, S. 78-81; zu ihrer Freundschaft mit Buber siehe: Bourel 2024, und zu ihrer Beziehung zu Bloch: Battegay 2024.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>7</sup> Simmel 1906, S. 5.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>8</sup> Susman 1964, S. 55.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>9</sup> Zur Bedeutung des Textes für Susman siehe Klapheck 2014, S. 70-73.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>10</sup> Susman 1907.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>11</sup> Vgl. Susman 1912; siehe auch Goetschel 2022. Zur Bedeutung von <em>Vom Sinn der Liebe</em> für Susmans Denkbewegung siehe Palmer 2024. Zur Freundschaft mit Landauer: Delf von Wolzogen 2024.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>12</sup> Susman 1913; siehe dazu Goetschel 2022.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>13</sup> Susman 1919, S. 942 f.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>14</sup> Susman 1925, 82 und 84.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>15</sup> Susman 1964, S. 95.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>16</sup> Siehe dazu Belke 2012, S. 35-53.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>17</sup> Zu Susmans Dialog mit Rosenzweig siehe Nordmann 2012, Brasser 2012, Sauter 2024.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>18</sup> Vgl. Susman 1917/18.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>19</sup> Vgl. Susman an Buber, 30.4.1921, und Susman 1921/22.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>20</sup> Zur Bedeutung von „Gestalten“ und „Kreise“ siehe Hahn 2022.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>21</sup> Zeitweise schrieb sie unter dem Pseudonym „Reiner“, dazu und zu ihrem Umfeld in Zürich siehe Hillman 2014, S. 144 f.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>22</sup> Siehe Hillman 2014; Kudla 2024.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>23</sup> Siehe zu Entstehung und Deutung des Buches unter anderem Klapheck 2014, S. 322-331; Kudla 2024.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>24</sup> Susman 1964, S. 7.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>25</sup> Siehe zu Susmans Religionsverständnis u. a. Nordmann 1993, S. 207 f.; zur Bedeutung der Zeiten: Delf 1992.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>26</sup> Es handelt sich um den Text Susman 1932. Siehe Gilleir/Hahn 2022, S. 646.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>27</sup> Susman 1955; zur Bedeutungsverschiebung siehe Delf 1992, S. 71.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>28</sup> Susman 1929a, S. 381; Susman 1926, S. 299. Zu diesem Ausgangspunkt siehe Nordmann 1992, S. 234.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>29</sup> Susman 1929a, S. 381.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>30</sup> Susman 1907, S. 2 [Herv. im Original gesperrt].</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>31</sup> Simmel 1906, 29 f.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>32</sup> Simmel 1919.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>33</sup> Susman 1928. Fast zwanzig Jahre zuvor ging sie davon aus, dass „die Religion […] verschüttet“ sei. Susman 1910, S. 7.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>34</sup> Susman 1959, S. 32 f.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>35</sup> Susman 1929a, S. 381.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>36</sup> Susman 1932, S. 8.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>37</sup> Susman 1918a, S. 9.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>38</sup> Susman 1918a, S. 9; siehe auch Klapheck 2014, S. 189.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>39</sup> Susman 1918b, S. 474.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>40</sup> Susman 1918b, S. 474 f.; auch Hannah Arendt wandte sich exponiert Rahel Varnhagen zu, zu dieser Parallele siehe Gilleir 2024, S. 103 f., Schwartz 2024, S. 136-140.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>41</sup> So beschrieb sie es im Vorwort zur 2. Auflage: Susman 1931, 3.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>42</sup> Susman 1929b, S. 3; zu Susmans Kritik der deutschen Metaphysik siehe Wolf 2024.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>43</sup> Susman 1929b, S. 26.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>44</sup> Susman 1929b, S. 26.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>45</sup> Susman 1921/22, S. 259.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>46</sup> Susman 1921/22, S. 264.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>47</sup> Zum Hintergrund des Textes und den Debatten allgemein siehe Sauter/Kasten/ Martins 2025.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>48</sup> Susman 1928.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>49</sup> Susman 1930a, S. 541.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>50</sup> Susman 1954, S. 302; bereits 1930 hatte sie dies ähnlich formuliert: Susman 1930b, S. 5; siehe auch Nordmann 1993, S. 207.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>51</sup> Susman 1954, S. 310 [Herv. im Original].</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>52</sup> Zit. nach Nigg 1982, S. 181.</p>
<p class="hdr-footnote"><sup>53</sup> Klapheck 2014, S. 62-69.</p>

Schlagwörter: Jüdische Renaissance, Lebensphilosophie, Religiosität, das Religiöse, Säkularisierung

Uncertain Times. Margarete Susman (1872-1966)

No English summary available. Only title translated.

Keywords: Jewish Renaissance, philosophy of life, religiosity, the religious, secularization

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