Fügmann, Ásatrú: Germanisches Neuheidentum?
Ásatrú: Germanisches Neuheidentum? DAGMAR FÜGMANN Der Begriff „Germanen“ Ásatrú (von altnordisch: áss, Plural æsir: Asen und trú: Treue, Gelöbnis, Glaube), eine Wortneuschöpfung, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Skandinavien entstand, bezeichnet den „Glauben an die Asen“ bzw. das gegenseitige Treueverhältnis zwischen dem jüngeren eddischen Göttergeschlecht der Asen und den Gläubigen. In religionswissenschaftlichen Kontexten wird Ásatrú unter den Überbegriff „germanisches Neuheidentum“ (wahlweise: neugermanisches Heidentum) subsumiert. Unter „Neuheidentum“ (alternativ: Neo-Paganismus, modernes Heidentum etc.) werden zeitgenössische, alternativreligiöse Ansätze zusammengefasst, die, ihrem Selbstverständnis nach, vorchristliche Religionstraditionen wiederbegründen und/oder fortführen. Im Falle des germanischen Neuheidentums basiert diese Fortführung und Wiederbelebung dem Begriff nach auf Kultur, Mythologie und Glaubenswelt „der Germanen“. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich aus dieser Definition allerdings bereits hinsichtlich der Brauchbarkeit des Germanenbegriffs unterschiedliche Problemlagen. _Begriffsbildung in der Antike_ Ursprünglich stammt die Bezeichnung „Germanen“ aus der antiken Geschichts schreibung und Ethnografie1 . In antiken Quellen findet sich die Bezeichnung Germanen vor Caesar …
📖 Leseprobe
Die ersten Seiten dieses Artikels können Sie kostenfrei lesen.