Steinfeld, Hieb- und stichfest? Insekten als Akteure christlicher Ethik
Sting of Conscience? Insects as Agents in Christian Ethics
Tierethische Entwürfe richten ihren Fokus zumeist auf Wirbeltiere; Wirbellose wie Insekten finden dagegen meist nur am Rand Erwähnung. Mitten im sechsten großen Artensterben erscheint eine ethische Reflexion der artenreichsten aller Tierklassen jedoch angezeigt. Im Durchgang durch drei exemplarische Fallvignetten (Bewusstsein, Insektenprozesse, Gene Drives) zeigt der Beitrag, dass und wie Insekten vom Mittelalter bis in die Neuzeit theologisch Aufmerksamkeit auf sich zogen und wie sich die Wahrnehmung von Insekten in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Im Blick auf die Ethik eröffnen die Fallstudien einerseits einen Sinn für Insekten als mögliche Akteure mit einer Art Bewusstsein und Perspektive, machen andererseits aber auch das Dilemma sichtbar, dass Menschen Insekten nicht nur unvermeidlich töten, sondern auch in der Lage sind, Arten intentional auszurotten, beispielsweise im Kampf gegen Malaria.
Sting of Conscience? Insects as Agents in Christian Ethics
Frameworks in animal ethics tend to focus primarily on vertebrates, while invertebrates – especially insects – are largely relegated to the margins. In the midst of the sixth mass extinction, however, ethical reflection on the most species-rich class of animals seems expedient. Through three exemplary case studies (consciousness, insect trials, gene drives), this article explores how insects have drawn theological attention from the middle ages to the modern period and how their significance has shifted in recent decades. The case studies invite a reconsideration of insects as potential agents endowed with a form of consciousness and perspective on one hand; on the other hand, they reveal the ethical dilemma that humans not only inevitably kill insects but are also capable of deliberately eradicating entire species, e.g. in the fight against malaria.
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