Pytlas, Religion und Ultranationalismus in Polen
Religion und Ultranationalismus in Polen Von Bartek Pytlas Einleitung Seit 1989 ist Polen regelmäßig von scharfen politischen Debatten und steigender Polarisierung der Gesellschaft um moralpolitische Fragen geprägt. Der Streit um „nationale Werte“, um Rechte von sexuellen Minderheiten, um Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch und weiteren bioethischen Fragen wie die In-vitro-Befruchtung werden dabei in den letzten Jahren verstärkt durch eine Kombination vom fundamentalistisch ausgelegten Katholizismus mit Ultranationalismus legitimiert. Dabei wird dieser Deutungsrahmen nicht nur von rechtsradikalen Parteien artikuliert, sondern auch von der national-konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit ( Prawo i Sprawiedliwo, PiS) übernommen und im Mainstream-Diskurs etabliert. Dieser Beitrag will die Gründe der polnischen „religio-nationaler Symbiose“1 sowie ihre Konsequenzen für die gegenwärtige Politik erörtern. Im Folgenden wird daher zuerst das Verhältnis zwischen Religion und Politik einerseits, sowie zwischen fundamentalistischer Auslegung von Religion und Ultranationalismus andererseits beschrieben. Danach wird diese Verflechtung in den soziokulturellen Kontext der polnischen Nationsbildungsgeschichte gebracht. Auf diese Überlegungen folgt schließlich …
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