IV-1.10

Jokisch, Salafismus

2015 22 Seiten

Salafismus Von Benjamin Jokisch Einleitung Trotz seiner beträchtlichen Aktualität bezeichnet der Salafismus ein in Wissenschaft und Medien nach wie vor schwer eingrenzbares Phänomen. Als globale „religiöse Strömung“ umfasst er zunächst und ganz allgemein all jene islamischen Gruppierungen, die in emphatischer Berufung auf die sogenannten „Altvorderen“ ( as-salaf aṣ-ṣāliḥ ) eine Rückkehr zum wahren, authentischen Islam anstreben. Dabei stützen sie sich ebenso wie der sunnitische Mehrheitsislam und auch die Schia auf die „Tradition“ (vor allem die Offenbarungsschrift des Koran und die Sunna, das heißt die vorbildliche Lebensweise des Propheten), grenzen sich aber zugleich deutlich von dieser ab. Der Salafismus bildet keine kohärente Strömung, sondern ist vielmehr durch ein äußerst heterogenes Spektrum an Einzelbewegungen und -gruppierungen gekennzeichnet, die z. T. in Konkurrenz zueinander stehen und sich gegenseitig für „Ungläubige“ erklären.1 Die gängige Unterscheidung zwischen literalistischem, refor mistischem und ǧihadistischem Salafismus2 bietet lediglich eine grobe Einteilung, zumal die Grenzen zwischen den Gruppierungen der …

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