Kiefer, Antisemitismus und Islam in Deutschland
Antisemitismus und Islam in Deutschland Ausmaß und Herkunft antisemitischer Einstellungen bei Jugendlichen mit muslimischem Sozialisationskontext MICHAEL KIEFER Einleitung In der öffentlichen Wahrnehmung aber auch in der sozialwissenschaftlichen Forschung wurde der Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland über nahezu vier Dekaden als ein Phänomen angesehen, das überwiegend in rechten und in einem weitaus geringeren Maße in linken bzw. linksradikalen Milieus vorzufinden war. Die Fokussierung auf die genannten Milieus war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass man den gesellschaftlichen Veränderungen, die durch jahrzehntelange Zuwanderung ausgelöst wurde, keine oder allenfalls eine geringe Beachtung zukommen ließ. Im Selbstverständnis des politischen Mainstreams war Deutschland bis in die 1990er-Jahre keine Zuwanderungsgesellschaft. Vielmehr herrschte die irrige Vorstellung, dass Zuwanderung und Arbeitsmigration als ein temporäres Phänomen angesehen werden können. Folglich fanden politische und religiöse Einstellungen in den heterogenen Zuwanderungscommunities, in denen durchaus auch schon in den 1970er-Jahren antisemitische Einstellungen beobachtbar waren, kein hohes Interesse. Eine sukzessive Veränderung der Wahrnehmung …
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