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Ja zur Intersektionalität, aber Nein zu muslimischer Vielfalt? – Warum Vorbehalte und Stereotypisierungen überleben

Warum Vorbehalte und Stereotypisierungen überleben

Yes to intersectionality but no to muslim diversity?

Autoren: Caliskan, Hakan
📅 2023 📄 15 Seiten

📝 Zusammenfassung

Warum gibt es eigentlich noch antimuslimischen Rassismus, obwohl doch moderne Diskurse entlang der Diversität als neuer gesellschaftlicher Wert Rassismus den Nährboden entziehen sollten? Dieser Beitrag soll Hinweise darauf geben. Der Artikel zeigt auch auf, dass die intersektional zusammenhängenden und sich überschneidenden Diskriminierungskategorien äEthnie", äReligion", äKultur" und äGender" auch beim antimuslimischen Rassismus eine federführende Rolle spielen. Daher erscheint es naheliegend, den antimuslimischen Rassismus auch als ein intersektionales Problem zu verstehen. Um diese Annahme zu ergründen, wird der Artikel exemplarisch zwei Parolen des antimuslimischen Rassismus hinsichtlich dieser erwähnten Diskriminierungskategorien analysieren. Der Blick auf die Geschichte und auf den Begriff des äMaster-Narrativs" soll schließlich einen Erklärungsversuch zur Langlebigkeit des antimuslimischen Rassismus liefern. Die antimuslimischen Einstellungen beruhen nämlich auf rassistisch aufgeladenen und eurozentrischen Imaginationen über den Orient und die Muslime, die über Jahrhunderte schon existieren und das heutige Denken weiterhin beeinflussen. Spezifisch deutsche äIntegrationsdebatten" im Kontext der Migrationsbewegung ca. ab den 1960er-Jahren bedienen, wiederholen und aktualisieren historisch gewachsene antimuslimische Bilder, weshalb auch eine Kontinuität der antimuslimischen Einstellungen von ädamals bis heute" festzustellen ist. Besonders relevant erscheint der Gedanke der Ethnisierung der islamischen Religion. Kulturell anmutende Praktiken einer Person werden somit ohne die Notwendigkeit weiterer Analysen monokausal durch den Islam als äHerkunft" erklärt. Dadurch findet eine nicht mehr lösbare Vermischung von Religion und Kultur statt, und eine deterministische und statische Lesart dieser kategorischen Begriffe wird im öffentlichen Raum etabliert. Historisch bedingte und tief sitzende Rassismen bilden im Einklang mit modernen Diskursen also eine Art selbst erhaltenden Kreislauf, wodurch antimuslimische Einstellungen als besonders überlebensfähig erscheinen.

📝 Summary

Why is there still anti-Muslim racism when modern discourses on diversity as a new social value are supposed to remove the breeding ground for racism? This contribution is intended to give some hints. The article also shows that the intersectionally related and overlapping categories of discrimination "ethnicityÓ, "religionÓ, "cultureÓ and "genderÓ play a leading role in anti-Muslim racism. Therefore, it seems obvious to understand anti-Muslim racism as an intersectional problem. To explore this assumption the article will analyze two exemplary slogans of anti-Muslim racism regarding the mentioned categories of discrimination. A look on history and on the term "master narrativeÓ shall finally deliver an attempt at an explanation towards the longevity of anti-Muslim racism. The anti-Muslim attitudes are based on racist and Eurocentric imaginations about the Orient and the Muslims, which have existed for centuries and continue to influence todayÖs thinking. Specifically German "integration debatesÓ in the context of the migration movement from around the 1960s serve, repeat and update historically grown anti-Muslim images, which is why a continuity of anti-Muslim attitudes from "then to nowÓ can be observed. The idea of ethnicizing the Islamic religion appears to be particularly relevant. A personÖs cultural practices are thus monocausally explained by Islam as "originÓ without the need for further analyses. As a result, an irresolvable mixture of religion and culture takes place and a deterministic and static reading of these categorical terms is established in public space. Historically determined and deep-seated racisms form a kind of self-sustaining cycle in accordance with modern discourses, which makes anti-Muslim attitudes appear particularly viable.

🏷️ Schlagwörter

DE Islam, Diversity, antimuslimischer Rassismus, Feminismus, Islamophobie

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I-30.4_Casliskan_Ja zur Intersektionalitaet_EL75_03_2023_X-1a.pdf 15 Seiten
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