Klöcker, Religiöser Fundamentalismus: kritische Diagnosen
Religiöser Fundamentalismus: kritische Diagnosen Von Michael Klöcker Das Etikett Fundamentalismus, zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA Selbstbezcichnung einer protestantisch-konservativen Sammlungsbcwegung, wird in jüngster Zeit von Religionskritikcrn gezielt auf den absoluten Wahrheits und Verbindlichkeitsanspruch in den Religionen bezogen, der in überzeitlich geltendem „heiligen Wissen“ fixiert ist und scharfe Abgrcnzungslinien gegen das - mit dem eigenen Absolutheitsanspruch auf „objektive“ Wahrheit und Gel tung unvereinbare - Wissenschafts- und Wcltverständnis der modernen Zivili sation auf der Grundlage von eigensinnigem Vernunftgebrauch, individueller Autonomie, subjektiver Handlungskompctenz zieht. Attraktivität und Gefah ren des „religiösen Fundamentalismus“ sind in einer Reihe sozial- und individualpsychologischer Studien analysiert worden: Einerseits biete er durch hergebracht väterliche Autoritäten und einfach-klare Leitsätze Orientierungs sicherheit und Gemeinschaft, stille damit die Sehnsucht nach „mütterlicher UrWir-Geborgenheit“; andererseits seien aber für solche „Aufgehobcnheit“ ver hängnisvolle Leistungen und Verdrängungen erforderlich: Unterwürfigkeit, Verzicht auf eigene persönliche Autonomie, Verdrängung und Delegation von Angst und Aggression. In jüngerer Zeit, insbesondere …
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