Dörfler-Dierken, Evangelische Seelsorge an Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr
Evangelische Seelsorge an Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ANGELIKA DÖRFLER-DIERKEN Aufgrund der Erfahrung der misslichen Lage der Militärseelsorge im Zweiten Weltkrieg und des Entsetzens über die Gräueltaten, zu denen Menschen sich als fähig erwiesen hatten, war der preußische Typus der Militärseelsorge völlig desavouiert, als es um erste Planungen für die Aufstellung der Bundeswehr ging: Die „Gnade des Nullpunkts“1 sollte für eine umfassende Innovation genutzt werden. In einem Grundsatzpapier aus dem Amt Blank (der Vorläufer - institution des Verteidigungsministeriums, geleitet von Theodor Blank) wurde schon im Juni 1952, also vier Jahre vor Einberufung der ersten Wehrpflichtigen und fünf Jahre vor Unterzeichnung des Militärseelsorgevertrages, schriftlich festgehalten, es müsse „versucht werden, die Gefahren einer reinen Wehrmachtskirche zu umgehen.“2 So wurde eine Doppelstrategie vorgesehen: Einerseits wurde die Akzeptanz der Seelsorger bei den Soldaten durch tiefe Einbindung in die Truppe gestärkt, andererseits aber deren Zivilität gegenüber der „totalen Institution“ (Erving Goffman) Militär durch Herausnahme aus …
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