Blume, Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen
Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen - Die neue Dynamik „religionsbiologischer“ Forschungen MICHAEL BLUME Einleitung und Forschungsgeschichte Wenn Phänomene menschlichen Verhaltens wie Sprache oder Musik wissenschaftlich erforscht und beschrieben werden, wird Grundlagenwissen über die Evolution biologischer Voraussetzungen wie Kehlkopf, Ohr oder verschiedene Gehirnregionen (etwa das Broca-Areal) längst voraus gesetzt sowie Vergleichsfälle aus der Ethologie (Kommunikation unter Primaten, Gesang von Walen u.a.) selbstverständlich herangezogen. Dabei werden nicht etwa Chinesisch oder Jazz auf Biologie reduziert, sondern die Wechselwirkung zwischen biologischer und kultureller Evolution mit ihren jeweiligen Bedingungen und Eigengesetzlichkeiten erkundet (sog. Gen-Kultur-Koevolution oder biokulturelle Evolution).1 In der wissenschaftlichen Erforschung der Religiosität und Religionen beginnt sich ein vergleichbarer Forschungsstand erst durchzusetzen. Dabei nahmen sowohl Charles Darwin wie auch sein Mitentdecker Alfred Russell Wallace auch für Religiosität und Religionen biokulturelle Evolutionsprozesse an. Darwin widmete Hypothesen zur Evolution religiösen Verhaltens, Selektionsvorteilen und der Herausbildung des Gottesglaubens insgesamt mehrere Seiten in seiner „Abstammung des Menschen“.2 Und sogar …
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